Worum geht es eigentlich in Lewis Carrolls „Alice im Wunderland“? Also – worum geht es genau? Nicht so einfach zu beantworten. Für diejenigen, die ihr Wissen über diesen Klassiker der Weltliteratur auffrischen wollen, gibt es „Alice“: Das neue Musical des Kauferinger Kinder- und Jugendchors doremi.
Kaufering – Dieses Musical ist nicht das erste, das doremi auf die Beine stellt. „Bisher haben wir uns nur mit sehr ernsten Themen beschäftigt, wie in David oder bei Annes Tagebuch“, erzählt Chorleiterin Silvia Elvers über vergangene Aufführungen. Jetzt wollten die Kinder etwas Lustigeres machen. „Ich bin der Meinung: Wenn es nur lustig ist, ist es zu wenig. Ich möchte den Kindern was fürs Leben mitgeben.“ Also machte sich der Chor gemeinsam auf die Suche nach einem Stück, das die Wünsche der Kids und der Chorleiterin vereinen kann. „Alice im Wunderland“ passte perfekt: „Es ist sehr lustig, sehr verrückt und bunt, aber es vermittelt trotzdem eine Botschaft. Alice findet im Wunderland raus, wer sie ist und was sie will.“
„Alice“ als neues Musical des Kauferinger Chors doremi - Verfilmung war den Kids bekannt
„Die Geschichte nachzuerzählen ist richtig schwer“, weiß Elvers – zu konfus und wild sind die Abenteuer des jungen Mädchens. Nur einige Kinder und Jugendlich kannten das Original-Stück vorher. Den meisten waren eher die jüngsten Disney-Verfilmungen mit Johnny Depp als Hutmacher bekannt. „Den alten Disney-Film hab ich letzte Woche mit meinen Kindern angeschaut. Wir haben aber nach zehn Minuten ausgeschalten, weil es so schnell und chaotisch war“, erinnert sich Elvers.
Zumindest ein bisschen chaotisch waren auch die Proben zum Musical, die seit dem Frühjahr laufen. Eine lange Probenzeit, bei der die Motivation der Kinder und Jugendlichen nicht immer voll da gewesen sei, erinnert sich Elvers. Aber je näher die Aufführung rückte, desto größer wurden Motivation und Spannung. 70 doremi-Kinder wirken an der Aufführung mit – die jüngsten sind gerade mal neun Jahre alt.
Und die müssen auch schauspielern können. Das passende Training läuft parallel zu den Chorproben: „Ich baue immer wieder theaterpädagogische Übungen mit ein“, erklärt Elvers. Außerdem gebe es eine professionelle Schauspielerin, „die immer wieder mit den Kids an ihren Rollen gearbeitet hat.“ Über die Arbeit an so einem Stück könnten die Kinder viele verschiedene Sachen für ihr Leben mitnehmen, ist sich Elvers sicher. Denn dann setzten sich die Kinder auch mit ihren Rollen auseinander.
Um die Rollen zu verteilen gab es ein Casting: „Ganz viele Kinder wollten den Hutmacher spielen“, erinnert sich Elvers. Über die Rolle freuen konnten sich am Ende jeweils zwei Kinder, denn jede Rolle wurde doppelt besetzt – für je einen Aufführungstag oder im Krankheitsfall. Dadurch hat jedes Kind eine Rolle bekommen – groß oder klein, Sprech-Sing-Rollen oder Rollen, bei denen man nur singt und tanzt. Natürlich bekam nicht jeder seine anfängliche Wunschrolle – wie auch, bei 70 Kindern? „Am Anfang gab‘s ein paar lange Gesichter, aber am Ende ist jeder für das Stück wichtig.“
Eine weitere heiß begehrte Rolle war natürlich die der Alice. Die beiden Besetzungen seien aber schon vor dem Casting klar gewesen. „Ich wusste schon, wem ich die Rolle gerne anbieten würde“, so Elvers. Beide Mädchen seien sehr engagiert und Elvers traute ihnen eine so große Rolle, bei der sie während des ganzen Stücks auf der Bühne stehen, zu. An einem Aufführungstag spielt Theresa die Rolle der Alice.
Theresa ist schon seit den Chorspatzen unter den Fittichen von Silvia Elvers. Die 16-Jährige performt beim Musical zwei Solo-Stücke und mehrere Solo-Strophen. „Es ist viel zu lernen, deswegen hoffe ich, dass es eine tolle Aufführung wird, damit sich das gelohnt hat“, erklärt Theresa. Nervös ist sie nur ein bisschen „vor den hohen Stellen, weil da manchmal meine Stimme bricht.“ Abhilfe schaffen dabei die Gesangscoaches, die die Proben unterstützen. „Das ist voll cool, weil man ein spezifisches Training bekommt. Das macht echt Spaß.“ Was Theresa auch Spaß macht ist, sich in ihre Rolle hineinzuversetzen:„Ich finde es toll, wie sich Alice auf diese Welt einlässt. Denn sie ist ein normales Mädchen und in dieser Welt ist nichts normal. Trotzdem findet sich Alice darin selbst.“ Und weil sich jeder Darsteller auch noch hinter der Bühne mit den Vorbereitungen beschäftigt, ist Theresa auch noch im ‚Maskenbild-Department‘ zuständig.
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Raphael hat indes beim Kostümbild mitgeholfen. Der 14-Jährige spielt das weiße Kaninchen. „Es ist ein Untergebener der Königin. Das Kaninchen ist sehr gestresst, will alles perfekt machen“, beschreibt Raphael seine „wirklich coole Rolle. Dieses Getaktete und Hektische – das find ich super.“ Auch sein Kostüm gefällt Raphael gut. Während andere Jugendliche – und eine professionelle Kostümbildnerin – daran gewerkelt haben, hat Raphael beispielsweise bei der Gestaltung der Karten-Kostüme mitgeholfen. „Wir haben Lkw-Planen in Rechtecke geschnitten und die Ecken abgerundet. Dann haben wir die Herzen und die Zahlen draufgemalt“, verrät er.
Aus wenig mach viel
Vom Kostüm-Team ist auch Elvers ganz begeistert: „Sie machen aus ganz wenig wahnsinnig viel.“ So tragen die Darsteller eigentlich Alltagskleidung und werden dann noch, passend zur Rolle, aufgepimpt. Und auch die musikalische Begleitung teilen sich Kinder und Profis: Vier Kids wirken bei den Musikstücken mit und werden von professionellen Musikern unterstützt. Ein Konzept, das auch Theresa lobt: Durch die Zusammenarbeit der Chors und der Profis entstehe ein „hauseigenes Produkt“.
Die Alice-Aufführungen finden am 2. November um 15 und 19:30 Uhr und am 3. November um 11 und 15 Uhr in der Aula der Mittelschule Landsberg statt. Karten gibt‘s im Vorverkauf beim Reisebüro Vivell in Landsberg und an der Abendkasse des Musicals.