Fünf Oldtimerfreunde, vier Länder und ein steiler Anstieg: Eine abenteuerlustige Tour mit Eicher-Traktoren nahm ihren Anfang in Hinterbaumberg (Gemeinde Fraunberg) und führte zum italienischen Gebirgspass Stilfser Joch, dessen Passstraße vor 200 Jahren eröffnet worden ist. Anlässlich dieses Jubiläums lud der Oldtimer Club aus Vinschgau zur siebten Oldtimer-Traktor-Tour ein.
Hinterbaumberg/Italien – Die Isartaler Oldtimerfreunde Max Eckhart, Sepp Röckl, Winfried Schmid, Stephan Tiller und Harry Eberl entschieden sich, auf eigener Achse die rund 350 Kilometer zu absolvieren. Los ging‘s vor der wilden Fahrt aber erst mal mit einem zünftigen Weißwurstfrühstück bei Eberl in Hinterbaumberg.
Modell Königstiger
Mit fünf Eichern, Modell Königstiger, die alle in den 60er Jahren produziert worden sind, ging es am ersten Tag der Reise über Holzkirchen, Bad Tölz, Jachenau, Walchensee, Mittenwald, Leutasch und Telfs nach Rietz zum ersten Hotel. Ohne Probleme legten die Senioren die 220 Kilometer mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 30 Kilometern pro Stunde zurück. Ein halbes Jahr lang hatten sie an ihrem Abenteuer gefeilt, erzählt Eberl. Röckl sei das ganze Jahr mit seinem Oldtimer unterwegs und kümmere sich um die Planung der Tour.
Seine Truppe, allesamt Rentner, hat Eberl vor 13 Jahren in Großköchlham kennengelernt. Die Liebe zu Oldtimern verbindet – seitdem fahren sie jedes Jahr gemeinsam weg. Sonst seien es drei bis vier Tage, diesmal waren sie eine ganze Woche unterwegs. „Wir hatten jeden Tag strahlenden Sonnenschein“, freut sich Eberl, der aktuell fünf Eicher am Hof stehen hat. Der 73-jährige, der mit seiner Frau Erna zwei Söhne und vier Enkel hat, ist gelernter Landmaschinentechniker und war mit seinem Königstiger aus dem Baujahr 1963 unterwegs, den er einst aus Norddeutschland kaufte und restaurierte.
Die zweite Etappe führte die Männer über Imst zur Pillerhöhe, über den Reschenpass nach Prad am Stilfser Joch. Die etwas kürzere Strecke von 130 Kilometern über Passstraßen und die Baustelle am Reschen wurde von den Fahrern und den Traktoren ohne Probleme bewältigt, berichtet Eberl.
Dort angekommen, ging es für die Fünf zum Festgelände der Traktor-Tour. Gleich wurde kontrolliert, ob Tanknachweise vorlagen, die zeigten, dass mindestens 20 Liter CO2-neutraler Treibstoff getankt worden war. Im Anschluss der Teilnehmerregistrierung fand die offizielle Eröffnung statt. Bei Bewirtung und Musik führten die Teilnehmer laut Eberl noch viele Fachgespräche. Am nächsten Tag fand dann besagte Tour statt, bei der die Oldtimer exakt 2757 Höhenmeter bewältigen mussten. 350 Traktoren nahmen an der Fahrt teil.
Zurück nach Hause ging es in der ersten Etappe nach Rietz. „Wir sind aber nicht dieselbe Strecke heim“, erzählt Eberl. So ging es über Meran, Dorf Tirol zum Timmelsjoch und von dort weiter über Hochgurgl, Salden und Imst. Die Timmelsjoch-Passstraße mit 2509 Höhenmetern verlangte den Fahrern noch einiges an Konzentration ab. Da die Alpenpässe normalerweise nicht von Oldtimer-Traktoren befahren werden, wurden die Isartaler von anderen Passfahrern mit großer Begeisterung und Lob begrüßt.
Für den fünfköpfigen Tross ging es durch Italien, die Schweiz, Österreich und Deutschland. Nach einer insgesamt zurückgelegten Strecke von knapp 800 Kilometern und vielen Stunden auf dem Traktorsitz kamen die Oldtimerfreunde wieder zu Hause an.
Mehr Zeit zum Naturbeobachten
Besonders gut gefallen hat Eberl, die vielen Tiere am Straßenrand zu sehen. So habe er sogar einige Murmeltiere entdeckt. „Wir konnten die Natur perfekt beobachten, weil wir nur 30 km/h gefahren sind. Mit dem Auto schaut man auf die Straße“, erklärt Eberl. Jeden Tag seien sie rund acht Stunden gefahren. Nach dem Frühstück sei es losgegangen, doch man mache freilich auch mal gemütliche Pause. So lange Sitzen sei auch anstrengend, gibt Eberl lachend zu.