Wenig Interesse an Carsharing im Landkreis Dachau

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Die „Zeitwärts“-Carsharing-Fahrzeuge – hier vor dem Rathaus in Petershausen – werden Ende Juli aus dem Ortsbild verschwinden, das Angebot wird eingestellt. © ps

VR-Bank stellt Leihauto-Service „Zeitwärts“ ein. Auch „Statt-Auto“ hört auf. Grund ist die fehlende Nachfrage.

Ohne eigenes Auto ein Ziel ansteuern, dort wo der öffentliche Nahverkehr nicht hinfährt? Und das auch noch umweltfreundlich? Für Bürger der Stadt Dachau wie auch der Gemeinde Petershausen war das zuletzt recht unkompliziert möglich. Denn im November 2021 startete die Volksbank Raiffeisenbank Dachau ein Carsharing-Angebot unter dem Namen „Zeitwärts“.

Vier Elektrofahrzeuge waren verfügbar

Vier Elektrofahrzeuge waren seitdem in Dachau und Petershausen an drei Standorten verfügbar. Doch nach gut dreieinhalb Jahren wird „Zeitwärts“ jetzt zum 31. Juli eingestellt, wie die Volksbank aktuell den registrierten Nutzern mitteilt. Die Nachfrage habe sich „nicht in dem Maß etabliert, wie es für einen wirtschaftlichen Betrieb notwendig ist“, erklärt Volksbank-Pressesprecher Florian Rohrmüller auf Anfrage der Heimatzeitung.

Ab August wird es damit in der Kreisstadt kein Carsharing mehr geben. Denn auch das Unternehmen „Statt-Auto“, das seit 2001 mit Leihfahrzeugen in der Stadt aktiv war, hatte den Standort Dachau in seinem Netz bereits Anfang des Jahres aufgelöst. In Petershausen sucht Bürgermeister Marcel Fath (FW) nach einer Ersatzlösung. „Für einige Bürger ist Carsharing schon Teil ihres Alltags geworden, wir wollen so ein Angebot deshalb fortführen.“ Ob es gelingt, ist noch offen.

Gestartet war „Zeitwärts“ mit großem Optimismus. Was in Großstädten funktioniert, sollte auch die Mobilität im ländlichen Raum verändern, das war das Ziel. Mit im Boot war neben der Volksbank Raiffeisenbank als Initiator von Anfang an auch die Gemeinde Petershausen. Dort hatte es bereits Überlegungen für ein Carsharing-Projekt gegeben, gerne stieg man deshalb ein bei „Zeitwärts“. Die Rathaus-Verwaltung machte dort auch mit beim Car-Sharing, auf die Anschaffung eines gemeindlichen Firmenwagens wurde dafür verzichtet.

Ein „Zeitwärts“-Leihfahrzeug parkt seitdem vor dem Rathaus, wird vormittags von Rathausmitarbeitern genutzt, steht die übrige Zeit der Bürgerschaft zur Verfügung. Zur Nutzung dieses Fahrzeugs zog die Gemeinde noch im Sommer 2024 eine positive Bilanz. Das Modell habe sich etabliert, „das Fahrzeug ist täglich unterwegs“, hieß es damals im Gemeinderat. Die drei übrigen „Zeitwärts“-Fahrzeuge waren bei der Volksbank-Raiffeisenbank in Dachau und Petershausen stationiert und ausleihbar.

Doch bei der Volksbank ist man mit der Entwicklung von „Zeitwärts“ nicht zufrieden. Neben der zu geringen Nachfrage sei ein wesentlicher Grund für die Einstellung des Angebots der hohe interne Betreuungsaufwand, so der Banksprecher. Und auch der „wiederholt nachlässige oder unsachgemäße Umgang mit den Fahrzeugen“ habe zuletzt gegen das Carsharing-Modell gesprochen. „Denn der respektvolle Umgang mit gemeinsam genutztem Eigentum ist eine Grundvoraussetzung für das Gelingen von Sharing-Modellen.“ Aus den genannten Gründen habe sich die Volksbank bereits 2024 entschieden, „Zeitwärts“ einzustellen. 

Sichtbarkeit wäre wichtig

Tatsächlich scheint Dachau ein schwieriges Pflaster für Carsharing zu sein. Denn auch der Münchner Anbieter „Statt-Auto“, seit 2001 in Dachau aktiv, hat sein Angebot zum Jahresbeginn eingestellt, wie Geschäftsführerin Petra-Maria Klier auf Nachfrage der Heimatzeitung erklärt. Der Standort der „Statt-Auto“-Fahrzeuge in der von den Stadtwerken verwalteten Tiefgarage am Sparkassenplatz habe sich auf Dauer als ungünstig erwiesen. Carsharing lebe davon, dass Fahrzeuge auch genutzt werden. Dafür müssten diese aber im Stadtbild erkennbar sein. „Wir haben uns lange um einen oberirdischen Stellplatz bemüht, damit wir sichtbar sind, letztlich vergeblich“, so Klier.

Während in anderen Städten das Mobilitätsangebot auch mit Sharing-Fahrzeugen ausgebaut wird, entsteht in Dachau nach dem Rückzug beider Anbieter hier eine Lücke. Möglicherweise aber nicht lange. Denn beim Unternehmen „Statt-Auto“ gibt es Überlegungen für einen Neustart in der Kreisstadt. Eine entsprechende Umfrage bei den Mitgliedern sei positiv ausgefallen, erklärt Geschäftsführerin Klier.

Schon in der zweiten Jahreshälfte könnte man erneut mit einem Sharing-Fahrzeug in Dachau vertreten sein. Voraussetzung wäre ein zentraler Stellplatz, etwa beim Rathaus oder nahe dem S-Bahnhof, und zwar unbedingt oberirdisch. „Wenn wir etwas finden, spricht nichts dagegen, wieder eines unserer Fahrzeuge in Dachau hinzustellen.“

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