„Wäre wirtschaftlicher Selbstmord“: Peitinger Unternehmen sagt Neubau ab und gibt Grundstück zurück

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Auf diesem rot markierten Grundstück im Gewerbegebiet an der Bergwerkstraße wollte die Firma Eisen-Peter neu bauen. Doch nun hat das Unternehmen aus wirtschaftlichen Gründen einen Rückzieher gemacht. © Hans-Helmut Herold

Die konjunkturelle Flaute am Bau hinterlässt auch in Peiting ihre Spuren. Die Traditionsfirma Eisen-Peter hat den geplanten Umzug ins neue Gewerbegebiet aus wirtschaftlichen Gründen abgesagt. Für das Grundstück gibt es bereits neue Pläne.

Peiting – Mehr als drei Jahre ist die Vergabe der gemeindlichen Grundstücke im damals neu geschaffenen Gewerbegebiet an der Bergwerkstraße mittlerweile her. Seitdem hat sich einiges getan, die meisten Parzellen sind inzwischen bebaut. Für die mit 6800 Quadratmeter größte Fläche im Süden des Areals gilt dies jedoch nicht, sie ist nach wie vor grüne Wiese.

Ursprünglich hatte die Schongauer Metzgerei Boneberger den Zuschlag für das Grundstück bekommen. Von den Plänen, dort eine vegane Produktionsstätte zu errichten, rückte das Unternehmen aber schnell wieder ab.

Freuen darüber durfte sich die Peitinger Traditionsfirma Eisen-Peter, die als Nachrücker sofort dankbar zugriff. Bislang an der Münchener Straße beheimatet sollte an der Bergwerkstraße ein neuer moderner Standort für die Eisenbiegerei entstehen. Im September 2023 wurden im Gemeinderat erstmals Pläne für den Neubau samt Verwaltungsgebäude und Produktionshalle präsentiert. Damit sie umgesetzt werden konnten, passte das Gremium damals eigens den Bebauungsplan an.

Doch zum Spatenstich wird es nicht mehr kommen. Wie Geschäftsführer Sebastian Müller auf Nachfrage der Heimatzeitung erklärt, habe sein Unternehmen das Grundstück zwischenzeitlich an die Gemeinde zurückgegeben. Die Firma, die Betonstahl und Baustahlmatten für Bauprojekte und Fertigteilwerke liefert, kämpft wie viele andere in der Branche mit der wirtschaftlichen Entwicklung im Land. „Überall werden Kapazitäten zurückgefahren, weil der gesamte Bau am Boden liegt“, sagt Müller.

Am Standort von Eisen-Peter an der Münchener Straße in Peiting ruht aktuell der Betrieb.
Am derzeitigen Standort von Eisen-Peter an der Münchener Straße in Peiting ruht aktuell der Betrieb. Es mangelt wegen der Krise in der Baubranche an Aufträgen. © Hans-Helmut Herold

Weil Aufträge fehlen, hat das Unternehmen den Standort in Peiting seit dem vergangenen Herbst stillgelegt. Man versorge den Markt aktuell aus Gilching, um die dortige Niederlassung auszulasten, so der Geschäftsführer. Die Beschäftigten aus Peiting seien teils übernommen worden, manch Facharbeiter aus dem Ausland sei aber auch angesichts der Situation in sein Heimatland zurückgekehrt.

Voraussichtlich nach Ostern soll der Betrieb in Peiting wieder aufgenommen werden. „Es hängt davon ab, wie sich die Konjunktur erholt.“ Eine solch lange Pause hat es laut Müller am Eisen-Peter-Standort in der Marktgemeinde bislang noch nicht gegeben. „Wir hatten einzig mal über den Sommer wegen Urlaub vier bis sechs Wochen zu.“

Sorge um ausländische Mitarbeiter

Nicht nur die wirtschaftliche Krise stellt das Unternehmen Eisen-Peter vor Herausforderungen. Auch die fehlenden Fachkräfte sind laut Geschäftsführer Sebastian Müller zunehmend ein Problem. „Das ist seit Corona nicht leichter geworden“, sagt er. Nun komme noch die aktuelle Diskussion in der Politik um die Migration hinzu. Denn viele Mitarbeiter kommen aus dem Ausland und würden die Debatte und die Wahlprogramme natürlich verfolgen. Die Sorge, künftig als Bürger zweiter Klasse zu gelten, sei durchaus groß, berichtet Müller von entsprechenden Gesprächen. Dass deshalb künftig manch einer nicht mehr nach Deutschland kommen möchte, sondern lieber in seiner Heimat arbeitet, treibt den Geschäftsführer um. „Wir haben ja jetzt schon Probleme, an Personal zu kommen.“

Vor diesem Hintergrund war laut dem Geschäftsführer an einen Neubau nicht mehr zu denken. „Das wäre wirtschaftlicher Selbstmord gewesen.“ Noch dazu wäre es schwierig gewesen, überhaupt finanzielle Partner für das Projekt zu finden. Im Herbst sei man deshalb auf die Gemeinde zugegangen, denn einfach verkaufen konnte man das Grundstück wegen der vertraglichen Modalitäten nicht.

Schnell zeichnete sich laut Müller unbürokratisch eine Lösung ab, denn bei der Gemeinde hatte man gleich einen neuen Interessenten in petto. Dabei handelt es sich laut dem Geschäftsführer um die ortsansässige Holzbau-Firma H.R.W.. Für Müller eine „Win-Win-Situation“. Ganz verabschieden von den Neubau-Plänen für seine eigene Firma will sich der Geschäftsführer trotz der aktuellen Entwicklung nicht. „Vielleicht ziehen wir sie zu einem späteren Zeitpunkt wieder aus der Schublade.“ Dann aber, so viel ist sicher, an anderer Stelle.

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