Hohe Kosten und Auflagen blockieren weiterhin eine barrierefreie WC-Lösung auf dem Stadtfriedhof – trotz langer Diskussionen im Stadtrat.
Dachau – Die Stadträte diskutieren nun schon so lange über die Einrichtung einer barrierefreien Toilette auf dem Stadtfriedhof oder dessen Altstadt-Umfeld, dass ihnen zuletzt schon gar nicht mehr erinnerlich war, welche Standorte sie dafür nun schon geprüft und welche Umsetzungsmöglichkeiten sie besprochen hatten.
Das einzige, was ihnen am Mittwoch, als das Thema wieder einmal auf dem Tisch des Haupt- und Finanzausschusses landete, sicher einfiel: Das Thema ist komplex. Genauer gesagt sogar so komplex, dass es so gut wie unmöglich ist, eine bezahlbare und praktikable Lösung zu finden, die sowohl die Bedürfnisse der Bürger als auch die der städtischen Kämmerei, des Bauamts und der Unteren Denkmalschutzbehörde befriedigt. Jürgen Seidl (FDP), der gemeinsam mit den Stadträten der ÜB das Thema einer barrierefreien Toilette am Stadtfriedhof vor zwei Jahren angestoßen hatte, meinte denn auch enttäuscht: „Die Situation ist unbefriedigend.“
Modulbauweise als Lösung
Tatsächlich ist es nämlich so, dass die ursprünglich angedachte Lösung – eine Anlage bestehend aus einem Behinderten-WC, einer entsprechenden Rampe, einem höhenverstellbaren Waschbecken sowie einer in einem Nebenraum untergebrachten Unisex-Toilette in die Aussegnungshalle des Stadtfriedhofs zu bauen – mit geschätzten Kosten von rund 230 000 Euro schlicht nicht finanzierbar ist.
Die Alternative, die dann vor gut einem Jahr ins Spiel kam, war eine Toilettenanlage in Container- beziehungsweise Modulbauweise. Dieses WC, zirka fünf Mal drei Meter groß, wäre mit Kosten zwischen 10 000 und 14 000 Euro wesentlich günstiger. Das Problem: Ein Container ist erstens nicht so hübsch und zweitens etwas sperrig. Die zwei Standorte, die Stadträte und Verwaltung als geeignet für eine derartige Bauweise gehalten hatten, mussten daher erst einmal eingehend untersucht werden.
Ergebnis: Nein, beide Standorte gehen nicht. Wie OB Florian Hartmann den Stadträten nämlich am Mittwoch erklärte, müssten sowohl die angedachte Örtlichkeit direkt vor dem Stadtfriedhof, am Rondell neben dem Parkhaus an der Gottesackerstraße, als auch eine kleine Fläche auf Höhe der Pfarrstraße 15 aus denkmalrechtlicher Sicht ausgeschlossen werden.
Zwei Standorte, viele Bedenken
An der Pfarrstraße 15 würde „der dauerhafte installierte Container massiv das Erscheinungsbild des denkmalgeschützten Altstadtensembles in dem Bereich beeinträchtigen“, wie die Stadtverwaltung schreibt. Weitere Ausschlusskriterien: dass „eventuell ein Baum gefällt werden“ und eine barrierefreie Wegeanbindung an den barrierefreien Toilettencontainer erst geschaffen werden müsste.
Am Rondell ist der Knackpunkt laut Stadt vor allem der, dass der Toilettencontainer „bezüglich seiner Materialität (Stahl) als auch bezüglich seiner äußeren Gestalt mit dem rechteckigen Kubus als Fremdkörper wirkt und den Straßenraum der Gottesackerstraße stört“. Eine Erlaubnis für die barrierefreie Toilette an der Stelle könne von der Denkmalschutzbehörde daher „nicht in Aussicht gestellt werden“.
Die Stadträte aber gaben nicht auf: „Es muss doch da irgendwo was geben“, fand Martin Modlinger von den Grünen. Und fragte: „Was hat nochmal gegen die Altstadt-Parkgarage gesprochen?“ Doch Florian Scherf von der Kämmerei half Modlingers Erinnerung auf die Sprünge: Die Stadtwerke als Betreiber der Garage hätten es abgelehnt, den technisch und finanziell aufwendigen Einbau einer Toilette in die Garage zu finanzieren.
Stadt und Stadträte wollen Hoffnung nicht aufgeben
Auch Elisabeth Zimmermann (CSU) bekam von Scherf auf ihre Frage hin, ob man die bestehende Toilette auf dem Friedhof nicht einfach durch eine barrierefreie ersetzen könnte, die schon mehrfach gegebene Antwort: Direkt vor der Toilette sei eine Stufe und das Gelände drumherum abfallend: „Das bringt an der Stelle nix“, so Scherf.
Was also tun? Stadtrat Seidl bat darum, „die Sache nicht in der Schublade verschwinden zu lassen“. Stadtrats-Seniorenreferentin Zimmermann fand es ebenfalls „echt schade, dass wir in der Altstadt keine Behindertentoilette hinkriegen“. Ihre Hoffnung: „Dass uns vielleicht doch noch was einfällt!“ OB Hartmann versprach daher, weiter überlegen zu wollen.