Trump ordnet die NATO-Kommandostrukturen neu: Die USA nehmen Europa mehr in die Pflicht. Trotzdem scheint die Umstrukturierung ein gutes Zeichen zu sein.
Washington – US-Präsident Donald Trump fordert seit längerem, dass die Europäer mehr Verantwortung für ihre Verteidigung übernehmen sollen. Die USA wollen nicht mehr länger Schutzmacht Europas sein und langfristig wohl auch ihre Truppenpräsenz dort reduzieren. Stattdessen will Trump die Bedrohung aus China mehr in den Fokus rücken. Jetzt folgt daraus eine konkrete Veränderung innerhalb der NATO: Die USA werden die Führung von zwei wichtigen NATO-Kommandoposten an europäische Offiziere abgeben.
Zwei Änderungen bei regionalen NATO-Kommandoposten stehen an, wie die Nachrichtenagentur AFP am Montag (9. Februar) aus NATO-Diplomatenkreisen erfuhr. Spekuliert worden war über das Vorhaben schon länger.
- Das NATO-Südkommando in Neapel geht an Italien.
- Das für den Norden zuständige NATO-Kommando in Norfolk im US-Bundesstaat Virginia geht an Großbritannien.
Trump verteilt NATO-Posten neu: Offiziere aus Europa übernehmen zwei Kommandos
Im Gegenzug werden die Vereinigten Staaten das Kommando über die NATO-Seestreitkräfte mit Sitz in Großbritannien übernehmen. Der Deutschlandfunk berichtet außerdem unter Berufung auf Insider-Informationen verschiedener Nachrichtenagenturen, dass die USA im Gegenzug drei operative Kommandos bei der Luftwaffe, der Marine und dem Heer übernehmen würden. In der Hierarchie seien diese niedriger angesiedelt als die NATO-Kommandoposten. Bei einem militärischen Einsatz würden sie aber auch „erhebliche Verantwortung“ tragen. Bis die Neustrukturierung umgesetzt ist, wird es wohl mehrere Monate dauern.
Ein NATO-Vertreter bestätigte offiziell nur allgemein: „Die Verbündeten haben sich auf eine neue Verteilung der Verantwortlichkeiten für höhere Offiziere innerhalb der NATO-Kommandostruktur geeinigt, in der die europäischen Verbündeten (...) eine prominentere Rolle im militärischen Kommando des Bündnisses spielen werden.“ Konkrete Details nannte er nicht.
US-Botschafter: USA unter Trump wollen NATO stärken und nicht „zerstören“
Seit der zweiten Präsidentschaft von Trump wird immer wieder auch ein kompletter Rückzug der USA aus der NATO befürchtet. Die neuen Pläne zur Umstrukturierung bestätigen das vorerst nicht: Die USA als militärische Supermacht werden weiterhin eine zentrale Rolle spielen. Die wichtigsten NATO-Kommandos in den Bereichen Luft, Land und See liegen weiter bei Washington. Auch der Posten des Oberbefehlshabers der alliierten Streitkräfte in Europa verbleibt bei den USA.
Zuletzt drohte der Konflikt um Grönland wegen Trumps Ansprüchen auf die Arktis-Insel, die NATO zu spalten. Der US-Botschafter bei der NATO, Matthew Whitaker, betonte jedoch am Montag, dass der US-Präsident das westliche Militärbündnis stärken und nicht etwa „zerstören“ wolle, indem er Europa zu mehr Engagement dränge. „Wir versuchen, die NATO zu stärken, nicht sie aufzulösen oder abzulehnen“, sagte Whitaker. Vielmehr bemühe sich Washington, die NATO „so funktionieren zu lassen, wie sie als Bündnis von 32 starken und fähigen Verbündeten gedacht war“.
Die europäischen Staaten haben nach massiven Forderungen von Trump und angesichts des Ukraine-Kriegs ihren Verteidigungshaushalt bereits deutlich erhöht. Im vergangenen Jahr verpflichteten sich die NATO-Verbündeten zu Verteidigungsausgaben in Höhe von insgesamt fünf Prozent ihrer jährlichen Wirtschaftsleistung. (Quellen: AFP, Deutschlandfunk) (smu)