Trockenheit im Landkreis Starnberg: Wenn der Regen ausbleibt

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Anhaltende Trockenheit setzt den Wäldern zu. Das Forstrevier der Bayerischen Staatsforsten Erling unter der Leitung von Ruth Haag setzt daher auf einen aktiven Waldumbau hin zu klimastabilen Mischwäldern. © Andrea Jaksch

Das Frühjahr war erneut zu trocken. Das macht sich auch im Landkreis Starnberg bemerkbar: Eichhörnchen fallen erschöpft von Bäumen, Wälder leiden unter Trockenstress.

Der Pegelstand des Starnberger Sees ist laut dem Niedrigwasser-Informationsdienst Bayern „sehr niedrig“, die Natur ächzt unter zu wenig Regen: Das hydrologische Winterhalbjahr – das von November bis einschließlich April reicht – ist laut dem Niedrigwasser-Lagebericht Bayern vom Bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU) im Freistaat deutlich zu trocken ausgefallen. Hinzu kommt: Der März war der wärmste in Europa seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. All das hinterlässt auch im Landkreis Starnberg Spuren – sowohl in der Tierwelt als auch in den heimischen Wäldern.

Abgesehen vom zu nassen Januar waren alle anderen Wintermonate zu trocken – mit spürbaren Folgen für die Natur. Sabine Schödl, Vorsitzende der Eichhörnchen-Station in Gilching, berichtet, dass im Frühjahr deutlich mehr Tiere aufgenommen wurden als gewöhnlich. Wegen der Trockenheit könnten die Eichhörnchen „nicht mal Wasser von Blättern an Bäumen schlecken“, sagt Schödl im Gespräch mit dem Starnberger Merkur.

Zu wenig Regen: Eichhörnchen fallen dehydriert von Bäumen

Besonders betroffen seien Muttertiere, die viel Flüssigkeit benötigen, um ihre Jungen mit Milch zu versorgen. Dauert die Wassersuche zu lange, „kommen die Jungtiere vor lauter Durst aus ihren Nestern raus“, erklärt Schödl. Die Kleinen seien häufig dehydriert, stürzen entkräftet von Ästen herab auf den Boden. Werden sie gefunden, entscheidet der Zustand darüber, ob sie zur Mutter zurückgebracht werden oder sie in die Auffangstation in Gilching kommen. Man müsse die Jungen dort tagelang aufpäppeln, sagt Schödl. Und: „Dieses Frühjahr ist es auffällig, dass wir ganz wenige Rückführungen haben im Vergleich zu sonst in der Jahreszeit.“ Derzeit versorgt die Station circa 30 Eichhörnchen.

Auch würden viele Eichhörnchen verunfallen, etwa in Regentonnen, Gießkannen oder auch in Friedhofsbrunnen ertrinken. „Das ließe sich vermeiden, wenn man die Öffnungen verschließen würde“, betont Schödl. Beispielsweise indem ein Blumenkübel auf die Öffnung der Gießkanne oder in Regentonnen und Friedhofsbrunnen ein Stück Holz gelegt wird, damit die Tiere wieder aus dem Wasser klettern können. Andernfalls hätten die Eichhörnchen keine Chance.

Wer ein hilfsbedürftiges Eichhörnchen findet, solle sich direkt an eine Eichhörnchen-Notrufstelle wenden, sagt Schödl. Sie warnt davor, die Tiere selbst zu versorgen, denn: „Wenn sie auf einmal zu viel Flüssigkeit kriegen, kriegen sie Kreislaufprobleme“.

Trockenstress in Wäldern: „Die Situation ist sehr angespannt“

Auch Wälder leiden unter der zunehmenden Trockenheit. Jan Borsdorf ist seit September 2023 als Revierleiter für das Forstrevier Starnberg zuständig. „Die Situation ist sehr angespannt“, sagt er. Angespannt sei die Situation vor allem für die Fichten. „Fichten haben sehr flache Wurzeln und kommen daher nicht an tiefe Wasserspeicher“, erklärt Borsdorf. Das mache die Bäume besonders anfällig für Schädlinge wie Borkenkäfer.

Das sagt auch Ruth Haag, seit Mitte April Leiterin des Forstreviers Erling der Bayerischen Staatsforsten, im Gespräch mit dem Starnberger Merkur: „Wenn Fichten wenig Wasser haben, haben die Borkenkäfer leichtes Spiel.“ Befallene Bäume müssten gefällt werden, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern, erklärt Haag.

Wälder werden zu klimastabilen Mischwäldern umgebaut

Der Regen Anfang Mai sei sehr wichtig gewesen, sagt Borsdorf, aber das Defizit aus den Vormonaten sei schon so groß, dass man den Niederschlag nicht merke. „Wenn es so wenig regnet, kommt zu wenig Wasser auf dem Boden an, weil es in den Blättern hängen bleibt“, erklärt Starnbergs Revierleiter und fügt hinzu: „Es ist der trockenste April überhaupt.“

Anhaltende Trockenheit hat auch Folgen für Flora und Fauna. Tiere verlieren an Lebensraum und Nahrungsquellen. Und: „Blühpflanzen entwickeln weniger Blüten, wodurch Bestäuber wie Wildbienen und Schmetterlinge beeinträchtigt werden,“ sagt Haag. „Jeder Regentropfen ist im Moment bei uns Gold wert.“

Das Forstrevier Erling und das Forstrevier Starnberg setzten seit vielen Jahren schon auf einen aktiven Waldumbau hin zu klimastabilen Mischwäldern. Haag: „Durch die Anpflanzung verschiedener Baumarten wie Tanne, Eiche und auch Besonderheiten wie die trockenheitstolerante Elsbeere werden die Wälder Zug um Zug breiter aufgestellt“ – so könnten die Wälder künftig besser mit Trockenphasen umgehen.

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