Bleibt der Augsburger Hof in Landsberg ein Hotel?

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Am unteren Ende der Schlossergasse in Landsberg dient der Augsburger Hof auch als Unterkunft für die Theaterensemble- und Musikgäste im benachbarten Stadttheater. Der Landkreis hätte das Haus aber auch gerne zur Unterbringung unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge. © Greiner

Unbegleitete Minderjährige Asylsuchende oder Gäste und Künstler? Nicht nur der Landkreis hat Interesse am Augsburger Hof: Auch die SPD/FDP-Stadtratsfraktion schlägt vor, das rund 1.800 Quadratmeter große Grundstück mit Gebäude zu kaufen oder zu pachten. Auch, weil es der ideale Ort für den Schrägaufzug wäre.

Landsberg – „Aus der Nummer komm ich jetzt nicht mehr raus“, sagt Michael Buchheim und lacht. Seit über 14 Jahren betreibt er das Hotel Augsburger Hof in der Schlossergasse, „von früh bis spät bin ich hier“. Und er hat auch seit 2015 bis heute immer mal wieder Unbegleitete Minderjährige Asylsuchende (UMA) untergebracht, für die der Landkreis keine Unterkunft finden konnte. Als jetzt die Anfrage auf Miete oder Kauf vom Kreis gekommen ist, hat Buchheim „Luft geschnuppert: Mein Leben lang mag ich das hier nicht machen.“ Wann genau er das Hotel aufgeben will, weiß er noch nicht. „Aber das Ende ist nah“, sagt er mit einem Lächeln. Auch, weil der Augsburger Hof begehrt ist: Neben Stadt und Landkreis hat Buchheim schon eine dritte Anfrage erhalten.

Augsburger Hof in Landsberg als Unterbringung für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge geeignet

Der Landkreis sucht dringend Unterbringungsmöglichkeiten für UMA: „Wir haben aktuell 52, von denen fast die Hälfte nicht im Landkreis unterkommen kann“, sagt Landratsamtssprecher Wolfgang Müller. „Im Augsburger Hof könnten wir zwei Wohngruppen à zehn bis zwölf Personen unterbringen.“ Sollte der Landkreis das Gebäude kaufen, sei dort eine Jugendhilfeeinrichtung denkbar. Die Kosten für die Unterbringung werde wohl der Bezirk erstatten, teilweise auch die für den nötigen Umbau des Gebäudes: „Wir bräuchten wohl einen weiteren Fluchtweg, ein Büro, vor allem einen zweiten Aufenthaltsraum zusätzlich zu dem im Erdgeschoss“, so Müller. Möglich wäre der im Dachgeschoss. Aktuell prüfe man die baulichen Voraussetzungen. Für die Unterbringung von UMA sei aber auch eine Nutzungsänderung seitens der Stadt Voraussetzung. „Und die Stadt hat wohl auch in diesem Bereich das Vorkaufsrecht.“ Der Landkreis wolle aber nicht in einen „Bieterwettbewerb mit der Stadt gehen“, beschwichtigt Müller. „Wir sind ja eine Landkreisfamilie.“

Dass der Bedarf für UMA da ist, weiß Buchheim. „Und das hat bei mir auch immer super funktioniert.“ Einer der Minderjährigen baue heute Brunnen im Senegal. „Der kommt mich öfter besuchen.“ Die Lage für eine UMA-Unterkunft sei ideal: im Stadtzentrum und nicht irgendwo im Industriegebiet fern des gesellschaftlichen Lebens. „Aber mein Herz schlägt auch für das Hotel. Weil die Zusammenarbeit mit dem Stadttheater so gut ist“, sagt Buchheim.

Zu wenig Hotels in Landsberg: ein Problem für Tourismus und Theater

Das bekräftigt Theaterleiter Florian Werner: „Die Nähe und die Art und Weise, wie Buchheim das macht, ist für uns ideal.“ Sollte das Hotel-Angebot im Augsburger Hof wegfallen, könnte das für das Theater problematisch werden: beispielsweise wenn große Ensembles zu Gast sind. Auch aus diesem Grund stellt die SPD/FDP-Stadtratsfraktion jetzt einen Antrag, das in diesem Gebiet bestehende Vorkaufsrecht der Stadt wahrzunehmen. So profitiere das Stadttheater, das durch die Übernachtungsmöglichkeit im benachbarten Gebäude auch große Künstler „von einem Auftritt überzeugen konnte“, so 3. Bürgermeister Felix Bredschneijder (SPD). Zudem nehme auch Penzing das Angebot im Augsburger Hof regelmäßig wahr. Der SPD/FDP-Fraktion schwebt aber auch ein schon länger angedachtes ‚Bauwerk‘ vor: der Schrägaufzug direkt zum Jesuitenkolleg, für den das Grundstück des Augsburger Hofs ideal sei. Denn dessen Garten reicht bis zum Lech-Höhenweg.

Die Stadt müsse nicht als Hotelbetreiber auftreten, erläutert Bredschneijder. Er habe bereits mit einer Landsberger Gastro-Familie gesprochen, „die in der Lage und Willens wäre, den Hotelbetrieb auch als Pachtbetrieb weiterzuführen“. Aus diesen Gründen beantragt die Fraktion, Mittel zum Grundstückskauf in den Haushalt 2025 einzustellen. Ebenso soll die „Ausübung des Vorkaufsrecht“ im Stadtrat entschieden werden.

Die Fraktion schreibt in einem Begleitbrief des Antrags, dass man das Projekt des Landratsamtes durchaus gut finde. Allerdings werde Buchheim als ‚Betreuer‘ wegfallen, an dessen Persönlichkeit das gute Gelingen der UMA-Unterbringung bisher zum Großteil liege. Dennoch seien die städtebaulichen Ziele vorrangig. Aber: „Wir lehnen eine Diskussion ‚Flüchtlinge gegen Hotel‘ ab. Darum geht es nicht.“ Ebenso wolle man keine Front gegen den Landkreis aufbauen. Auch in Zukunft werde der Landkreis bei Bedarf wohl im Hotel Räume anmieten können. Direkt am Holzmarkt stehe zudem ein anderes Haus leer: „Wir können uns durchaus vorstellen, den Landkreis beim Erwerb und der Errichtung der entsprechenden Unterkunft für minderjährige Flüchtlinge zu unterstützen.“

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