„Jetzt bin ich da“: 24-Jähriger will in größter Stadt im Landkreis Bürgermeister werden

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Ist in Geretsried-Stein aufgewachsen: Der Polizeiobermeister Max Wiens (24) will bei der Bürgermeisterwahl am 8. März nächsten Jahres antreten. © Sabine Hermsdorf-Hiss

Es ist eine faustdicke Überraschung: Der parteilose Polizeiobermeister Max Wiens (24) will in seiner Heimatstadt Bürgermeister werden.

Geretsried – Ein dickes Wahlprogramm, griffige Botschaften, bunte Werbeplakate, Social-Media-Accounts, Giveaways wie Kugelschreiber, Luftballons und Eiskratzer, eine gut gefüllte Wahlkampfkasse und eine mitgliederstarke Partei oder politische Gruppierung im Rücken: Das sollte ein Bürgermeisterkandidat mitbringen. Max Wiens hat nichts davon. „Ich habe Ideen, ein großes Netzwerk und richtig Bock“, sagt der 24-Jährige. Aus seiner Sicht für den Moment genug, um es zu wagen: „Ich will Bürgermeister von Geretsried werden.“

Viele meckern, machen aber nichts.

Die Entscheidung fiel nach Worten des Polizeiobermeisters, der in der Inspektion in Bad Tölz arbeitet, schon bei den jüngsten Kommunalwahlen 2020. Im Kreis seiner Spezl fielen Sätze wie „man kann eh nichts ändern“ und „die machen eh was sie wollen“. Warum also sein Stimmrecht nutzen oder gar selbst politisch aktiv werden? „Viele meckern, machen aber nichts“, bedauert der 24-Jährige. Sein Vorsatz, Rathauschef zu werden, habe zunächst als „Running-Gag“ die Runde gemacht. Doch immer mehr Freunde und Bekannte hätten ihn angespornt, seinen Worten Taten folgen zu lassen.

Wiens wuchs im Geretsrieder Stadtteil Stein auf

Wiens, seine Mutter ist Deutsch-Russin, sein Vater Ukrainer, kam in der Kreisklinik Wolfratshausen zur Welt und wuchs in Geretsried-Stein auf. Er verließ das Geretsrieder Gymnasium nach der zehnten Klasse, diente als Gebirgsjäger in Berchtesgaden sowie als Gebirgsaufklärer in Füssen und begann 2019 seine Karriere bei der Bayerischen Polizei. Er boxte und spielte Schach in Geretsrieder Vereinen, spielte bei der HSG Isar-Loisach Handball, er zählt knapp 700 Follower auf Instagram. „Ja“, stellt der bärtige junge Mann schmunzelnd fest, „mir wird immer gesagt: ,Max, Dich kennen echt eine Menge Leute‘“.

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Seine „Wählergruppe“ hat noch keinen Namen

Mitstreiter wird der Geretsrieder – ledig, keine Kinder – brauchen. Denn da er sich keiner etablierten Partei oder politischen Gruppierung anschließen möchte, muss er auf seine „Wählergruppe“ vertrauen, die im Übrigen noch keinen Namen trägt. De jure – das hat ihm Andreas Vetter, Wahlleiter im Geretsrieder Rathaus, erklärt – muss Wiens zeitnah zwei Versammlungen einberufen. In der ersten benennt die Wählergruppe einen sogenannten Wahlvorschlagsträger. Beim zweiten Treffen muss der Kandidat, sprich Wiens, förmlich nominiert werden. Beides will der 24-Jährige bis Ende November über die Bühne gebracht haben. Bis spätestens 8. Januar muss der Wahlvorschlag bei der Stadt eingereicht werden. Die prüft ihn auf Herz und Nieren – und entscheidet, ob Wiens Unterstützerunterschriften beibringen muss. Falls ja, hat er bis zum 19. Januar Zeit, mindestens 190 Unterschriften zu sammeln. Er ist optimistisch: „Das klappt.“

Wiens ist entwaffnend ehrlich. Ein detailliertes Wahlprogramm? „Gibt es noch nicht. Aber ich habe schon sehr viel Input auf meinem Laptop abgespeichert.“ Fest steht: „Ich will Geretsried attraktiver machen“, denn noch immer sei es so, dass die größte Stadt im Landkreis „leider ein mega-schlechtes Image hat“. Zudem herrsche ein Mangel an bezahlbarem Wohnraum, meint der Polizeibeamte. In Geretsried werde zwar kräftig gebaut, „doch das Gros der Wohnungen dient Gutverdienern als Kapitalanlage“.

Der 24-Jährige will die Nichtwähler an Wahlurnen holen

Er hat sich selbst ein Ziel gesteckt: „Die Wahlbeteiligung muss steigen, das wäre ein Erfolg für die Demokratie.“ Bei der Bürgermeisterwahl am 15. März 2020 (Michael Müller, Martina Raschke, Wolfgang Werner und Lorenz Terwey) machten nur 46,4 Prozent der Wahlberechtigten ein Kreuz. Er wolle „die Stimme der Jugend sein“, bisherige Nichtwähler „aus ihrer Bubble an die Wahlurnen holen“ und Geretsrieder seiner Generation ermutigen, sich wie er politisch zu engagieren. „Genau das fordern die Älteren doch immer. Jetzt bin ich da. Der Max Wiens. 24 Jahre jung – und ich will Bürgermeister werden.“ (cce)

„Genau das fordern die Älteren doch immer. Jetzt bin ich da. Der Max Wiens. 24 Jahre jung – und ich will Bürgermeister werden.“