Offener Brief an die Deutsche Bahn: Wackelt die Allgäu-München Verbindung?

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Bahnstrecke München–Buchloe: Allgäuer Politiker befürchten Kettenreaktion wegen Langsamfahrstellen. (Archivfoto) © Josef Gutsmiedl

Bahnpendler im Allgäu brauchen wohl bald noch mehr Geduld. Neue Langsamfahrstellen zwischen München und Buchloe könnten den Zugverkehr ausbremsen. Die Oberallgäuer Landrätin Indra Baier-Müller und Kemptens Oberbürgermeister Thomas Kiechle warnen in einem offenen Brief vor einer möglichen Kettenreaktion mit massiven Folgen für die Region. 

Allgäu/München – Auf der Bahnstrecke zwischen München und Buchloe müssen sich Fahrgäste ab 2026 auf längere Fahrzeiten einstellen. Wie die Schienennetzgesellschaft der Deutschen Bahn kürzlich in einer Videokonferenz mitteilte, sind über eine Gesamtlänge von etwa 25 Kilometern mehrere Langsamfahrstellen geplant. In diesen Bereichen wird die zulässige Höchstgeschwindigkeit der Züge voraussichtlich auf etwa 70 Stundenkilometer begrenzt. Die Bahn nennt als Grund für die Maßnahmen den maroden Zustand der Infrastruktur. 

Pendler im Allgäu betroffen: Allgäuer Politiker warnen vor Kettenreaktion im Zugverkehr

Die Oberallgäuer Landrätin Indra Baier-Müller (Freie Wähler) und Kemptens Oberbürgermeister Thomas Kiechle (CSU) warnen in einem offenen Brief an die Deutsche Bahn vor einer Kettenreaktion. Die geplanten Langsamfahrstellen, die auf eine falsche Prioritätensetzung zurückzuführen seien, stellten eine neue Eskalationsstufe dar. „Unsere Region ist auf eine attraktive und zuverlässige Anbindung an die Landeshauptstadt angewiesen. Mit einer Fahrzeitverlängerung von 15 bis 20 Minuten wird das ohnehin sehr angespannte Fahrplankonzept auf der Achse Buchloe – München vollständig auseinanderbrechen“, heißt es in dem Schreiben. 

Entfallen die Direktverbindungen nach München?

Die Fahrten des RE 70/76 (Lindau/Oberstdorf – München) und des RE 72 (Memmingen – München) bis zum Münchner Hauptbahnhof könnten voraussichtlich nicht mehr möglich sein, befürchten Kiechle und Baier-Müller. Die Züge, die aus dem Allgäu kommen, halten momentan rund 35 Minuten in München und fahren dann wieder in Richtung Allgäu.

Laut den beiden Politikern würde bei einer erwarteten Fahrzeitverlängerung von etwa 15 Minuten pro Richtung die verbleibende Wendezeit nicht mehr ausreichen, um einen stabilen Betrieb aufrechtzuerhalten. Aufgrund des akuten Fahrzeugmangels (zumindest bei den Zügen des RE 70/76) bliebe nichts anderes übrig, als die Züge vorzeitig enden zu lassen (beispielsweise in München-Pasing). Für die Fahrgäste würde dies einen zusätzlichen Umstieg bedeuten. 

Auch die wenigen verbleibenden Direktverbindungen aus dem Ostallgäu nach München müssten demnach entfallen. Diese Züge haben eine planmäßige Kurzwende von etwa 20 Minuten in München und unterliegen damit den gleichen angesprochenen Problemen. Die Züge müssten Kiechle und Baier-Müller zufolge voraussichtlich auf dem gesamten Abschnitt Buchloe – München gestrichen werden. Ersatzweise könnte die RB 74 eingesetzt werden.

Lange Wartezeiten und verpasste Anschlüsse

Durch den Wegfall oder die Verspätung der Züge ergeben sich für viele Fahrgäste Anschlussverluste, insbesondere im Münchner Hauptbahnhof. Für zahlreiche Reisende bedeute das Fahrzeitverlängerungen von bis zu einer Stunde.

Bereits heute sei die betriebliche Lage im Allgäu alarmierend. Der Bahnhof Buchloe ist ein wichtiger Knotenpunkt. Dort laufen die Bahnstrecken von München und Augsburg zusammen. Nur jeder vierte Zug nach Augsburg/München sei wirklich pünktlich, heißt es in dem offenen Brief. Für die Fahrgäste bedeutet das regelmäßig verpasste Anschlüsse. 

Einladung zum Krisentreffen

Hinzu komme, dass die nun auf dem Korridor in München sichtbaren Infrastrukturmängel nur die Fortsetzung einer Reihe von Fehlentscheidungen und einer jahrelangen Unterfinanzierung der Bahninfrastruktur seien. „Bereits im vergangenen Jahr brach der Bahnverkehr rund um Oberstdorf vollständig zusammen – das dortige Stellwerk ist ein Totalschaden“, schreiben Baier-Müller und Kiechle. 

Die Lage im Allgäu sei seit Jahren angespannt – und sie verschärfe sich weiter. „Die Verantwortung hierfür liegt bei Bahn und Bund“, ziehen Baier-Müller und Kiechle ihr Fazit. Die Kommunalpolitiker fordern daher eine kurzfristige Instandsetzung des Korridors München – Buchloe noch in diesem Jahr und laden die Deutsche Bahn zu einem Krisentreffen im Oberallgäu ein, um gemeinsam nach Lösungen zu suchen.

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