Steinzeitdorf Pestenacker: Nagt der Biber am Weltkulturerbe?

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So wie dieser Nachbau könnten die Pfahlbauten im Steinzeitdorf Pestenacker ausgesehen haben. Die historischen Original-Funde befinden sich allerdings alle unter der Erde. © IRLEN_STEPHANIE_KREISHEIMATPFLEG

Weil/Pestenacker - Biber sind geschützt. Aufgrund ihres Holzhungers machen sie sich aber regelmäßig unbeliebt. Mindestens einer der Nager hat sich den Loosbach als Revier ausgesucht: ein Gewässer, das mitten durch das Steinzeitdorf Pestenacker fließt – und das als prähistorischer Pfahlbau seit 2011 UNESCO-Welterbe ist. Sind die historischen Pfahlbauten im Boden von den Biberzähnen bedroht?

„Es ist verboten, dem Biber nachzustellen, ihn zu fangen, zu verletzen oder zu töten“, ist im Bundesnaturschutzgesetz verankert. „Aber hier geht es ja um ein Welterbe“, sagt Annette Fischer, Schriftführerin des Fördervereins Prähistorische Siedlung Pestenacker hörbar besorgt. In der Pressemitteilung zur Jahreshauptversammlung des Fördervereins war zu lesen, dass sich ein Biber in der Nähe des Weltkulturerbes angesiedelt habe. Man befürchte, dass er die im Boden steckenden historischen Reste der Pfahlbauten beschädige.

Lieber was Frisches

„Ich mache mir überhaupt keine Sorgen, die Biber könnten Jahrtausende alte Holzteile im Boden anknabbern“, gibt Stephan Wenning, Biberexperte von der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt, Entwarnung. Biber bevorzugten frisches Holz sowie Knospen und Triebe. Eine Gefahr sieht Wenning allerdings durch den ‚Grabeifer‘ des Tieres: „Wenn die Stellen im Boden rund um die historischen Funde trockengelegt werden, könnte Sauerstoff an die Holzteile gelangen und der Abbauprozess würde beschleunigt.“

Der Biber im Loosbach ist nicht neu. Schon 2019 wurden beim damaligen Niedrigwasser die Eingänge zu den Biberhöhlen sichtbar, informiert Archäologin Lejla Hasukic vom Landratsamt, Leiterin des Steinzeitdorfes Pestenacker. Damals habe man Dämme entfernt, Biberrutschen verfüllt. Zudem wurden „Steinschlagschutznetze mit einer Maschenweite von 50 Millimetern auf der Sohle und an der Uferböschung des Loosbaches installiert“, so Hasukic – eine Entscheidung, die mit der Denkmalpflege, Unterer Naturschutzbehörde, mit Weils Bürgermeister Christian Bolz und auch dem Bibermanager des BUND Naturschutzes getroffen wurde.

Ein Biber in der Schwalm. Nahe Niederurff sind seine Auswirkungen auf die Landschaft zu sehen. Archi
Durch den Bau seiner Tunnel und Höhlen könnte der Biber dem Boden Wasser entziehen - und die historischen Bodenfunde austrocknen. © Mike Lauer/nh

Die Kosten dafür trägt indessen die Gemeinde Weil: Rund 2.600 Euro für Material seien für die bisher verbauten 400 Meter Schutznetz angefallen, informiert Bolz, plus zwei Tage mit zwei Arbeitskräften und Maschineneinsatz. Außerdem seien die Bauhofmitarbeiter der Gemeinde oft am Loosbach unterwegs, um den Schutzzaun zu überprüfen.

Bei einer dieser Kontrollen im Herbst letzten Jahres habe sich gezeigt, dass die Netze erneuert werden müssen, informiert Archäologin Hasukic. Beschlossen sei die Erneuerung des Schutznetz schon – und auch eine Erweiterung des Netzes auf das Nachbardorf Unfriedshausen.

Aber könnte man den Biber nicht abfangen und umsetzen? „Nicht möglich“, sagt Wenning. Momentan gebe es keine freien Reviere zur Umsiedlung. Und auch, wenn man den Biber entnehmen würde, sei das keine Lösung: Das Revier werde sofort von einem Jungtier neu besetzt. „Technischer Schutz ist daher die einzige Möglichkeit.“

Biber als Schutz?

Der Biber sorge immerhin dafür, dass der Boden im Welterbebereich feucht bleibe, so Hasukic – und erhalte damit die „Jahrtausende alten Hölzer“. Viele andere Pfahlbauten im Alpenbereich hätten mit der Austrocknung des Bodens schwer zu kämpfen.

Und schließlich, so Hasukic, gestalte der Biber mit seinen ‚Bauarbeiten‘ laut BUND Naturschutz auch die Landschaft und sorge so auch dafür, dass Hochwasserereignisse „verlangsamt werden“. Und nicht zuletzt „binden Biberlebensräume mehr Kohlendioxid.“

Wann das Netz repariert und erweitert wird, steht noch nicht fest. Ein Angebot einer Firma aus dem Landkreis liegt der Gemeinde Weil aber bereits seit Ende 2023 vor.

Im Steinzeitdorf finden auch regelmäßig besondere Veranstaltungen statt - wie beispielsweise der Versuch, Bier unter Steinzeitbedingungen zu brauen.

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