Brisante Umfrage zeigt: Mehrheit der Deutschen für Merz-Dialog mit Putin – besonders Union-Wähler

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Emmanuel Macron sucht den Kontakt nach Moskau, Friedrich Merz hält sich zurück. Viele Deutsche hoffen auf ein Umdenken beim Bundeskanzler.

München – Als Friedrich Merz im Mai 2025 Bundeskanzler wurde, herrschte längst Eiszeit zwischen Berlin und Moskau. Seit Kreml-Chef Wladimir Putin seinen Ukraine-Krieg gestartet hat, haben sich fast alle europäischen Staaten vom einstigen Partner Russland abgewandt. Der über Jahre etablierte Bezug von Öl und Gas wurde deutlich reduziert.

Zeit für ein Gespräch? Viele Deutsche wünschen sich eine Kontaktaufnahme zwischen Bundeskanzler Friedrich Merz (l.) und Kreml-Chef Wladimir Putin. © Kay Nietfeld/dpa, MAXIM SHIPENKOV / POOL / AFP

Laut dem Europäischen Rat sank der russische Anteil an von der EU eingeführtem Pipeline-Gas von mehr als 40 Prozent im Jahr 2021 auf rund elf Prozent im Jahr 2024. Im selben Jahr entfielen in Bezug auf Pipeline-Gas und LNG weniger als 19 Prozent der gesamten Gas-Importe der EU auf Putins Reich.

Merz und der Dialog mit Putin: Vor allem viele Union-Wähler für Gespräche

Während sich US-Präsident Donald Trump zuletzt vermehrt um einen diplomatischen Austausch bemühte und Putin auch in Alaska traf, ist über Gespräche zwischen Europas führenden Nationen und Russland zumindest öffentlich nichts bekannt. Vielmehr wurde Deutschland, Frankreich oder Großbritannien aus dem Kreml heraus bereits vorgeworfen, selbst Krieg gegen Russland zu führen.

Die Fronten scheinen also verhärtet. Geht es nach vielen Deutschen, sollte sich das ändern und auch Merz den Kontakt zum Kreml wieder aufbauen. So sagen 58 Prozent der Teilnehmer einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur (dpa), sie würden Gespräche zwischen dem CDU-Chef und Putin über ein Ende des Ukraine-Kriegs eher oder sogar voll und ganz befürworten. Lediglich 26 Prozent sind dagegen.

An der Online-Umfrage der YouGov Deutschland GmbH nahmen zwischen dem 6. und 9. Februar 2026 bundesweit 2042 Befragte teil. Die Ergebnisse wurden gewichtet und sind repräsentativ für die deutsche Bevölkerung ab 18 Jahren.

Was für Merz besonders wichtig ist: Gerade unter den Wählern der Union ist der Anteil derer, die eine Kontaktaufnahme erhoffen, mit 64 Prozent groß. Anders sieht es bei den Anhängern der Linken aus, von denen sich nur 47 Prozent dafür aussprechen.

Macron und der Ukraine-Krieg: Paris will Dialog mit Moskau wieder aufnehmen

Die Oppositionspartei fordert grundsätzlich „diplomatische Initiativen“ von EU und Bundesregierung, „um aus der Logik von Krieg und Eskalation auszubrechen“. Dabei plädiert sie jedoch für ein gemeinsames Vorgehen „mit China, Brasilien und anderen Staaten des globalen Südens, um Druck auf Russland auszuüben und Putin an den Verhandlungstisch zu bringen“.

Zuletzt hatte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung (SZ) und anderen europäischen Zeitungen verraten, er habe „mehreren europäischen Kollegen vorgeschlagen, den Dialog wiederaufzunehmen“. Die Diskussionskanäle seien auf einer technischen Ebene wiederhergestellt worden.

Soldaten sitzen an einer Flak und schießen
Seit vier Jahren schrecklicher Alltag in der Ukraine: Russische Soldaten verbreiten in dem überfallenen Land Angst und Schrecken. © Uncredited/Russian Defense Ministry Press S/AP/dpa

„Es darf nicht zu viele Gesprächspartner geben, sondern es muss ein Mandat gegeben sein, eine einfache Vertretung – wir werden sehen, wie wir uns organisieren, aber es muss möglich sein, den Dialog mit Russland wiederaufzunehmen“, ergänzte das vor seinem letzten Jahr im Amt stehende Staatsoberhaupt. Es könne nicht sein, dass US-Vertreter im Namen Europas „über das Datum des Beitritts der Ukraine zur Europäischen Union verhandeln“. Dabei gehe es um „eine Frage des Selbstwertgefühls“.

Merz über Gespräche mit Putin: „Keine unabgestimmten Einzelmaßnahmen“

Merz sprach derweil vor wenigen Tagen auf einer Reise durch die Golfregion über mögliche Gespräche mit Putin, um das Blutvergießen in der Ukraine zu beenden. Wie die dpa berichtet, verwies er dabei auf einen Moskau-Besuch von Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban, auf den wenige Tage später „heftigste Bombardements bis hin zu einem Kinderkrankenhaus in Kiew“ gefolgt seien. Daher warnte der 70-Jährige: „Ich möchte keine Gespräche führen, die zu solchen Ergebnissen führen, sondern ich möchte alle Gespräche unterstützen, die dem Ziel dienen, diesen Krieg zu beenden.“

Europa würde sich allenfalls nach Abstimmung untereinander und mit der Ukraine und den USA in den Verhandlungsprozess einschalten, wenn dies hilfreich wäre. Zugleich stellte Merz klar: „Aber wir werden sicher keine unabgestimmten Einzelmaßnahmen ergreifen, die zum Gegenteil dessen führen, was wir alle gemeinsam erreichen wollen.“ Die Europäer sollten einen Beitrag leisten, damit die derzeit laufenden Gespräche erfolgreich seien, würden jedoch „hier keine parallelen Gesprächskanäle öffnen“.

Friedrich Merz (l.) und Emmanuel Macron sitzen nebeneinander
Diesmal nicht einer Meinung: Während Frankreichs Präsident Emmanuel Macron (r.) auf Wladimir Putin zugehen will, ist Kanzler Friedrich Merz zurückhaltend. © Ebrahim Noroozi/Pool AP/dpa

Bislang haben die Initiativen aus Washington zu keinem Durchbruch geführt, vielmehr missachtete Russland sogar vereinbarte Waffenruhen. Für viele Beobachter wirkte es eher, als würde Putin bei allen diplomatischen Bemühungen auf Zeit spielen, weil er seine Truppen an der Front im Vorteil sieht und zudem weiter darauf setzt, die ukrainische Bevölkerung mit immer neuen Luftschlägen zu zermürben. So zeigte sich auch Trump zunehmend rastloser, weil seine Friedensmission am Aggressor abzuprallen scheint.

Kreml reagiert auf Macron-Initiative: „Dialog auf höchster Ebene zügig wieder aufnehmen“

Immerhin bestätigte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow laut der russischen Nachrichtenagentur Interfax vor Journalisten die von Macron angesprochenen Kontakte: „Sie können bei Bedarf und auf Wunsch dazu beitragen, den Dialog auf höchster Ebene recht zügig wieder aufzunehmen.“ Aktuell seien jedoch keine Hinweise auf diesen Wunsch zu erkennen. Immerhin: Macrons Initiative imponiere dem Kreml.

„Wir sagen schon lange, dass es unlogisch, kontraproduktiv und für alle Seiten schädlich ist, unsere Beziehungen auf den Nullpunkt zu reduzieren“, betonte er weiter. Russland habe immer für den Dialog eingestanden, denn dieser könne dazu beitragen, „die aktuellsten und komplexesten Probleme zu lösen. Sie lösen sich nicht von selbst, und Konfrontation wird nicht zu ihrer Lösung beitragen.“ (Quellen: Europäischer Rat, dpa, Die Linke, SZ, Interfax) (mg)

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