„Der Druck steigt“: Pokrowsk verloren – Ukraine kämpft verzweifelt um ihre Zukunft

Russland steht kurz vor der Einnahme von Pokrowsk. Der Fall der Stadt wird die ukrainischen Verteidigungslinien nicht zum Einsturz bringen, jedoch Kiews Position in den US-geführten Friedensverhandlungen erheblich schwächen.

Russische Kontrolle über Pokrowsk

Laut einem Bericht von „Reuters“ hat Russland am 1. Dezember die vollständige Kontrolle über Pokrowsk verkündet. Zwei Tage später trafen sich US-Präsident Donald Trumps Sondergesandter und sein Schwiegersohn mit Wladimir Putin, um einen Friedensplan zu besprechen. Zehn Tage nach der russischen Ankündigung hält die Ukraine weiterhin Positionen im Norden der Stadt, die vor dem Krieg 60.000 Einwohner zählte und ein logistisches Zentrum für das Militär war. 

Mykola Bielieskov, Analyst bei der ukrainischen Stiftung Come Back Alive, erklärte gegenüber „Reuters“: „Der Druck auf die Ukraine, den Konflikt unter ungünstigen Bedingungen zu beenden, steigt parallel zu den schweren Kämpfen an der Front. Das beeinflusst Trumps Wahrnehmung.“ Die Ukraine müsse ihre Beziehungen zu den USA, die entscheidende Waffen und Geheimdienstinformationen liefern, aufrechterhalten, während sie gleichzeitig gegen einen Friedensplan kämpfe, der den Rückzug aus der gesamten Donbas-Region fordert.

Zerstörte Stadt Pokrowsk in der Ostukraine.
Zerstörte Stadt Pokrowsk in der Ostukraine. dpa

Russland setzt auf langsamen Vormarsch

Pokrowsk liegt auf einer Anhöhe in der Region Donezk und wäre die erste Stadt, die Russland seit Anfang 2024 erobert. Laut „Reuters“ leben dort nur noch 1.200 Menschen. Militäranalysten bestätigen, dass die ukrainischen Verteidigungslinien trotz des russischen Vormarsches stabil bleiben könnten. Russische Truppen agieren in kleinen Gruppen und versuchen, durch gezielte Angriffe Gebäude zu sichern.

Konrad Muzyka, ein polnischer Militärexperte, sagte gegenüber „Reuters“, dass die Ukraine im August spezielle Einheiten nach Pokrovsk entsandt habe, diese jedoch aufgrund der Verschlechterung der Lage in anderen Gebieten wie Lyman und Kupiansk abziehen musste. Die USA haben wiederholt gefordert, dass die Ukraine ihre Wehrpflicht ausweitet, um die Truppenreserven zu stärken.

Friedensverhandlungen unter Druck

Die von den USA unterstützte Friedensinitiative sieht vor, dass die Ukraine sich aus der Region Donezk zurückzieht. Präsident Wolodymyr Selenskyj betonte laut „Reuters“ jedoch, dass es keine Einigung über eine Abtretung ukrainischen Territoriums gebe. Russland plant offenbar, Pokrowsk als Ausgangspunkt für Angriffe auf Städte wie Slowjansk und Kramatorsk zu nutzen.