Bundeswehr schon jetzt Ziel russischer Maßnahmen: brisanter Einblick in Lage an der NATO-Flanke

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Russlands Cyberangriffe bedrohen Bundeswehr-Kommunikation: Störungen und Spionage nehmen zu – Lettlands Geheimdienst warnt vor wachsender Gefahr.

Vilnius – In Unterfranken rüstet sich die Bundeswehr für die NATO-Ostflanke. Beim Appell in Veitshöchheim wird der Litauen-Brigade jene Einheit unterstellt, welche 2027 einsatzbereit werden soll. Brigadekommandeur Christoph Huber macht aus seinem Ziel keinen Hehl: Sollte es erforderlich werden, verteidige die Truppe „jeden Zentimeter“, zitiert der mdr. Der Kampf hat jedoch bereits begonnen, wie eine aktuelle Recherche des Bayerischen Rundfunks (BR) zeigt.

Soldaten bei der Unterstellung des Panzergrenadierbataillons 122 und des Panzerbataillons 203 unter die Panzerbrigade 45 „Litauen“. Offenbar behält auch Russlands Präsident Wladimir Putin die Situation genau im Blick. (Montage) © © IMAGO / SNA / Archivbild/ picture alliance/dpa/ Heiko Becker

Die Recherchen zeugen von einer bedenklichen Sicherheitslage im Baltikum. Russische und belarussische Kräfte würden gezielt die Kommunikationssysteme der Bundeswehr stören. Auch das litauische Verteidigungsministerium verweist gemäß BR auf Störmaßnahmen, welche seit Russlands Angriff auf die Ukraine zugenommen hätten. Für die Führungsfähigkeiten der Bundeswehr bedeuten die Störungen im Ernstfall einen Totalschaden.

Elektronische Kampfführung im Baltikum: Daum warnt vor Rückstand

Das Spektrum der Angriffe ist breit: Vizeadmiral Thomas Daum berichtet gegenüber dem BR von Angriffen und Störmaßnahmen gegen Radar und Flugfunk sowie von Desinformationskampagnen. Der Eindruck dränge sich auf, dass russische Hacker private Telefonate von Soldaten in die Heimat mithörten. Daum betont: „Da wird dem Soldaten der Eindruck vermittelt, dass er jetzt nicht alleine ist in diesem Call mit seiner Liebsten zu Hause. All das hat natürlich viele verschiedene Ursachen. Es soll auch Unsicherheiten schüren.“

Im unsichtbaren Duell der elektronischen Kampfführung habe der Kreml durch die jahrelange Erfahrung die Nase vorn. Daum gesteht für die Bundeswehr erheblichen Nachholbedarf ein: Mittlerweile sei es „Normverhalten, in dem EloKa gegen EloKa alles macht, was unterhalb der Schwelle zur Gewaltanwendung bleibt“, erklärt er gegenüber dem BR. Zwar fließe nun das Geld und man habe bereits wichtige Erkenntnisse über die russischen Taktiken gewinnen können, doch bis die Bundeswehr den technologischen Rückstand aufholt, bleibt die neue Flanke im Osten verwundbar.

Lettlands Geheimdienst warnt – Russland setzt auf Sabotage und Cyber

Das von Litauen nördlich gelegene Lettland reagierte bereits: Der Verfassungsschutz des Landes warnte bereits vor einer immer stärkeren hybriden Bedrohung durch Russland. Die von Kremlchef Wladimir Putin ausgehenden Sicherheitsrisiken nähmen in Europa deutlich zu, schrieb die Behörde in ihrem Jahresbericht für 2025. Zugleich stelle Russland derzeit keine direkte militärische Bedrohung für das baltische EU- und NATO-Land dar. Einige Anzeichen wie die russischen Narrative und Propaganda über Lettland deuten aber auf mögliche langfristige Pläne hin, heißt es weiter. 

Was ist hybrider Krieg?

Laut dem Bundesministerium der Verteidigung bezeichnet hybride Kriegsführung, eine Kombination aus klassischen Militäreinsätzen, wirtschaftlichem Druck, Cyberangriffen oder Propaganda in den Medien und sozialen Netzwerken. Als Beispiele nennt das Ministerium gezielte Falschinformationen und -meldungen in Medien, eine Beeinflussung des Meinungsklimas oder die Wahlbeeinflussung in liberalen Demokratien und offenen Gesellschaften. 

Nach Einschätzung des lettischen Verfassungsschutzes habe sich Russlands Wahrnehmung des Westens als existenzielle Bedrohung verschärft. Russland sehe sich in einer direkten Konfrontation mit dem Westen – nicht nur im Ukraine-Krieg, sondern auch global und ideologisch. Die Wahrnehmung erhöhe das Risiko von Fehlkalkulationen und bedeute eine deutliche Zunahme der Sicherheitsrisiken für Europa, heißt es im Bericht. „Es werden alle möglichen Versuche unternommen, unsere westlichen Länder zu beeinflussen. Diese werden fortgesetzt und noch intensiver“, sagte die lettische Außenministerin Baiba Braze nach einem Treffen mit ihrem deutschen Amtskollegen Johann Wadephul (CDU). Russland versuche vermehrt, seine Ziele mit unkonventionellen Mitteln zu erreichen. „Das ist die neue Normalität.“ Auch Wadephul betonte: „Natürlich wird Russland weiter versuchen, uns zu destabilisieren. Und natürlich wird das nicht aufhören, auch mit einem möglichen Friedensschluss in der Ukraine nicht“.

Sabotageakte und Desinformationskampagnen

Nach Angaben des Geheimdienstes habe Russland 2025 nicht nur seine gegen den Westen gerichteten Aktivitäten fortgesetzt und Sabotageakte und Desinformationskampagnen durchgeführt – auch habe es den Willen und die Bereitschaft gezeigt, Cyberangriffe auf industrielle Steuerungssysteme in Lettland und westlichen Ländern durchzuführen. 

Lettland grenzt im Osten an Russland und dessen Verbündeten Belarus. Der Baltenstaat ist ein enger Partner und Unterstützer der Ukraine, die sich seit fast vier Jahren gegen eine russische Invasion wehrt. „Unsere Beobachtungen zeigen, dass Russlands Wahrnehmung von Lettland zunehmend derjenigen ähnelt, die es vor dem Krieg gegenüber der Ukraine hatte“, schreibt der Verfassungsschutz. Diese zunehmend negative Sicht auf Lettland könne langfristig zu aggressiveren russischen Entscheidungen führen - auch wenn dies für Moskau gegenwärtig keine Priorität habe. (Quellen: mdr, BR, dpa, Bundesministerium der Verteidigung) (kox)

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