Die Wählergruppe Fresh hat nach ihrem ersten Jahr im Moosburger Stadtrat kommunalpolitisches Blut geleckt. Nun will man auch im Landkreis und darüber hinaus aktiv werden.
Moosburg – Dass beim Moosburger Politik-Bündnis Fresh alles unkonventioneller abläuft als bei etablierten Parteien, ist seit der Gründung 2020 Teil der DNA. Weil man für die Kommunalpolitik explizit junge Leute rekrutieren will, die aber oft noch in einer Lebensphase mit wechselnden Wohnorten und Umbrüchen in Schule, Studium oder Beruf stecken, hatte man im ersten Wahlkampf versprochen: Die Sitze im Stadtrat werden im Laufe der Legislaturperiode mehrfach neu besetzt. Das sollte eine gewisse Flexibilität in Aussicht stellen und Hürden für ein politisches Engagement abbauen. Auch sollte es mehr Menschen ermöglichen, in der Kommunalpolitik mitzumischen. So kamen insgesamt sechs Personen in den Genuss der beiden Mandate: Thomas Wittmann, Julia Neumayr, Julian Grübl, Thomas Lohmaier, Benedict Arya Gruber und Michael Hobmaier.
Weil sich manche Fresh-Mitglieder inzwischen aus Moosburg verabschiedet haben, sich gleichzeitig aber auch junge Politikaffine aus anderen Orten für die überparteiliche Gruppe interessieren, hat die Führung des Vereins „FRESH – jung, bunt, aktiv“, so sein offizieller Titel, reagiert: Man firmiert nicht mehr als „Fresh Moosburg“, sondern als „Fresh Bayern“. „Das Konzept von Fresh könnte genauso gut in Gammelsdorf oder Nandlstadt funktionieren“, erklärt Stadtrat Benedict Arya Gruber den Gedankengang. Und warum gleich Bayern und nicht Landkreis Freising? „Das war ein bisschen willkürlich“, räumt Gruber ein. „Weil: Wo zieht man die Grenze? Falls mal ein Jugendlicher aus Lindau daherkommt und sagt: ,Cool, was ihr da gemacht habt! Können wir das hier auch aufziehen?‘, gibt es mit Fresh eine Blaupause für junge Wählergruppen und eine niederschwellige Möglichkeit für junge Leute, sich einzubringen.“
Wie er im FT-Interview außerdem bestätigt, möchte Fresh auch bei der Kommunalwahl 2026 wieder eine Moosburger Stadtratsliste aufstellen. Das ist allerdings noch nicht alles: „Ziel ist auch eine Kreistagsliste.“ Gruber selbst wird sich dann nicht mehr um ein Mandat im Landkreis bemühen, ihn hat es nach einem Wohnortwechsel zu den Münchner Grünen gezogen, wo er nun auf Listenplatz 22 für den Stadtrat der Landeshauptstadt kandidiert.
Wie Niklas Welser, Vorsitzender des Fresh-Vereins, sagt, „gehen wir fest davon aus, dass wir auch in den Kreistag kommen“. Voraussetzung seien genügend Unterzeichner einer Unterschriftenliste. Bei ihm hätten sich bereits potenzielle Kandidierende etwa aus Freising, Attaching oder Haag gemeldet. „Wir planen gerade auch eine Veranstaltung in Moosburg, um die nächste Generation für Fresh zu gewinnen.“ Laut Welser fühlt sich aber auch das eine oder andere Fresh-Mitglied, das bereits im Stadtrat saß, noch jung genug, um erneut zu kandidieren. Man werde die Listen auch deshalb sehr spät aufstellen, „weil wir den anderen Parteien keine Kandidaten wegnehmen wollen“.
Niklas Welser, Langenbacher und Softwareentwickler in Ausbildung, tritt wie berichtet als Fresh-Vertreter auf der Liste der Grünen in seinem Heimatort an. „Das hat sich so angeboten, auch wenn ich kein Parteimitglied bin“, sagt der 20-Jährige. Eine Frage lässt er hingegen weiter offen: ob er nun auch als Bürgermeister kandidiert, oder nicht. Bislang gibt es parteiübergreifend keinen Anwärter für die Nachfolge von Susanne Hoyer, die Landrätin werden will. „Wenn sich niemand findet, oder es einen Kandidaten gibt, mit dem ich mich überhaupt nicht anfreunden kann, würde ich‘s wahrscheinlich machen“, sagt Welser. „Aber eigentlich würde ich gern erst mal eine Periode politische Arbeit im Gremium machen.“