Die Kochler SPD will bei der Kommunalwahl 2026 politisch wieder an Stärke gewinnen. Der Ortsverein tritt mit einer Liste um Spitzenkandidat Klaus Barthel an und hofft auf zwei bis drei Sitze im Gemeinderat.
Kochel am See – Die Kochler SPD blickt auf eine traditionsreiche Geschichte zurück: Seit nunmehr 100 Jahren besteht der Ortsverein – ein Jubiläum, das am 25. Januar in der SPD-nahen Georg-von-Vollmar-Akademie gebührend gefeiert werden soll. Einst war die stolze Arbeiterpartei eine Größe im Gemeinderat; in den 1970er Jahren hatte sie sechs Sitze. Heute jedoch ist sie auf eine Ein-Mann-Fraktion geschrumpft: Klaus Barthel hält als Einzelkämpfer die Fahne für die Genossen hoch.
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Liste mit acht Kandidaten
Zur Kommunalwahl 2026 soll sich das ändern. Die SPD hat sich vorgenommen, zu wachsen und zwei bis drei Sitze zu holen. Der erste Schritt dafür wurde mit der Aufstellungsversammlung im Café König gemacht: Die vier Stimmberechtigten verabschiedeten einhellig eine Liste mit acht Kandidaten – sechs Frauen und zwei Männern. Zugpferd bleibt Barthel, der von 1994 bis 2017 im Deutschen Bundestag saß und die Liste anführt. Die nachfolgenden drei Bewerber – Julia Schuster, Ansgar Pernice und Michaela Dangl-Dubois – werden ebenfalls jeweils dreifach genannt, was die Chancen erhöht, ein Mandat zu erobern. Die Gruppe ist bunt gemischt mit jungen und älteren Anwärtern.
In der Vorstellungsrunde präsentierten die Kandidaten ihre Schwerpunkte, wobei soziale Themen klar im Vordergrund standen. Immer wieder wurde der Bedarf an bezahlbarem Wohnraum betont – ein Anliegen, das Barthel im Gemeinderat voranbringen will. „Das ist bei uns ein ganz zentraler Punkt“, sagte der ehemalige Berufspolitiker, der sich zudem um das Amt des Landrats bewirbt. Die Gemeinde plant bekanntlich kommunalen Wohnungsbau an der Sonnenspitzstraße – für Barthel jedoch nur ein erster Schritt. „Es muss weitergehen“, betonte der 69-Jährige. Ein weiteres Projekt könne er sich auf dem Gelände des ehemaligen Verstärkeramts vorstellen, etwa in Form eines Konzepts für Mehrgenerationenwohnen.
„So stelle ich mir Demokratie nicht vor“
Kopfschütteln rief bei den Genossen die jüngste Rolle rückwärts des Gemeinderats im Kita-Streit hervor. Wie berichtet, kippte das Gremium in einer Kampfabstimmung kurzerhand den bereits beschlossenen Standort am Bergfeldweg direkt neben der Grundschule – und verabschiedete sich damit von der Campus-Idee, für die Bürgermeister Jens Müller (UWK) geworben hatte. Aus der Runde war zu hören, die bei diesem Manöver tonangebende CSU habe vor allem dem Rathauschef eins auswischen wollen. Barthel, der den Standort am Bergfeldweg für gut geeignet gehalten hätte, meinte, dass man sich nun in eine Sackgasse begeben habe. Eine Entscheidung so einfach zu kassieren, sei kein Gebaren: „So stelle ich mir Demokratie nicht vor“, ärgerte sich der SPD-Mann. Nun verzögere sich das gesamte Verfahren. Und es sei fraglich, ob die ins Spiel gebrachte Variante im Kurpark überhaupt baurechtlich realisierbar sei.
Doch das sind nicht die einzigen Themen, die die Sozialdemokraten beschäftigen. So setzen sie sich etwa dafür ein, die Gebühren in der gemeindlichen Kita für Krippenkinder zu senken, um Familien finanziell zu entlasten. Außerdem plädieren sie dafür, die Bürger bei der wichtigen Zukunftsfrage, wie es mit der sanierungsbedürftigen Heimatbühne weitergehen soll, einzubinden.
Bemerkenswert: Bürgermeister Müller erhält von den Genossen gute Noten. Er stehe für eine offene Gesprächskultur im Gemeinderat, sagte Angelica Dullinger, Vorsitzende des Ortsvereins und ehemalige Gemeinderätin. „Es ist um Welten besser geworden.“
Die Kandidaten
1-3: Klaus Barthel
4-6: Julia Schuster
7-9: Ansgar Pernice
10-12: Michaela Dangl-Dubois
13: Angelica Dullinger
14: Katharina Bauer
15: Saskia Weh
16: Judith Schindler
(gefettet: aktuell im Gemeinderat)