Es wird wieder geheizt in Deutschland. Von Oktober bis März verbrauchen Haushalte hierzulande rund 80 Prozent aller Heizenergie des gesamten Jahres. Entsprechend fallen in diesen Monaten auch 80 Prozent der Heizkosten an.
Wie hoch diese sind, hängt von vielen Faktoren ab. Mehr Wohnfläche mit mehr Räumen verlangt logischerweise auch nach mehr Wärme, vor allem, wenn in dem Haushalt eine vierköpfige Familie statt eines Singles wohnt. Auch die Dämmung des Hauses spielt eine Rolle. Je weniger Wärme durch Wände, Decken, Fenster und Türen entweichen kann, desto weniger muss geheizt werden.
Ein entscheidender Faktor ist aber auch die Art der Heizung und damit die Wahl des Heizmittels. Zwar wird der Markt immer noch von Erdgas dominiert, welches in rund 48 Prozent aller Haushalte Mittel der Wahl ist, doch andere Wärmequellen holen auf.
Fernwärme steigerte seinen Anteil von 2019 auf 2023 von 13,9 auf 15,2 Prozent, Wärmepumpen machen mittlerweile 5,7 Prozent des Marktes aus – mehr als doppelt so viel wie vier Jahre zuvor. Auf dem absteigenden Ast sind hingegen Ölheizungen, die nach und nach ausgebaut werden müssen. Sie haben aber immer noch einen Anteil von 23,4 Prozent. Nachtspeicheröfen spielen mit 1,8 Prozent nur noch eine geringe Rolle, auch die Gruppe der sonstigen Heizungen ist von 7,5 auf 5,6 Prozent gefallen. Darunter fallen etwa Kaminöfen, Pellet-Heizungen, Kohleöfen oder Flüssiggas-Heizungen.
Die Zahlen stammen aus einer Auswertung des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) und wurden erst im Frühjahr veröffentlicht.
So teuer wird der Heizwinter für Sie je nach Wärmequelle.
Erdgas – 579 bis 1931 Euro
Der Erdgasverbrauch im Winter richtet sich nach der Haushaltsgröße. Für Alleinlebende wird meist mit einem Jahresverbrauch von 6000 Kilowattstunden gerechnet, für Paare mit etwa 10.000 Kilowattstunden und für vierköpfige Familien mit etwa 20.000 Kilowattstunden. Davon ausgehend, dass 80 Prozent dieses Verbrauchs im Winterhalbjahr anfangen, liegt der Verbrauch also in den drei Gruppen bei 4800, 8000 und 16.000 Kilowattstunden.
Der BDEW gibt den durchschnittlichen Gaspreis für Haushalte derzeit mit 12,07 Cent pro Kilowattstunde an. Das gilt für Bestandskunden, Neukunden können mit einigen Cent Abschlag rechnen. Das ist etwas mehr als im Vorjahr als es zum selben Zeitpunkt 11,22 Cent waren. Allerdings zahlen Gaskunden damit deutlich weniger als in den Wintern 2023/24 und 2022/23. Preise von weniger als sieben Cent pro Kilowattstunde, wie sie vor dem Beginn des Ukraine-Krieges üblich waren, dürften aber auf ewig unerreicht bleiben.
Dabei liegen die reinen Beschaffungskosten für Erdgas derzeit so niedrig wie seit vier Jahren nicht mehr. Sie machen nur rund die Hälfte des Gaspreises aus. Gestiegen sind hingegen die Kosten für Netzentgelte, die mit 2,33 Cent pro kWh einen neuen Spitzenwert erreichen, sowie der Anteil von Steuern, Abgaben und Umlagen am Gaspreis. Hier schlägt vor allem der gestiegene CO2-Preis zu Buche. Mit 3,77 Cent pro kWh hat sich dieser Posten allein gegenüber dem Vorjahr um 20 Prozent erhöht.
Somit ergeben sich für Haushalte, die mit Erdgas heizen, folgende Kosten in den Wintermonaten bis Ende März:
- Alleinlebende (4800 kWh Winterverbrauch) zahlen 579 Euro
- Paare (8000 kWh Winterverbrauch) zahlen 966 Euro
- Familien (16.000 kWh Winterverbrauch) zahlen 1931 Euro
Öl - 456 bis 1520 Euro
Rund ein Viertel der Deutschen heizt noch immer mit Öl, meist in älteren Haushalten. Während Erdgaskunden ihren Rohstoff über Leitungen direkt vom Versorger erhalten, müssen Ölkunden ihre Tanks im Keller selbst rechtzeitig für den Winter füllen. Ein Alleinlebender sollte dabei im Jahr mit einem Verbrauch von rund 600 Litern rechnen, Paare mit 1000 Litern und Familien mit 2000 Litern. In Altbauten erhöht sich dieser Verbrauch um rund ein Drittel, in gut gedämmten Neubauten sinkt er um das gleiche Maß. Für den Winter ergibt sich daraus ein Verbrauch von rund 480 Litern für Alleinlebende, 800 Litern für Paare und 1600 Litern für Familien.
Heizöl ist seit Ausbruch des Ukraine-Krieges ebenso wie Erdgas deutlich teurer geworden. Schwankten die Preise zuvor zwischen 50 und 80 Cent pro Liter, ging es 2022 auf bis zu 1,60 Euro nach oben. Davon hat sich die Kurve zwar wieder erholt, doch weit nach unten ging es nicht. In diesem Jahr liegt der durchschnittliche Heizölpreis bei rund 95 Cent. Das ist etwas weniger als im Vorjahr. Allerdings schlagen hier mit der Zeit auch die immer weiter steigenden CO2-Preise zu Buche.
Beim Heizölkauf ist deswegen auch Timing wichtig. In den Sommermonaten lagen die Preise teils nur bei 89 Euro pro Liter. Wer also seinen Tank etwa schon im Mai aufgefüllt hat, der hat rund sechs Euro pro Liter gespart. Doch selbst, wer zum Durchschnittspreis des Jahres eingekauft hat, kommt jetzt in der Heiz-Saison günstiger weg als Gaskunden. Folgende Kosten ergeben sich:
- Alleinlebende (480 Liter Winterverbrauch) zahlen 456 Euro
- Paare (800 Liter Winterverbrauch) zahlen 760 Euro
- Familien (1600 Liter Winterverbrauch) zahlen 1520 Euro
Fernwärme – 816 bis 2720 Euro
Bei Fernwärme wird die Abwärme von Industrieanlagen genutzt, um Wasser zu erhitzen und dieses dann über Rohre in der Nachbarschaft zu verteilen, wo es als Heizmittel genutzt werden kann. Das ist nicht überall möglich, Sie müssen also das Glück haben, mit Ihrem Haus an ein Fernwärmenetz angeschlossen zu sein.
Der Verbrauch in Kilowattstunden bewegt sich hier etwa auf dem Niveau von Erdgas. Alleinlebende müssen also mit 6000 Kilowattstunden pro Jahr oder 4800 kWh in den Wintermonaten rechnen, Paare mit 10.000 beziehungsweise 8000 kWh Verbrauch und Familien mit 20.000 beziehungsweise 16.000 kWh.
Anders als bei Öl und Erdgas schwanken die Preise von Fernwärme in Deutschland stärker. Das liegt daran, dass jedes kommunale Fernwärmenetz eine andere Größe und Zusammensetzung hat und aus anderen Quellen gespeist wird, die teurer oder günstiger sein können. So monierte der Bundesverband der Verbraucherzentralen im Mai bereits, dass die Preise je nach Ort zwischen 8 und 33 Cent pro Kilowattstunde lagen. Der Median lag bei 17 Cent. Dieser wiederum ist über die vergangenen 18 Monate gesehen ziemlich stabil, weswegen wir damit hier rechnen.
Dementsprechend ergeben sich für Fernwärmekunden folgende durchschnittliche Kosten:
- Alleinlebende (4800 kWh Winterverbrauch) zahlen 816 Euro
- Paare (8000 kWh Winterverbrauch) zahlen 1360 Euro
- Familien (16.000 kWh Winterverbrauch) zahlen 2720 Euro
Wärmepumpen – 264 bis 1467 Euro
Wärmepumpen sind die am stärksten wachsende Heizungsvariante, auch, weil sie durch das von der Ampel-Koalition verabschiedete Gebäudeenergiegesetz stark gefördert werden.
Das gilt zwar für alle Heizungen, die mit erneuerbaren Energie arbeiten, unter diesen hat sich die Wärmepumpe aber klar durchgesetzt. Sie zieht Energie aus der Umgebung – entweder Luft, Boden oder Wasser – ab und wandelt diese mit Hilfe von Strom in Wärmeenergie zum Heizen um. Dabei sind Wärmepumpen enorm effektiv. Während eine Gasheizung aus einer Kilowattstunde Energie im Erdgas zwar auch fast eine Kilowattstunde Heizenergie nutzen kann, bringt Ihnen eine eingesetzte Kilowattstunde Strom bei der Wärmepumpe zwischen drei und fünf Kilowattstunden Heizenergie.
Das macht Wärmepumpen im Betrieb sehr effektiv. Hinzu kommt, dass diese meist in Neubauten verbaut werden, die auch entsprechend besser gedämmt sind als ältere Häuser. Der Stromverbrauch schwankt aber stark je nachdem, welche Art von Wärmepumpe Sie verbauen. Eine Wasser-Wärmepumpe, die Energie aus dem Grundwasser zieht, kann eine kleine Wohnung schon mit 2000 Kilowattstunden pro Jahr versorgen, eine weniger effektive Luftwärmepumpe braucht dafür 3500 Kilowattstunden. Erdwärmepumpen liegen dazwischen. Leistungsstärkere Wärmepumpen aller Arten verbrauchen auch entsprechend mehr Strom.
Aus diesem Grund berechnen wir die Kosten hier für drei verschiedene Arten von Wärmepumpen. Den Anfang machen Luftwärmepumpen. Sie haben im Schnitt eine Jahresarbeitszahl von 3, was bedeutet, dass sie aus einer Kilowattstunde Strom drei Kilowattstunden Heizenergie macht. Um also den Winterbedarf von 4800 bis 16.000 Kilowattstunden zu decken, sind zwischen 1600 und 6700 Kilowattstunden Strom erforderlich.
Für Wärmepumpen gibt es dabei bei den meisten Stromanbietern spezielle Tarife, für die allerdings ein extra Stromzähler eingebaut werden muss. Dafür sind die Kosten dann geringer. Aktuell rangiert Wärmepumpenstrom bei durchschnittlich 27,5 Cent pro Kilowattstunde laut dem Vergleichsportal Verivox. Damit ergeben sich für Besitzer von Luftwärmepumpen folgende Kosten:
- Alleinlebende (1600 kWh Winterverbrauch) zahlen 440 Euro
- Paare (2700 kWh Winterverbrauch) zahlen 733 Euro
- Familien (6700 kWh Winterverbrauch) zahlen 1467 Euro
Mit einer Erdwärmepumpe, deren Jahresarbeitszahl bei durchschnittlich vier liegt, sinken die Kosten auf folgende Werte:
- Alleinlebende (1200 kWh Winterverbrauch) zahlen 330 Euro
- Paare (2000 kWh Winterverbrauch) zahlen 550 Euro
- Familien (4000 kWh Winterverbrauch) zahlen 1100 Euro
Bei einer Wasserwärmepumpe, die eine Jahresarbeitszahl von fünf erreicht, zahlen Sie nur noch:
- Alleinlebende (960 kWh Winterverbrauch) zahlen 264 Euro
- Paare (1600 kWh Winterverbrauch) zahlen 440 Euro
- Familien (3200 kWh Winterverbrauch) zahlen 880 Euro