Für ein Seniorenstift gibt es vorerst keine Rettung, nun muss ein Antrag auf Insolvenz gestellt werden. Die finanzielle Lage und die Auszüge hätten die Situation zuletzt erschwert.
Bingen – Die Trägerin des Seniorenstifts St. Martin in Bingen muss angesichts der kriselnden Finanzlage einen Antrag auf Insolvenz stellen. Wie der SWR berichtet, musste die Träger-Stiftung Carl Puricelli’sche Stiftung Sophienhaus diese Maßnahme kurz vor Weihnachten einleiten, um die Zukunft des Betriebs kurzfristig zu sichern. Die Unsicherheit unter den Mitarbeitenden sowie Bewohnenden ist groß. Doch es gibt Hoffnung.
Seniorenstift muss Insolvenz anmelden – und bangt um Zukunft
Laut Vorsitzenden der Mitarbeitendenvertretung des Seniorenstifts, Maria Ventrella, steht eine Zustimmung für einen Sozialplan für die Beschäftigten noch aus. Sicher ist aber laut SWR-Informationen, dass die Gehälter der Belegschaft durch das Insolvenzgeld abgesichert werden.
Kuratoriumsvorsitzende Pfarrer Markus Lerchl bedauert den Schritt zur Insolvenz. Das Insolvenzverfahren sei aber „ein einzig gangbarer Weg aus der Krise“ und führe hoffentlich zu Lösungen, die alle Beteiligten so weit wie möglich zufriedenstellen werden, erläutert Lerchl gegenüber der Allgemeine Zeitung. Es hätten sich inzwischen sogar Interessenten gemeldet, diese müssten aber noch ein Konzept vorlegen. „Uns liegt es sehr am Herzen, dass das Seniorenstift im Stiftungssinn erhalten bleibt“, sagte Lerchl.
Seniorenstift ist insolvent – Bekanntgabe der Schließung ab 2026 erfolgte bereits
Dass die Ausgangslage herausfordernd ist, zeichnete sich schon im Vorfeld ab. Das Seniorenstift gab bereits im November seine Schließung ab Sommer 2026 bekannt. Als Gründe wurden finanzielle Defizite, Personalmangel und hoher Sanierungsbedarf genannt. Die Mitarbeitervertretung kritisiert die mangelnde Transparenz. Als Reaktion auf die Ankündigung zogen im November Hunderte Menschen auf die Straße, um gegen die Schließung zu protestieren. Auch eine Petition wurde ins Leben gerufen.
Seit der Bekanntgabe der Schließung haben laut dem SWR bereits viele Bewohnende das Binger Seniorenstift St. Martin verlassen, was die finanzielle Schieflage zusätzlich verschärfte. Von zuletzt 66 Betten seien nur noch 37 belegt. Ursprünglich waren es sogar mal 106 Betten. Zugleich blieben die Kosten hoch. „Die hohe Geschwindigkeit der Auszüge hat die finanzielle Schieflage verschärft und den Insolvenzantrag notwendig gemacht“, sagte Markus Hansen, Geschäftsführer der Caritas Altenhilfe Rheinhessen gegenüber dem SWR.
Insolvenzwelle in Deutschland rollt weiter – 2025 war Krisenjahr für viele Firmen
Das Jahr 2025 war von vielen Insolvenzen geprägt. Die Zahl der Firmenpleiten in Deutschland ist in den ersten drei Quartalen 2025 so hoch ausgefallen wie seit elf Jahren nicht mehr. Bis Ende September meldeten die Amtsgerichte 18.125 beantragte Unternehmensinsolvenzen, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. Das waren 11,7 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Höhere Insolvenzzahlen gab es in den ersten drei Quartalen eines Jahres zuletzt 2014 mit 18.199.
„Die Insolvenzwelle rollt weiter“, sagte der Chefanalyst der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), Volker Treier. „Besonders kleine und mittelgroße Unternehmen geraten in Schwierigkeiten.“ Einer DIHK-Konjunkturumfrage zufolge erwarten 30 Prozent der Betriebe mit weniger als 20 Beschäftigten eine Verschlechterung ihrer Geschäftslage. Diese Unternehmen stellen rund 85 Prozent aller Betriebe hierzulande dar. Kurzfristig erwartet die DIHK keine Entspannung, die Insolvenzzahlen dürften auch Anfang 2026 hoch bleiben. „Die Ursachen sind klar: hohe Kosten, schwache Nachfrage, große Unsicherheit“, sagte Treier. (Quellen: SWR, Allgemeine Zeitung, Reuters) (bohy)