Drohnen-Alarm an Flughäfen Oslo und Kopenhagen: Gespannte Nerven in Dänemark – Russland unter Verdacht

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Drohnenüberflüge haben die größten Flughäfen in Europas Norden lahmgelegt. Noch ist viel unklar – doch gerade in Dänemark ist die Nervosität groß.

Oslo/Kopenhagen – Die beiden größten Flughäfen der nordischen Länder haben in der Nacht auf Dienstag (23. September) vorübergehend den Betrieb einstellen müssen: In Kopenhagen-Kastrup und Oslo-Gardermoen ging zwischenzeitlich nichts mehr – sowohl im Hauptstadtflughafen Dänemarks als auch in dem Norwegens waren Drohnensichtungen der Grund.

Drohnen-Einsatz am Flughafen Kopenhagen-Kastrup – auch Dänemarks Regierungschefin Mette Frederiksen ist alarmiert. © Montage: Emil Nicolai Helms/Steven Knap/Scanpix/Imago/TT/fn

Gerade in Dänemark ist die Sorge groß. Dort war auch das Militär im Einsatz, der Geheimdienst ist an den Ermittlungen beteiligt. Es handle sich um den „bislang schwersten Anschlag auf dänische kritische Infrastruktur“, sagte Ministerpräsidentin Mette Frederiksen am Dienstagmorgen. Wer auch immer verantwortlich sei, habe ein klares Motiv: „Verstören und Unruhe schaffen. Sehen, wie weit man gehen kann und Grenzen austesten.“ Norwegische Politiker und Behörden äußerten sich vorsichtiger. Aber: Das Land ist sich hybrider Bedrohungen gewahr, wie der in Norwegen lebende deutsche Politologe Tobias Etzold dem Münchner Merkur von Ippen.Media sagt.

Drohnen-Stopp an Flughäfen Kopenhagen und Oslo: Russland unter Verdacht

In Dänemark fällt der Verdacht auf Russland – auch, wenn man das am Dienstagmorgen nicht allzu klar aussprechen wollte. „Wir blicken in alle Richtungen. Aber es ist klar, dass es in der aktuellen Lage und angesichts des Geschehens auf der internationalen Bühne etwas gibt, auf das wir aufmerksam sind“, sagte der dänische Inlandsgeheimdienstchef Flemming Drejer dem Sender DR. Er schloss einen „hybriden Angriff“ nicht aus – eine „Attacke, die nicht ‚Boom‘ kommunizieren muss“.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj schrieb auf X, er habe in New York mit Kristalina Georgiewa – der Chefin des Internationalen Währungsfonds – „Russlands Verletzungen des Luftraums der NATO-Mitgliedsstaaten“, diskutiert, „inklusive des 22. September in Kopenhagen“. Er wies die Drohnenflüge also Russland zu. Eine Quelle nannte Selenskyj allerdings nicht. Aus der EU-Kommission hieß es, man werde das Ergebnis der Ermittlungen abwarten müssen. Aber die Sachlage deute auf Russland, sagte ein Kommissionsprecher laut der dänischen Agentur Ritzau.

Drohnen abschießen? „Dazu kann ich nichts Näheres sagen, denn das könnte ein Gegenspieler ausnutzen“

„Wir sehen die Ereignisse am Flughafen Oslo nicht in direkter Verbindung mit irgendetwas anderem“, erklärte indes Einsatzchef Gisle Sveen dem norwegischen Rundfunk NRK, auch mit Blick auf das Geschehen in Kopenhagen. Drohnenüberflüge an norwegischen Flughäfen – oft wohl auch durch Hobbypiloten – seien nichts Ungewöhnliches, sagt Etzold. Und das Land wappne sich gegen Bedrohungen: „An der norwegischen Grenze zu Russland kommt seit 2022 im Prinzip niemand mehr durch“, das gelte – ähnlich wie in Finnland – auch für Geflüchtete. Pipelines, Stromkabel und Ölplattformen würden immer stärker geschützt. „Auch Deutschland ist an internationalen Patrouillen beteiligt, um speziell die norwegische Unterwasser-Infrastruktur zu schützen.“

Das muss man notwendigerweise in Zusammenhang mit allem anderen sehen, was in Europa vor sich geht – ohne, dass wir zum jetzigen Zeitpunkt etwas schlussfolgern können.

Zuletzt hatten Meldungen über russische Luftraumverletzungen in Estland und das Eindringen mutmaßlich russischer Drohnen auf polnisches Staatsgebiet die NATO aufgeschreckt. Öffentlich debattiert wurde auch die Option, Kampfjets notfalls abzuschießen. Drejer betonte, Dänemark könne auch Drohnen abschießen. „Wir haben dazu viele verschiedene Kapazitäten. Aber dazu kann ich nichts Näheres sagen, denn das könnte ein Gegenspieler ausnutzen.“

Drohnen-Alarm: Gespannte Nerven in Dänemark – Norwegen eint wohl die Grenze zu Russland

In Kopenhagen wurde laut Polizeiangaben nach mehreren Drohnensichtungen gegen 20.30 Uhr der Flughafen gesperrt, gegen 0.30 wurde der Flugbetrieb wieder aufgenommen. In Oslo fiel gegen 22.30 Uhr ein Drohnenflug auf, um 0.30 schlossen die Behörden den Luftraum – bis 3.30 Uhr, wie die Zeitung Dagsavisen berichtete. Die Urheber der Flüge konnten Behörden in Kopenhagen zunächst nicht festnehmen. In Oslo nahmen die norwegischen Behörden zwei ausländische Staatsangehörige fest, die Drohnen über einer Verbotszone geflogen haben sollen. Ob ein Zusammenhang mit dem Vorfall am Flughafen besteht, war zunächsts unklar. Russland dementierte eine Beteiligung in Norwegen und Dänemark.

Bei den Ermittlungen wollen Polizei und die Geheimdienste PET und PST zusammenarbeiten. Die Drähte seien aufgrund der traditionell engen Verbindungen zwischen Dänemark und Norwegen kurz, sagt Etzold.

In Dänemark war am Dienstag die Stimmung eher gereizt. Auf eine Journalistenfrage, ob die Regierung mit ihrer Kommunikation nicht selbst die Debatte aufheize, entgegnte Frederiksen laut DR, alleine die Frage verschiebe den Fokus weg von der Kernfrage, worum es bei dem Konflikt in Europa gehe. Norwegen steht laut Politologe Etzold weitgehend geeint. Auch rechte wie linke Kräfte stünden Russland skeptisch gegenüber und unterstützten die Ukraine-Hilfe. „Dass man das Land vor Russland schützen muss, scheint Konsens zu sein – wahrscheinlich auch aufgrund der gemeinsamen Grenze und der Bedrohungswahrnehmung.“ Eine weitere Parallele zu Finnland. (Quellen: Tobias Etzold, DR, NRK, Ritzau, X, Dagsavisen/fn)

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