Krisen-Industrie: VDMA-Präsident fordert „echtes Standort-Upgrade“ – und kritisiert CDU und SPD

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Die Maschinenbau-Industrie steckt tief in der Krise und kämpft mit Auftragsmangel und Insolvenzen. Der Verbandschef des VDMA fordert klare Reformen – und zeigt sich von CDU und SPD enttäuscht.

Hannover – Wer verstehen will, wie die deutsche Industrie tickt, sollte den Blick auf den Maschinenbau richten. Anders als die drei anderen großen Industriezweige – Automobil-, Chemie- und Elektroindustrie – ist der Maschinenbau vor allem von mittelständischen Unternehmen geprägt – dem Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Nun steuert diese auf das dritte Rezessionsjahr in Folge zu und mit ihr gerät auch der Maschinenbau zunehmend unter Druck.

Krisenjahr im Maschinenbau: Produktion ist rückläufig und Insolvenzen steigen an – Ausblick bleibt trüb

Vor allem 2024 erlebte die Branche ein Desaster-Jahr: Die Produktion schrumpfte laut dem Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) um acht Prozent. Für 2025 wird ein weiterer Rückgang um zwei Prozent erwartet. Die schwache Nachfrage, hohe Energiekosten sowie die zunehmende Konkurrenz aus China, das günstiger und zugleich immer anspruchsvoller produziert, setzen der Branche zusätzlich zu. Laut VDMA gingen 2024 rund 6800 Arbeitsplätze verloren – ein Rückgang von 0,7 Prozent. Die Insolvenzen bei Unternehmen mit mindestens 10 Millionen Euro Umsatz stiegen im Vergleich zum Vorjahr um 33 Prozent (32 Fälle), bei Metallwarenherstellern sogar um 71 Prozent (48 Fälle).

Maschinenbau
VDMA-Präsident Bertram Kawlath ist enttäuscht von den Koalitionsverhandlungen zwischen CDU und SPD – er fordert eine echte Wirtschaftswende. © Bernd Weißbrod/dpa

Das Problem: 2024 geriet auch die deutsche Automobilindustrie aufgrund einer Absatzkrise in erhebliche Schieflage. Die Auftragslage ging zurück und auch der erhoffte Boom bei Elektrofahrzeugen blieb aus – plötzlich rechneten sich die Investitionen vieler Maschinenbauer nicht mehr, die im Zuge der eigenen Transformation getätigt wurden.

Viele Mittelständler stehen vor Pleite – Zollpolitik von Donald Trump könnte Krise verschärfen

Selbst die Bereiche Medizintechnik, Luft- und Raumfahrt oder vereinzelte Rüstungsaufträge vermochten das Ungleichgewicht zwischen Einnahmen und Ausgaben nicht mehr ausgleichen. Ein Beispiel ist das schwäbische Unternehmen Manz: Ende 2024 meldete der Maschinenbauer Insolvenz an, zu schwach hatte sich das Geschäft mit Anlagen für Batteriezellfabriken für die Elektro-Mobilität entwickelt. Inzwischen wurde das Traditionsunternehmen von einer Tesla-Tochter übernommen. Dieser Trend dürfte sich branchenweit auch 2025 erstmal fortsetzen – besonders wenn nach dem zweiten Quartal die Jahresbilanzen anstehen und die schwachen Zahlen die Investorensuche zusätzlich erschweren. Hinzu kommt die unsichere geopolitische Lage, darunter die restriktive Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump.

In einer Umfrage des VDMA gaben zwar 72 Prozent der befragten Unternehmen im Februar an, ihr USA-Geschäft ausbauen oder neu aufnehmen zu wollen. Bei zehn bis 20-prozentigen Importzöllen wären allerdings speziell die kleineren mittelständischen Unternehmen nicht mehr wettbewerbsfähig.

Stimmung auf Hannover Messe mäßig – VDMA-Präsident Kawlath enttäuscht von CDU und SPD

Und so bleibt die Stimmung auch rund um die größte Industrieschau der Welt, der Hannover Messe, wenig optimistisch – wirtschaftlich und politisch. Die Erwartungen an die neue Bundesregierung waren groß: Nach dem Dauerstreit in der Ampel-Koalition hofften viele auf eine wirtschaftsorientierte Regierung unter CDU-Führung. Doch bereits auf der Eröffnungs-Pressekonferenz zur Messe gemeinsam mit dem BDI gab sich VDMA-Präsident Bertram Kawlath fast schon resignierend: „Leider weisen die Koalitionsverhandlungen von Union und SPD derzeit in die falsche Richtung, der Reformeifer verblasst schon wieder, bevor er so richtig begonnen hat.“ Dabei waren die Forderungen aus der Branche für eine Wirtschaftswende recht deutlich: Weniger Bürokratie, einen Unternehmenssteuersatz von 25 Prozent, eine planbare Energiewende mit einer bezahlbaren Versorgung sowie Technologieoffenheit für Quantentechnologie, Künstliche Intelligenz und andere Zukunftstechnologien.

Laut Kawlath brauche Deutschland ein „echtes Standort-Upgrade“, ansonsten setze sich der Trend fort, dass Unternehmen Investitionen überwiegend im Ausland tätigen. Gegensteuern müsse auch die EU. Allerdings gibt es bei der EU-Kommission – anders als die Bundesregierung – Anzeichen dafür, dass sie ihre Fehler aus der Vergangenheit, etwa bei überzogenen Vorgaben zu Nachhaltigkeit und sozialen Aspekten, verstanden hat.

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