Kreisbrandrat Helmut Schweickart und Kreisbrandmeister Thomas Schade: „Unwissenheit ist ein großes Risiko“

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Wissen um die Wichtigkeit von Öffentlichkeitsarbeit: Kreisbrandrat Helmut Schweickart (r.) und Kreisbrandmeister Thomas Schade mit dem Kommandowagen der Kreisbrandinspektion Starnberg vor dem Landratsamt. © Andrea Jaksch

Brände, Unfälle, Hilfeleistungen: Wer im Landkreis irgendwo Hilfe benötigt, kann auf den Einsatz von rund 1850 ehrenamtlichen Kräften aus 43 freiwilligen Feuerwehren zählen. Oft berichtet die Heimatzeitung über die Einsätze, aber auch über vieles andere aus dem Feuerwehralltag. Die Öffentlichkeit über die lokalen Medien zu informieren, ist der Kreisbandinspektion wichtig, um Gerüchten zuvorzukommen und Fehlinformationen zu vermeiden.

„Was ist da passiert?“ Diese Frage schießt vielen Menschen automatisch durch den Kopf, wenn sie Einsatzfahrzeuge, zumal der Feuerwehr, mit Blaulicht und Martinshorn auf der Straße sehen. Ist irgendwo nur Essen angebrannt, handelt es sich um einen Fehlalarm? Oder sind irgendwo Menschen in Not, gefährliche Stoffe ausgetreten oder andere Katastrophen passiert? „Das interessiert jeden“, sagt Kreisbrandrat Helmut Schweickart im Gespräch mit dem Starnberger Merkur zum Tag des Lokaljournalismus am heutigen Donnerstag. „Und ich kann dieses Interesse vollkommen nachvollziehen.“ Die Information der Bevölkerung sei äußerst wichtig, betont Schweickart. Deswegen berichten zahlreiche Feuerwehren auf ihren Internetseiten und über ihre Social-Media-Auftritte von Einsätzen, aber auch und vor allem im Zusammenspiel mit den Lokalzeitungen.

Öffentlichkeitsarbeit wird immer wichtiger

Faktentreue und Präzision seien dabei von ungeheurer Bedeutung. „Die konkrete Information ist immer besser, als wenn sich die Menschen etwas zusammenreimen“, betont der Kreisbrandrat und schiebt gleich nach: „Unwissenheit ist ein großes Risiko.“ Das könne gerade bei großen Einsatzlagen Folgen haben, wie zum Beispiel dem Amoklauf am Olympia-Einkaufszentrum in München im Jahr 2016 oder dem Terroranschlag am 13. Februar 2025, als ein Auto in München in einen Verdi-Demonstrationszug fuhr. Verlässliche Informationen seien das A und O. „Ansonsten wird es schwierig, wenn Menschen irgendwelche Sachen hereininterpretieren“, sagt Schweickart und schiebt nach: „Die klassische Ratscherei hat früher am Stammtisch stattgefunden und tut es jetzt in den sozialen Medien.“ Vor allem auf die Lokalzeitungen wie den Starnberger Merkur sei in diesen Fällen Verlass, wenn diese ihre Informationen aus erster Hand hätten.

Die Kreisbrandinspektion sei sich bewusst, dass Öffentlichkeitsarbeit und die Information bei Einsätzen im Vergleich zu früher umfangreicher geworden seien. Mit Thomas Schade aus Berg, der durch ein sogenanntes Presseteam unterstützt wird, gibt es in der Inspektion jemanden, der sich federführend um Presseanfragen kümmert, vor allem bei größeren Einsätzen wie dem Wohnhausbrand in Leutstetten Anfang 2024 oder einem tödlichen Verkehrsunfall zwischen Berg und Kempfenhausen im selben Jahr.

Entscheidende Frage: Welche Info ist wahr?

Auch die Kommandanten der einzelnen Feuerwehren, deren Stellvertreter und Einsatzleiter sind für Lokaljournalisten wichtige Ansprechpartner. Schweickart weiß, dass die Berichterstattung in den lokalen Medien für viele Menschen viel Gewicht hat. Umso wichtiger sei es, die richtigen Informationen zu erhalten und an den richtigen Stellen nachzufragen. „Informationen bekommt man heutzutage überall, aber die Frage ist: Was ist wahr?“

Darüber hinaus sei den Feuerwehrleuten in der Lokalzeitung auch die Darstellung ihrer Arbeit wichtig, sagt Schweickart. Schließlich würden die Einsatzkräfte alles in ihrer Freizeit erledigen. „Ja, wir sind stolz auf unsere erfolgreichen Einsätze“, betont der Kreisbrandrat. Von daher freue es die Kameraden, wenn die Leistungen durch Berichterstattungen in der Heimatzeitung auch öffentlich gewürdigt würden. „Wir stehen nachts auf oder stürmen tagsüber von der Arbeit weg, da möchten wir auch wahrgenommen werden“, ergänzt Thomas Schade. „Wir wollen den Bürgern zeigen, was wir leisten.“ Zudem sei es wichtig zu dokumentieren, wofür die teils sehr teure Ausrüstung benötigt werde. „Es ist wichtig, dass die Gemeindeverwaltungen und Gemeinderäte das wahrnehmen.“

Darüber hinaus gebe es natürlich auch ein großes Interesse der Feuerwehren untereinander, was sich wo getan hat, sagt Schweickart. Und nicht zu vergessen: „Die Berichterstattungen ermöglichen es auch immer, den einen oder anderen Hinweis an die Bevölkerung zu transportieren.“ Als Beispiele nennt der Kreisbrandrat Hinweise zum richtigen Verhalten im Freien bei anhaltender Trockenheit oder zum gefahrlosen Umgang mit Akkus. Auch das leiste in dieser Form und Kontinuität nur die Heimatzeitung.

Darum wird manches zurückgehalten

Dabei sieht der Kreisbrandrat die Feuerwehren aber auch immer etwas im Zwiespalt. „Wir müssen wissen, was wir sagen dürfen“, sagt er und erläutert damit auch, warum sich die Feuerwehren hier und da bewusst mit Informationen zurückhalten. Aussagen zu Schadenshöhen oder Ursachen für Brände oder Verkehrsunfälle etwa obliegen der Polizei. Auch bei der Veröffentlichung von Fotos gelten Regeln. Dass keine Autokennzeichen, Werbeschriftzüge und dergleichen gezeigt, sondern unkenntlich gemacht werden müssen, versteht sich von selbst.

Auch der Faktor Zeit kann in dem Zusammenhang eine Rolle spielen. Wenn es beispielsweise zu einem Verkehrsunfall mit schwer oder gar tödlich verletzten Personen gekommen ist, wird in Absprache zwischen Einsatzkräften und Lokaljournalisten schon mal die Veröffentlichung von Fotos zurückgehalten, bis Angehörige aus erster Hand informiert sind. „Gerade bei schwierigen Fällen habe ich das Gefühl, dass die lokale Presse behutsamer vorgeht“, sagt Schade.

Berichte helfen bei Mitgliederwerbung

Trotz der vielen sozialen Medien sieht die Feuerwehr die gedruckte Zeitung und deren Internetauftritt nach wie vor als unverzichtbar an. Die Kreisbrandinspektion beispielsweise habe 1330 Follower bei Instagram, erklärt Sprecher Thomas Schade. „Über die Printmedien erreichen wir mehr Menschen.“ Und nicht zu vergessen: Die Außendarstellung ist auch immer dazu geeignet, Nachwuchs und Verstärkung zu gewinnen. „Für die Bevölkerung ist die Verfügbarkeit der Feuerwehr keine Frage. Wenn sie die 112 wählen, nimmt jemand ab“, sagt Thomas Schade. Dabei seien es fast immer Ehrenamtliche, die den Menschen helfen würden.

„Ich glaube, wir würden ein brutales Problem mit den Mitgliederzahlen bekommen, wenn wir nicht so oft in den Zeitungen vorkommen würden.“ Diese ehrenamtliche Tätigkeit solle eben die Wertschätzung der lokalen Presse erfahren, sagt Schweickart. Gleiches gelte selbstverständlich auch für die ehrenamtlichen Kräfte anderer Rettungsorganisationen wie BRK, Wasserwacht, DLRG oder THW.

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