Der von der Deutschen Bahn AG (DB) angestrebte Umbau des Bahnübergangs an der Faistenhaarer Straße in Höhenkirchen-Siegertsbrunn stößt auf Widerstand in der Gemeinde – zumindest in der vom Unternehmen favorisierten Variante.
Höhenkirchen-Siegertsbrunn - Diese sieht vor, dass außer Fußgängern und Radfahrern nur noch Rettungsfahrzeuge den Übergang nutzen können. Letzteres ist bereits ein Zugeständnis der DB an die Gemeinde. Der Gemeinderat pocht aber auf freie Fahrt auch für land- und forstwirtschaftliche Fahrzeuge. Und so lieferten sich jetzt im Bauausschuss einige Gemeinderäte einen regelrechten Schlagabtausch mit dem Vertreter des DB-Unternehmens InfraGo, Manfred Rauscher – unter den Augen zahlreicher Landwirte.
Umbau aus Sicherheitsgründen notwendig
Rauscher hatte wie bei seinem letzten Besuch im Ausschuss vor rund eineinhalb Jahren kurz dargelegt, dass der Umbau des alten Bahnübergangs aus Sicherheitsgründen unerlässlich ist. Unter anderem, weil die Gleise und damit der Bahnübergang sehr nah an der Staatsstraße 2078 liegen, und es deshalb im Fall einer Gefahrensituation Schwierigkeiten bei der Räumung des Bahnübergangs geben könnte – zum Beispiel weil ein langes Fahrzeug dann in die Fahrbahn der Statsstraße hineinragt.
Um derartige Situationen zu verhindern, gibt es aus Sicht der DB nur drei Möglichkeiten: eine Ampelanlage zu errichten, die jedes Mal, wenn eine S-Bahn fährt, den Verkehr auf der Staatsstraße stoppt, die Staatsstraße zu verschwenken oder eben den Bahnübergang für alle Kraftfahrzeuge zu sperren. Letztere Variante wird von der Bahn favorisiert.
Wichtige Verbindung gerade für Landwirte
Die vor eineinhalb Jahren geäußerten Vorbehalte der Gemeinde hat Rauscher seinen Angaben zufolge geprüft. So habe eine dreitägige Verkehrszählung ergeben, dass im Durchschnitt 75 Kraftfahrzeuge pro Tag den Bahnübergang nutzen, darunter zwölf Langfahrzeuge. Rauschers Schlussfolgerung: „Die verkehrliche Bedeutung der Straße ist sehr gering.“ Das wiederum stehe der Argumentation der Gemeinde entgegen, die die Bedeutung der Ortsverbindungsstraße gerade für Landwirte hervorgehoben hatte.
„Haben Sie denn auch einmal nicht in den Ferien gemessen?“, wollte Bürgermeisterin Mindy Konwitschny (SPD) angesichts der Tatsache wissen, dass die Verkehrszählung Ende August durchgeführt wurde. Außerhalb der Ferien sei auf der Straße sicher mehr Verkehr, gab sie zu bedenken. Noch deutlicher wurde Susanne Gaar. „Ende August ist auf den Feldern nichts mehr los“, stellte die CSU-Rätin klar. Sie hielt einen Umbau des Bahnübergangs sowieso für unnötig. Bereits jetzt werde mittels eines Schildes die Durchfahrt für Fahrzeuge mit mehr als zwölf Metern Länge begrenzt, argumentierte sie. Und Fahrzeuge unter zwölf Meter könne man trotz der Staatsstraße problemlos aus dem Gleis-Bereich fahren. „Die Schilder würden ignoriert“, entgegnete Rauscher. Deshalb sei das Ziel der Bahn, keine Schilder mehr aufzustellen, sondern „baulich für Sicherheit zu sorgen“.
Weitere Varianten offenbar nicht geprüft
Max Lachner (AFW) kritisierte, dass – entgegen dem Auftrag, dem ihm der Bauausschuss vor eineinhalb Jahren mit auf dem Weg gegeben habe, – Rauscher kein Wort darüber verloren habe, ob eine Tieferlegung oder eine Verschwenkung der Gleise, die das Sicherheitsproblem ebenfalls lösen könnten, geprüft worden seien. Beide Alternativen seien zu teuer, würden das Zehnfache der von der Bahn vorgeschlagenen Lösung kosten, erwiderte Rauscher.
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Es gehe hier nicht nur um Widrigkeiten für Landwirte, die bei einer Sperrung des Übergangs Umwege fahren müssten, betonte Otto Bußjäger (UB). Er verwies wie Gaar darauf, dass deren Fahrzeuge dann durch die jetzt bereits überlastete Bahnhofstraße in der Ortsmitte fahren müssten. Das sei nicht akzeptabel.
Verschwenkung der Straße wäre noch eine Option
Konwitschny brachte schließlich wieder die Verschwenkung der Staatsstraße ins Spiel. Sie will nun Kontakt zum Staatlichen Bauamt Freising aufnehmen und die Durchführbarkeit und Kostenfrage abklären. Zudem will man der Bahn die Landwirte nennen, die wirklich von der Sperrung des Bahnübergangs betroffen sein. Arbeitsaufträge gab es aber auch für Rauscher: Er soll eine neue Verkehrszählung veranlassen und bei der nächsten Zusammenkunft auch Varianten präsentieren, die einen zweigleisigen Ausbau der Bahnstrecke berücksichtigen.