Die Stadtwerke investieren massiv in Hallenbad und Energiewende. Kredite von über 31 Millionen Euro sind nötig. Der Schuldenstand steigt auf 75 Millionen Euro.
Dachau – Die Stadtwerke Dachau, 100-prozentige Tochtergesellschaft der Stadt, stehen vor herausfordernden Zeiten. Dennoch, so betonte Stadtwerke-Chef Robert Haimerl zuletzt im Werkausschuss des Stadtrats, würde sein Unternehmen vernünftig wirtschaften und auch im kommenden Jahr ein „insgesamt solides Ergebnis“ einfahren. Wenn alles nach seinem Wirtschaftsplan läuft, wird das Jahr 2026 mit einem Plus von 669 000 Euro enden.
Dieses positive Ergebnis ist aber nur möglich dank einer massiven Kreditaufnahme. Die „Energiewende und der Weiterbau des Hallenbads“ sowie „umfangreiche Investitionen im Stromnetz sowie Wärmeerzeugung und Wärmeverteilung“ kosten viel Geld. Zu den rund 47 Millionen Euro Schulden, die das Unternehmen heute schon hat, sollen weitere 31,7 Millionen Euro folgen. Der Zinsaufwand erhöht sich laut Haimerl dadurch deutlich von 1,18 auf 1,7 Millionen Euro pro Jahr, die jährliche Tilgung liegt außerdem bei 3,6 Millionen Euro. Die Handlungsfähigkeit seines Unternehmens sieht Haimerl dadurch nicht gefährdet, im Gegenteil: Die Finanzlage der Stadtwerke „im Ist-Zustand ist mit einer Eigenkapitalquote von 45 Prozent grundsätzlich als gut zu beurteilen“.
Über 11 Millionen Euro allein fürs neue Hallenbad
Haimerl rechnete auch vor, wohin das Geld im kommenden Jahr fließen wird: 3,35 Millionen Euro gehen in den Ausbau der Kläranlage, 11,1 Millionen Euro müssen im kommenden Jahr für das neue Hallenbad bezahlt werden. Neue Busse für den Verkehrsbetrieb werden weitere 2 Millionen Euro kosten. Zudem stehen auf der Investitionsliste: 2 Millionen Euro für den Smart-Meter-Rollout, sprich intelligente Messsysteme für die Energiewende, 2,5 Millionen Euro für die Aufsuchung von Erdwärme, 2 Millionen Euro für den Bau der Heizzentrale in Dachau-Ost sowie 1 weitere Million Euro für das MD-Gelände.
Großer Unsicherheitsfaktor in Haimerls Plan ist der ÖPNV. „Steigende Personalkosten belasten den Verkehrsbetrieb erheblich“, so der Werkleiter. Nach wie vor sei auch die dauerhafte Finanzierung des Deutschlandtickets ungeklärt, was Auswirkungen auf die Einnahmenaufteilung mit dem MVV habe. Immerhin: Mit der Zusammenlegung der Linien 717 und 718 sei „ein erster Schritt zur Kostensenkung umgesetzt“ worden.
Strom und Gas sind die Gewinnbringer
Gutes Geld verdienen wollen die Stadtwerke dagegen mit der Strom- und Gasversorgung sowie der Abwasserentsorgung. Gerade beim Strom gibt sich Haimerl überraschend optimistisch: Auch wenn die Bürger ihren Stromanbieter frei wählen dürfen und es durchaus günstigere Anbieter als die Stadtwerke gibt, rechnet er in 2026 mit einem Erlös von 1,64 Millionen Euro.
Die Stadträte honorierten dies mit einem klaren Votum: Mit 11 zu 4 Stimmen wurde Haimerls Plan gebilligt. Die vier Kritiker, namentlich die drei CSU-Stadträte Norbert Winter, Günter Dietz und Gertrud Schmidt-Podolsky sowie Markus Erhorn von den Freien Wählern Dachau, aber wollten zumindest zu Protokoll gegeben haben, dass sie dieser massiven Kreditaufnahme nicht zustimmen. Weit über 70 Millionen Euro Schulden – CSU-Mann Norbert Winter war nicht der Einzige in der Runde, der sich fragte: „Wo willst du das je wieder reinholen?“