Heikler Vorwurf nach Attentat auf Putin-General: Russland wittert Verschwörung in Polen

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Der FSB präsentiert eine detaillierte Tatversion mit ukrainischen Agenten und polnischen Helfern – doch die Ukraine bestreitet jede Beteiligung.

Moskau – Ein Schuss hallt durch das Treppenhaus eines Moskauer Wohnhauses. Vier Kugeln treffen ihr Ziel. General Wladimir Aleksejew, stellvertretender Chef des russischen Militärgeheimdienstes GRU, bricht zusammen. Der Täter verschwindet spurlos – doch womöglich nicht lange. Der russische Inlandsgeheimdienst FSB meldet Fahndungserfolge, ein Geständnis – und eine Verbindung nach Polen. Doch es gibt Zweifel an den Darstellung.

Auf einen von Wladimir Putins (l.) Generälen wurde ein Anschlag verübt.
Auf einen von Wladimir Putins (l.) Generälen wurde ein Anschlag verübt. © IMAGO/Gavriil Grigorov

Nur drei Tage nach dem Attentat vom vergangenen Freitag verkündet der russische Inlandsgeheimdienst FSB einen spektakulären Fahndungserfolg. Ljubomir Korba wurde demnach in Dubai festgenommen und nach Russland ausgeliefert. Der 1960 geborene russische Staatsbürger mit ukrainischen Wurzeln soll laut FSB-Angaben gestanden haben, im Auftrag des ukrainischen Geheimdienstes SBU gehandelt zu haben. Die Ermittler zeichnen ein Bild monatelanger Vorbereitung. Demnach wurde „Korba von einem SBU-Agenten im August 2025 rekrutiert“ und erhielt eine Schießausbildung in Kiew. Für ein erfolgreiches Attentat auf Aleksejew versprach die SBU dem Ausführer 30.000 US-Dollar.

Angriffe auf russischem Boden – Serie gezielter Anschläge auf russische Generäle

Das Attentat reiht sich in eine Serie von Angriffen auf hochrangige russische Militärs ein, die seit Kriegsbeginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine im Jahr 2022 stattfinden. Die Ukraine hat nach Berichten des Guardian mindestens drei russische Generäle in der Moskauer Region im vergangenen Jahr ins Visier genommen. Erst im Januar wurde General Igor Kirillow durch eine Bombenexplosion getötet – die ukrainischen Geheimdienste übernahmen dafür die Verantwortung.

Besonders brisant: Bei der Rekrutierung soll laut FSB Korbas Sohn geholfen haben – ein polnischer Staatsbürger namens Ljubosch Korba, der in der Stadt Kattowitz lebt. Der FSB behauptet, polnische Geheimdienste seien an der Rekrutierung beteiligt gewesen.

FSB meldet Fahndungserfolg: Führte Folter zum Geständnis?

Die detaillierten FSB-Angaben werfen Fragen auf. Die Ukraine bestreitet kategorisch jede Beteiligung – Außenminister Andrij Sybiha gab an, „interne russische Kämpfe“ zu vermuten. Menschenrechtsorganisationen dokumentieren zudem seit Jahren, dass russische Sicherheitskräfte systematisch Folter einsetzen, um falsche Geständnisse zu erzwingen. Auch das US-Innenministerium geht davon aus.

Experten warnen, dass „unter Folter erhaltene Beweise nicht als vertrauenswürdig betrachtet werden können“. Die präzisen Details der FSB-Darstellung - von Dollarbeträgen bis hin zur polnischen Verbindung - lassen sich unabhängig nicht überprüfen. Anders als bei früheren Attentaten übernahm Ukraine diesmal keine Verantwortung.

Attentat auf Aleksejew: Komplizin mietete angeblich Wohnung im Zielgebäude

Aleksejew gilt als Schlüsselfigur bei der Planung der russischen Ukraine-Invasion und steht auf westlichen Sanktionslisten. Die USA sanktionierten ihn laut CBS bereits 2016 wegen Cyberoperationen zur Wahlbeeinflussung, die EU 2019 wegen seiner Rolle beim Nowitschok-Anschlag auf den Ex-Spion Sergej Skripal in Salisbury.

Als Komplizin identifizierte der FSB die 1971 geborene Sinaida Serebritzka. Die ursprünglich aus der Region Luhansk stammende Frau hatte eine Wohnung in demselben Gebäude gemietet, in dem General Aleksejew wohnte . Sie soll dem Attentäter einen elektronischen Schlüssel für den Hauseingang besorgt und am Vorabend der Tat nach Ukraine geflohen sein.

FSB über Attentat auf Aleksejew: Weiterer Verdächtiger festgenommen

Ein weiterer Verdächtiger, Viktor Wasin, wurde in Moskau festgenommen. Der 1959 geborene Mann soll eine Wohnung für Korba gemietet und ihm Fahrkarten besorgt haben. Laut FSB ist „Wasin ein Anhänger des internationalen ‚Fonds zur Bekämpfung der Korruption‘, der als Terrororganisation anerkannt ist“ - eine Anspielung auf die Organisation des verstorbenen Oppositionellen Alexej Nawalny. (Quellen: FSB, AFP, Guardian, CBS, US-Innenministerium) (cgsc)