Experten stellen den Hebertshausern den kommunalen Wärmeplan vor. Die rund 20 Besucher haben konkrete Fragen. Ein weitere Infoabend ist geplant.
Hebertshausen – Wenn Bayern wie geplant bis 2040 klimaneutral werden soll, muss künftig ohne Öl und Gas geheizt werden. Doch womit dann? Potenziale, Optionen und ein Zielszenario für Hebertshausen haben Experten im Kommunalen Wärmeplan (KWP) erarbeitet, der im Mai bereits dem Gemeinderat vorgestellt wurde. Jetzt waren die Bürger am Zug: Bei einem Infoabend präsentierten die Experten Johannes Dinkel vom Büro Ennaplan und Franz Kirzeder von Energie Concept Bayern die Ergebnisse.
Wie es in Sachen Heizen konkret im Ort weitergehen könnte – nämlich mit einem Wärmenetz in der Hand einer kommunalen Bürgerenergie-Gesellschaft – das erläuterte anschließend Alexandra Niedenhoff als Vorsitzende des Kommunalunternehmens Energie. Das Interesse an diesem geballten Informationsangebot war allerdings nicht sehr groß. Hatten einen ersten Bürgerabend zur Wärmeplanung im Januar noch 60 Teilnehmer verfolgt, waren diesmal nur etwa 25 Zuhörer gekommen. Auch Vertreter der Kommunalpolitik fehlten, alle drei Bürgermeister ließen sich aus Termingründen entschuldigen, auch aus dem Gemeinderat war kein Vertreter anwesend.
Experte spricht von einem Standortvorteil
In einem Kurzvortrag informierten die Experten über die Ergebnisse der Kommunalen Wärmeplanung. Und machten auch deren Grenzen deutlich: Ausgewiesen würden „Areale, wo Wärmenetze möglich sind, aber nicht konkrete Gebiete für Wärmenetze“. In Sachen Wärmeenergie aus erneuerbaren Quellen attestierte Fachmann Kirzeder Hebertshausen einen Standortvorteil, das Potenzial sei „einzigartig“, mit Flusswasser als mögliche Wärmequelle, der Option für großflächige PV-Anlagen entlang der Bahn und Geothermie im Verbund mit Dachau und Haimhausen.
Die skizzierten Möglichkeiten sind erfreulich, aber Zukunftsmusik. Die Bürger treiben konkrete Fragen um. „Wie stark wirkt sich konkret die künftig steigende CO2-Bepreisung aus?“ wollte ein Teilnehmer wissen. Das betreffe schließlich 70 Prozent der Haushalte im Ort, die noch mit Öl oder Gas heizen. Und am Ende entscheiden sie, wie dringlich der Handlungsbedarf für jeden einzelnen sei. Der CO2-Preis könnte sich vervierfachen, so Experte Dinkel, aber konkrete Zahlen ließen sich noch nicht nennen, „das ist Glaskugellesen“. Auch nach den Kosten für eine Wärmenetz-Übergabestation wurde gefragt. „Und wie teuer kommt uns dann künftig eine Kilowattstunde Wärmeenergie?“
Doch belastbare Zahlen zu den Energiekosten einer Nahwärmeversorgung würden erst die Machbarkeitsstudie ergeben, erläuterte Experte Dinkel. „Ein Wärmenetz wird auch nur gebaut, wenn es preislich auch attraktiv ist.“ Sorgen bereitet Bürgern der Gedanke, beim Wärmenetz künftig auf einen Lieferanten angewiesen zu sein. „Und die Gemeinde ist pleite, wer bezahlt das?“ wollte ein Teilnehmer wissen.
Umsetzung über eine Genossenschaft
Antworten gab KU-Vorsitzende Niedenhoff. In einem zweiten Vortrag erläuterte sie, wie das Wärmenetz über eine Bürgerenergie-Genossenschaft umgesetzt werden soll: „Die Gemeinde ist finanziell nicht beteiligt.“ Vorgestellt wurde auch ein Zeitplan, der nach Machbarkeitsstudie und Planung die Umsetzung eines ersten Wärmenetz-Gebiets für 2027 vorsieht. „Holzschleiferei und der Bereich an der Torstraße eignen sich ideal als erstes Projekt.“
Eine kurze Feedback-Umfrage schloss den zweistündigen Infoabend ab. „Ob ich in eine Wärmenetzgebiet reinkomme und vor allem wann, da bleibt immer noch ein Faktor der Unsicherheit“, sagte eine Teilnehmerin. „Das Konzept ist gut, sollte aber besser kommuniziert werden, es müsste aktiv dafür Werbung betrieben werden“, so einige Rückmeldungen.
Ein weiterer Infoabend
Einen zweiten, digitalen Infoabend gibt es am Montag, 23. Juni, Beginn 19 Uhr. Den Zugangslink gibt‘s nach Anmeldung unter mail@ku-hebertshausen.de. Die Präsentationen des Infoabends werden in den nächsten Tagen auf der Internetseite des Kommunalunternehmens veröffentlicht. Ab Ende Juni wird die Kommunale Wärmeplanung öffentlich ausliegen, Bürger können noch Änderungsvorschläge einreichen. Im Gemeinderat offiziell beschlossen wird die Kommunale Wärmeplanung dann in der Juli-Sitzung.