Spiel aus der Antike: Archäologen entdecken seltenes Brettspiel in antiker Maya-Stadt

Archäologen haben in der Maya-Stadt Naachtun im Norden Guatemalas die Überreste eines bislang einzigartigen Brettspiels freigelegt. Wie die britische Tageszeitung „Independent“ berichtet, handelt es sich um ein fest in den Boden eingelassenes Spielbrett aus roten Mosaiksteinen, das auf das 4. Jahrhundert nach Christus datiert wird.

Patolli: Eines der ältesten Strategiespiele Amerikas

Bei dem Fund handelt es sich um Patolli, eines der ältesten bekannten Strategie- und Glücksspiele Amerikas. Es wurde in verschiedenen mesoamerikanischen Kulturen gespielt und besteht aus einem kreuzförmigen Spielfeld, auf dem mit Bohnen gewürfelt wurde. Laut dem „Independent“ war bislang unklar, wie Patolli in der Maya-Gesellschaft konkret genutzt wurde.

Das nun entdeckte Spielfeld war direkt in den Boden gearbeitet und aus 478 einzelnen Keramikfragmenten zusammengesetzt. Insgesamt umfasste es 45 Spielfelder und maß ursprünglich rund 78 mal 110 Zentimeter. Die Forscher gehen davon aus, dass zerbrochene Keramikgefäße gezielt wiederverwendet wurden, berichtet der „Independent“.

Die Maya-Stadt Naachtun im Norden Guatemalas war einst ein regionales Machtzentrum und gilt heute als wichtiger archäologischer Fundort.
Die Maya-Stadt Naachtun im Norden Guatemalas war einst ein regionales Machtzentrum und gilt heute als wichtiger archäologischer Fundort. IMAGO

Teil der Architektur statt mobiles Spiel

Die Verwendung von Mosaik gilt als archäologische Besonderheit. Bodenmosaike seien in der Maya-Architektur extrem selten, heißt es in einer Studie, die im Fachjournal „Latin American Antiquity“ erschienen ist. Die Forscher vermuten daher, dass das Spielbrett von Beginn an Teil des architektonischen Konzepts war und für eine langfristige Nutzung ausgelegt wurde.

Der Fund liefert neue Einblicke in den Stellenwert von Spielen im öffentlichen Leben der Maya. Laut dem „Independent“ zeigt er, dass Spiele nicht nur Zeitvertreib waren, sondern offenbar fest in städtische Räume und soziale Praktiken eingebunden wurden.

Funde aus dem Alltag früher Hochkulturen liefern Archäologen immer wieder überraschende Einblicke in Rituale, Spiele und soziale Ordnung vergangener Gesellschaften.

Ungewöhnlicher Fund aus Mesoamerika

So entdeckten Forscher in Mexiko einen rund 1500 Jahre alten Schädel mit ungewöhnlich quadratischer Form. Die Analyse zeigt, dass bewusste Schädelmodifikationen auch außerhalb der bekannten Maya-Regionen verbreitet waren und als Ausdruck von Status, Identität oder Zugehörigkeit dienten.

Der Fund belegt, wie vielfältig kulturelle Praktiken in Mesoamerika waren. Archäologen gehen davon aus, dass die Menschen der Region enger miteinander vernetzt waren als lange angenommen – über große Distanzen hinweg, kulturell wie sozial.