Seit 150 Jahren ist sie der Inbegriff für Sicherheit. Gebe es die Freiwilligen der Mittenwalder Feuerwehr nicht, würde Mittenwald vermutlich gar nicht mehr existieren. Diese Woche wird das Jubiläum groß gefeiert.
Mittenwald – Etwas skeptisch schaut Hans Schober auf den schwarzen Apparat in seiner Hand. „Was hast denn da für ein Kastle?“, fragt das Mittenwalder Original im Wohnzimmer seinen Enkel, der ihm das Gerät stolz präsentiert. „Das sind die neuen Piepser. Mit denen werden wir jetzt immer alarmiert.“ Schober muss lachen. Zu seiner Zeit als junger Feuerwehrmann – von 1990 bis 2002 war er Kommandant der Mittenwalder Wehr – gab es noch andere Methoden.
Eine große Sirene benachrichtigte lautstark alle Einsatzkräfte, wenn es im Ort brannte. Wie mehrmals am Ober- oder Untermarkt. Und natürlich 1947 bei der Feuersbrunst an der Ostflanke der Arnspitze. Mittenwald aber auch die umliegenden Dörfer würde es ohne die ehrenamtlichen Brandbekämpfer gar nicht mehr geben.
Nun feiert die Freiwillige Feuerwehr dort diese Woche ihr 150-jähriges Bestehen. Kommandant Karl Seitz, Feuerwehrverein-Vorsitzender Josef Witting junior und eine ganze Armada an weiteren Ehrenamtlichen arbeiten seit vielen Monaten einen reibungslosen Ablauf aus. Die Tombola ist gigantisch, das Rahmenprogramm vielfältig, das Festzelt am Bahnhof steht bereits.
Doch bis die Feuerwehr in Mittenwald zu einer unverzichtbaren Größe heranwuchs, war es ein langer Weg. Zum ersten Mal wird das Thema Brandbekämpfung anno 1482 erwähnt, wie aus der Ortschronik hervorgeht. Damals wütete ein großer Brand im Dorf. Wo genau, ist nicht überliefert. Aus Urkunden des Pilgerhauses liest man jedoch heraus, dass das Feuer in der Nähe der damaligen Pfarrkirche ausgebrochen sein dürfte. „Richter und Rat“ aus Mittenwald fordern daraufhin Unterstützung von Bischof Sixtus.
Unzählige weitere Brände folgen, ehe 1870 zum ersten Mal eine feste Hilfstruppe im Ort etabliert werden sollte. Rund 30 Freiwillige kommen zusammen, um diese ins Leben zu rufen. Diese gute Absicht scheitert jedoch aufgrund des Ausbruchs des deutsch-französischen Krieges 1870. Erst am 7. Juni 1874 versammeln sich die heimgekehrten Soldaten im Hotel Post erneut. Um 13 Uhr tragen sich rund 100 Bürger in die Liste an die Magistratskanzlei ein. Die Freiwillige Feuerwehr ist offiziell gegründet. Hafnermeister Johann Eberth ist der Gründungshauptmann. Er kauft die erste Saug- und Druckspritze von Carl Spannagl aus Landsberg für 1000 Gulden. 1875 fertigen die Armen Schulschwestern in Mittenwald die erste Standarte für elf Gulden und 18 Kreuzer. Sie ist bis heute erhalten geblieben.
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Die größten Einsätze in den 150 Jahren sind die Brände in der alten Neunersäge 1885 und 1887. 1914 wird die westliche Seite des Untermarkts ein Raub der Flammen. 1945, ausgerechnet im letzten Kriegsjahr, vernichtet ein Feuer den südlichen Teil des Obermarkts, ein Jahr darauf brennen die nördlichen Häuser ab. Mehrmals steht auch Schloss Elmau in Flammen, 1957 und zuletzt 2005. 1947 ist der bis dato umfassendste Einsatz zu bewältigen. Über Wochen hinweg brennt’s an der Ostflanke der Arnspitze. „Wir arbeiteten mit nichts“, erinnerte sich einmal Ludwig Fürruder, der 2022 im Alter von 95 Jahren starb. Der „Luggi“ bleibt als Kommandant von 1959 bis 1979 unvergessen. Bis heute ist die Ursache der Arnspitz-Tragödie ungeklärt. Sie wird wohl für immer ein Mysterium bleiben.
Das alles bleibt unteilbar mit der Feuerwehr Mittenwald verbunden, die ab morgen 150. Gründungsfest feiert. Und Kommandant Seitz und Co. haben sich einiges einfallen lassen. Egal ob Gaudiwettkampf im Festzelt, eine historische Löschübung im Gries oder der obligatorische Festzug – es wird kurzweilig und standesgemäß.
Das Festprogramm
Das 150-jährige Jubiläum wird gebührend gefeiert. Die Festlichkeiten beginnen am Mittwoch, 29 .Mai, mit einem Auftritt der Partyband Deerisch aus dem Isartal. Beginn ist um 20 Uhr, Karten gibt es an der Abendkasse. Wenn das Wetter passt, werden Bergfeuer entzündet am Karwendel.
Der Donnerstag, 30. Mai, beginnt ab 11 Uhr mit einem Frühschoppen samt musikalischer Umrahmung der Dammkar-Musi im Festzelt. Um 15 Uhr startet der Feuerwehr-Wettkampf für Jedermann: Mannschaften mit jeweils vier Personen (je 50 Euro Startgeld). Es müssen Schläuche aufgerollt, Spinning-Rad gefahren und viele weitere heitere Aufgaben bewältigt werden. Die Preise für die Siegertruppen können sich sehen lassen: Die Erstplatzierten dürfen sich auf einen Törggele-Abend in Südtirol samt Übernachtung, Bewirtung und Frühstück inklusive freuen. Platz zwei wird zum Heißen-Stein-Essen im Berggasthaus Wildensee eingeladen. Platz drei erhält Essen und Trinken im Mittenwalder Wirtshaus Römerschanz. Alle andere Platzierten bekommen das Startgeld als Gutschein für das Festzelt ausgehändigt. Anmeldungen werden bis Donnerstag, 30. Mai, unter wettkampf@feuerwehr-mittenwald.de entgegengenommen.
Am Freitag, 31. Mai, dürfen sich Betriebe, Stammtische oder Freunde auf den Tag der Betriebe im Festzelt freuen. Anmeldungen werden unter hornsteiner-mittenwald@t-online.de oder telefonisch unter 0175/5195742 entgegengenommen. Beginn ist um 19 Uhr, es spielen die Isarwinkler Spitzbuam auf. Zuvor veranstalten die Feuerwehr-Kameraden um 17 Uhr eine Historische Löschübung im Ortsteil Gries. Dann werden teils uralte Löschgeräte den Zusehern vorgeführt.
Der Kreisfeuerwehrtag am Samstag, 1. Juni, bietet Ausstellungen und Vorführungen rund ums Festzelt am Bahnhof ab 10 Uhr. Am Abend spielen ab 20 Uhr die Hallgrafer Musikanten zum Tanz auf.
Höhepunkt wird der Sonntag, 2. Juni. Um 8.45 Uhr zieht der Kirchenzug durch den Ort, ehe um 9.30 Uhr ein Festgottesdienst im Kurpark Puit zelebriert wird. Um 11 Uhr verläuft der große Festumzug durch Mittenwald. Im Festzelt am Bahnhof gibt’s anschließend Festreden. Musikalisch unterhalten nach den Festlichkeiten die beiden Musikkapellen aus Mittenwald und Krün. Um 16.30 Uhr findet die Auslosung der großen Tombola statt, die mit einem Gesamtwert im mittleren fünfstelligen Eurobereich lockt, ehe ab 17 Uhr die Viererspitz Buam zum Tanz aufspielen.
Am Donnerstag, Samstag und Sonntag hat die Mittenwalder Feuerwehr ein großes Kinderprogramm organisiert samt Hüpfburg, Spritzwand und vieles mehr.
Weitere Infos unter www.feuerwehr-mittenwald.de/150-jahre-jubilaumsfeier/festprogramm/
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