Irgendwann muss mal Schluss sein! Das sagt sich 3D-Bogenschützin Silvia Barckholt aus Rott. Nach unzähligen Titeln auf nationaler und internationaler Ebene verabschiedete sich die gebürtige Tirolerin aus dem Nationalkader Österreichs – unter anderem mit einem Weltmeistertitel.
Rott – Was für ein Abschiedsjahr aus Österreich: Nachdemdie 55-jährige Wahl-Lechrainerin von der Staatsmeisterschaft mit Gold im Einzel und Bronze im Mixed-Team an den Lech zurückkehrte, wurde sie im Juni Europameisterin (der KREISBOTE berichtete) und griff zum krönenden Abschluss noch einmal nach WM-Gold. Und wiederholte damit ihren Erfolg aus dem Jahr 2021 in Ungarn. Mission Titelverteidigung geglückt.
Die jüngste WM im 3D-Bogenschießen fand im österreichischen Moosburg statt. Heimspiel für Silvia Barckholt – bei bärenstarker Konkurrenz aus dem Breitensport. 900 Starter aus 18 Nationen gingen in die unterschiedlichen Parcours. „Im Gegensatz dazu dürfen bei den Titelkämpfen der World Archery Federation (WA) nur die besten drei Schützen pro Land an den Start gehen“, erklärt die Rotterin.
So waren in Moosburg nicht wenige Nationalkader fast komplett vertreten – auch der österreichische, dem die 55-Jährige von 2007 bis 2022 angehörte. „Das hat extrem viel Zeit und Geld gekostet“, erinnert sich die Medaillensammlerin aus Rott, die in allen Bogensportdisziplinen aktiv war. „Weltcup, EM, WM, Indoor und 3D – bis zu 18.000 Kilometer war ich zu Trainingslagern, Qualifikationsturnieren und Wettkämpfen gefahren und habe bis zu 70 Nächte pro Jahr im Wohnmobil verbracht.“ Die bittere Erkenntnis der über viele Jahre so erfolgreichen Sportlerin: „Egal, ob man einen Bewerb gewinnt oder verliert, man bekommt keine Siegerprämie und muss alles aus eigener Tasche finanzieren.“
Anstrengender Sport
3D ist eine sehr anspruchsvolle und anstrengende Art des Schießsports mit Pfeil und Bogen. Denn hier sind nicht Scheiben das Ziel, sondern dreidimensionale und lebensgroße Tierfiguren aus Kunststoff. Sie sind wie bei einer echten Jagd auf einem Wald-, Feld- und Wiesenparcours mehr oder weniger versteckt. Ähnlich einer Schnitzeljagd müssen die Schützen erst einmal Steinbock, Hase oder Fasan ausspähen und dann von einem vorgegebenen Punkt aus schießen. Auf den Tierattrappen sind drei „Kills“ genannte Wertungszonen eingeritzt, aber nicht farblich gekennzeichnet. Ein Treffer im innersten Ring bringt 11 Punkte, im nächsten Ring 10 und im äußersten Ring 8 Punkte. Wer am Ende des mehrstündigen Parcours die meisten Punkte erreicht hat, ist Sieger.
Bei den jüngsten „HDH-IAA 3D Archery World Championships“ wurde an drei Tagen die Qualifikation mit 28 Zielen und nur einem Pfeil geschossen. Am vierten Wettkampftag schossen die 63 Teams auf 14 Ziele, wobei sich die sechs besten Mannschaften und Einzelschützen fürs Finale qualifizierten. Die Vorsprungspunkte darf man ins Finale mitnehmen. Am fünften Tag werden nochmal sechs Ziele geschossen – „mit Moderation, Puplikum, Musik, Fotografen und allem, was noch zu einem Final gehört“, erzählt Barckholt. Auf der Schlosswiese mitten in Moosburg unterhalb der Burg fand das Finale mit sehr vielen Zuschauern statt. „Einfach ein tolles Event“, so die 55-Jährige, die sich von der Atmosphäre inspirieren ließ. Souverän, mit 90 Punkten Vorsprung bei insgesamt 751 Zählern, gewann Silvia Barckholt in der Klasse „Compound unlimited“ den Weltmeistertitel in der Altersklasse 55. Auf den Rängen 2 und 3 lieferten sich Heidelinde Jeitler (AUT) und Tiziana Crocioni (ITA) ein Kopf-an-Kopf-Rennen, das die Österreicherin mit einem Punkt mehr für sich entschied. Übrigens: In der Allgemeinen Klasse wäre Silvia Barckholt mit ihrem Ergebnis auf dem 4. Platz gelandet.
Für Deutschland
Die Tirolerin und Wahl-Rotterin ist im Bogensport eine „Spätberufene“. Als Jugendliche machte sie Judo bis zum Schwarzen Gürtel, sattelte dann um auf Ski-Abfahrtslauf und landete als Österreichische Landes- und Staatsmeisterin der Junioren im Nationalkader. Daneben studierte sie Veterinärmedizin in Wien und München bis zum ersten Staatsexamen. Hier entdeckte sie ihre Liebe zu Pferden und wurde Springreiterin. Nach einem Reitunfall war diese Episode zu Ende und sie ließ sich zur Pferdewirtin ausbilden. Daneben arbeitete sie als Fitnesstrainerin beim VfL Kaufering, wo sie ihren Mann kennen- und liebenlernte. Über ihn kam sie 2002 zum Bogenschießen. 2008 war Silvia Barckholt Gründungsmitglied der „Landsberger Bogenschützen“. Die Welt- und Europameistertitel 2021 und 2024 sind Höhepunkt ihrer Karriere, die sie noch nicht ganz beenden will.
Meine news
„Bogensport ist ein Gesundheitssport“, sagt die 55-Jährige, „es ist bestes Rückentraining für mich, deshalb werde ich auch weiterhin drei bis fünf Mal die Woche schießen und immer wieder Turniere bestreiten.“ Letzteres aber nicht mehr in Rot-Weiß-Rot, sondern in Schwarz-Rot-Gold. „Daher habe ich mich entschieden, dass ich in Zukunft in meiner Altersklasse für Deutschland schieße und wieder Spaß und Freude am Sport habe.“