Egal, wie schnell der Schnee schmilzt: Ein früher Start der Mountainbike-Saison ist am Elendsattel künftig nicht mehr möglich. Der Grund: ein einmonatiges Betretungsverbot zum Schutz des Birkhuhns.
Schliersee/Bayrischzell– Gut, bei großer Sommerhitze kann der Elendsattel seinem Namen schon mal gerecht werden. Keine Einkehrmöglichkeit und knackige Anstiege machen den Forstweg zwischen der Valepp bei Spitzingsee und dem Kloo-Ascher-Tal bei Bayrischzell für manchen Mountainbiker und Wanderer mitunter zu einer rechten Quälerei. Der Beliebtheit der Strecke tut dies aber keinen Abbruch. Und das wiederum führt zu einem Elend für die Bewohner dieses Gebiets: die Birkhühner.
Die bereits seit 2002 streng geschützten Tiere haben im Bereich des 1134 Meter hohen Elendsattel einen von wenigen verbliebenen Lebensräumen im Landkreis Miesbach. Waren sie in früheren Jahren durch die Wetterbedingungen während ihrer Brutzeit im Frühjahr vor Störungen durch menschliche Besucher noch weitgehend geschützt, sorgen die immer wärmeren und schneeärmeren Winter schon im April für eine erhöhte Frequenz an Radlern und Wanderern, erklärte nun Schliersees Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer (CSU) in der Gemeinderatssitzung am Dienstagabend. Um die ohnehin bedrohte und in den vergangenen zehn Jahren um rund 70 Prozent zurückgegangene Birkhuhnpopulation zu schützen, wolle das Landratsamt per Allgemeinverfügung ein einmonatiges Betretungsverbot für den Elendsattel erlassen. Es solle ab sofort immer von 15. April bis 15. Mai gelten.
Strenge Kontrollen angekündigt
Wie Bauamtsleiterin Birgit Kienast ergänzte, habe ein Gespräch zu diesem Thema am Landratsamt stattgefunden. Dieses habe angekündigt, die Einhaltung des Betretungsverbots auch streng zu kontrollieren. Besonders problematisch seien jene Radler, die schon morgens vor 10 Uhr am Elendsattel unterwegs seien. Hier seien die Auswirkungen der Störung für die Birkhühner am größten.
Informationen über die genaue Größe und Lage der Sperrzone konnte das Landratsamt gestern auf Nachfrage unserer Zeitung nicht liefern. Die zuständigen Kollegen in der Gebietsbetreuung Mangfallgebirge seien nicht erreichbar. So blieben auch Fragen zur geplanten Beschilderung sowie zur praktischen Umsetzung der angekündigten Kontrollen und etwaiger Konsequenzen bei Verstößen zunächst unbeantwortet. Ein Blick auf die Landkarte zeigt zumindest, dass die mehr als zwölf Kilometer lange Verbindung zwischen der Valepp und der Tiroler Straße mangels Ausweichrouten unabhängig von der Lage des Sperrgebiets so oder so für einen Monat gekappt wäre.
Wildschutzgebiet an der Rotwand schon seit 2021
Das Betretungsverbot ist übrigens nicht das Erste in diesem Bereich. Wie berichtet, ist bereits seit 2021 eine Wildschutzzone im Rotwandgebiet ausgewiesen. Dort darf eine circa 320 Hektar große, allerdings nicht zusammenhängende Fläche jeweils von 1. Dezember bis 14. Juli nicht mehr betreten werden. Anders als beim Elendsattel sind dabei aber nur zwei Wanderwege betroffen. Einer davon darf dank einer Ausnahme aber schon ab 31. März wieder begangen werden, für den anderen wurde zwischenzeitlich eine alternative Route angelegt. Grund für die Schutzzone sind die Raufußhühner, zu denen auch das Birkhuhn zählt. Sie dürfen während der Winterruhe, Balz, Brut und Aufzucht nicht gestört werden. Dies soll perspektivisch auch am Gipfelbereich des Hirschbergs in Kreuth nicht mehr geschehen. Wie berichtet, ist hier aber ein Betretungsverbot vorerst kein Thema.
Im Gemeinderat Schliersee gab es zur Neuregelung am Elendsattel derweil keine Diskussion oder Kritik. Schnitzenbaumer schloss die Information humorvoll ab: „Hoffentlich haben die Hühner einen Kalender“, sagte er in Bezug auf den Zeitraum des Betretungsverbots. Kienast war um eine ebenso launige Antwort nicht verlegen: „Die machen das mit ihrer inneren Uhr.“