Trump wittert bei Venezuela-Öl seine Chance – und vergisst dabei das Risiko

US-Präsident Donald Trump hat nach dem Militäreinsatz in Venezuela keinen Hehl daraus gemacht, was mindestens ein positiver Nebeneffekt der Mission sein soll: der Zugriff auf venezolanisches Öl.

Während der sogenannte Fracking-Boom es den USA ermöglicht hat, auf eigene Erdöl- und Gasreserven zurückzugreifen, sind sie bislang weniger auf Ölimporte angewiesen als in der Vergangenheit. Allerdings ist dieses Gleichgewicht nur temporär: Mit der Zeit werden die Erschließungskosten und der Zugang zu US-Bodenschätzen steigen, was das Interesse an den vergleichsweise leichter zugänglichen und reichhaltigen venezolanischen Erdölvorkommen wieder verstärken dürfte.

China tritt als wichtiger wirtschaftlicher Rivale der USA auf und sucht in deren Einflussbereich insbesondere nach Energieressourcen. Dies zeigt sich in den Wirtschaftsbeziehungen zwischen China und Venezuela. So hat China dem südamerikanischen Land seit 2007 Kredite in Höhe von rund 60 Milliarden Dollar gewährt, die überwiegend durch Öl-Lieferungen abgesichert sind. Die China Development Bank und die China Export-Import Bank spielen hierbei eine zentrale Rolle.

USA in Rivalität mit China um Zugriff auf Rohstoffe

Die USA beobachten mit Sorge, wie China durch die Vergabe von Krediten weltweit Staaten in Abhängigkeit bringt, um sich Rohstoffe zu sichern und politischen Einfluss auszuüben. Besonders in Venezuela nimmt China eine Schlüsselstellung als Partner ein: Nach Schätzungen importiert das Land regelmäßig große Mengen venezolanischen Rohöls – zeitweise bis zu 600.000 Barrel pro Tag, oftmals über Zwischenhändler, um US-Sanktionen zu umgehen. Mit diesen Einnahmen und Krediten hat China dem Maduro-Regime das wirtschaftliche Überleben ermöglicht und darüber hinaus Technologie sowie Rüstungsgüter geliefert, wodurch die strategische Partnerschaft weiter vertieft wurde.

Donald Trump und Xi Jinping
US-Präsident Donald Trump und Chinas Staatschef Xi Jinping konkurrieren weltweit um Rohstoffe. Susan Walsh/AP/dpa

Auch andere Länder wie das ebenso auf Venezuelas Öl angewiesene Kuba profitieren von chinesischen Finanzhilfen und Infrastrukturprojekten, wenngleich die wirtschaftliche Integration Kubas in chinesische Lieferketten im Vergleich zu Venezuela oder Brasilien begrenzt bleibt. Das übergeordnete Ziel Chinas ist es, die Region enger an sich zu binden und so der US-Dominanz ein Gegengewicht zu bieten.

Venezuela als Schauplatz eines globalen Machtspiels 

Venezuela ist Austragungsort eines größeren Machtspiels geworden – zwischen der aufstrebenden Macht China und den etablierten USA. Bereits im Februar 2018 verwies der damalige US-Außenminister Rex Tillerson auf die Monroe-Doktrin, die seit dem 19. Jahrhundert eine Einmischung fremder, damals europäischer Mächte auf dem amerikanischen Kontinent verhindern sollte. In der Nationalen Sicherheitsstrategie der USA vom Dezember 2017 wurde die chinesische Präsenz in Lateinamerika als Bedrohung für die nationale Sicherheit eingestuft, der notfalls auch mit militärischen Mitteln begegnet werden sollte.

Mit der im November 2025 veröffentlichten neuen Nationalen Sicherheitsstrategie greifen die USA diese Doktrin in modernisierter Form wieder auf – als "Trump Corollary". Das Ziel ist klar: Die westliche Hemisphäre soll als exklusiver Einflussraum der USA gesichert und nichthemisphärische Mächte wie China oder Russland aus strategisch wichtigen Sektoren wie Häfen, Telekommunikation, Energieversorgung und militärischer Infrastruktur ferngehalten werden. Die US-Strategie setzt dabei auf Drohungen, Sanktionen und militärischen Druck, um den Einfluss der USA zu sichern und das Vordringen Chinas und Russlands zu verhindern.

Trump verknüpft in Venezuela Außenpolitik und Business

Im Zentrum der amerikanischen Außenpolitik steht das wirtschaftliche Interesse an Ressourcen, insbesondere am venezolanischen Erdöl. Venezuela verfügt über die weltweit größten Erdölreserven und ist daher für die USA von besonderer Bedeutung. 

Über Josef Braml

Dr. Josef Braml ist einer der weltweit renommiertesten USA-Experten und der European Director der Trilateralen Kommission – einer einflussreichen globalen Plattform für den Dialog eines exklusiven Kreises politischer und wirtschaftlicher Entscheider/innen Amerikas, Europas und Asiens zur kooperativen Lösung geopolitischer, wirtschaftlicher und sozialer Probleme. Dr. Braml verfügt über 20 Jahre Erfahrung in angewandter Forschung und Beratung weltweit führender Think Tanks, unter anderem bei der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP), der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), dem Aspen Institut, der Brookings Institution, der Weltbank und als legislativer Berater im US-Abgeordnetenhaus.

US-Präsident Trump hat wiederholt betont, dass amerikanische Unternehmen von der Förderung venezolanischer Ölressourcen profitieren sollen. US-Präsident Trump erklärte öffentlich, dass amerikanische Ölkonzerne Milliarden Dollar investieren sollen, um die "schwer beschädigte" venezolanische Öl-Infrastruktur zu modernisieren. Ziel sei es, Venezuela wirtschaftlich wiederaufzubauen und zugleich die USA profitieren zu lassen. Trump betonte, eine Partnerschaft mit den Vereinigten Staaten werde Venezuela "reich, unabhängig und sicher" machen. 

Militärische Aktionen sollen US-Firmen den Zugang zu diesen Ressourcen ermöglichen – ein Muster, das sich in Trumps Politik immer wieder zeigt.

Innenpolitische Herausforderungen für die US-Strategie

Die Venezuela-Politik der Trump-Regierung ist innenpolitisch widersprüchlich. Einerseits würde eine Ausweitung der Ölförderung in Venezuela dazu führen, dass das in den USA durch Fracking gewonnene Öl für Investoren weniger attraktiv wird, weil ein größeres Angebot zu sinkenden Preisen führt und so die Rentabilität der heimischen Fracking-Industrie schmälert. Andererseits könnten amerikanische Verbraucher von niedrigeren Benzinpreisen profitieren.

Kurzfristig bleiben diese potenziellen Vorteile jedoch hypothetisch und dürften keinen spürbaren Einfluss auf die Kongresswahlen im Herbst dieses Jahres haben, die für Trumps weitere politische Handlungsmacht entscheidend sind. Daher ist es für Trump wichtig, sein Engagement in Venezuela zunächst zu begrenzen und keine vorschnellen Schritte zu unternehmen.

Scheitern von Trumps Außenpolitik kann Midterms-Erfolg gefährden

Sollte Trump tatsächlich, wie angedroht, Bodentruppen nach Venezuela entsenden und damit eine militärische Intervention riskieren, würde dies innenpolitisch einen hohen Preis fordern. Besonders seine Kernwählerschaft, die sogenannte MAGA-Basis, erwartet von ihm, dass er die USA aus langwierigen und verlustreichen Auslandseinsätzen heraushält. 

Ein Scheitern der Außenpolitik oder unnötige Verluste amerikanischer Soldaten könnten für die Republikaner bei den Kongresswahlen gravierende Konsequenzen haben. Sollte die demokratische Partei die Mehrheit im Abgeordnetenhaus oder Senat gewinnen, würde Präsident Trump seine uneingeschränkte politische Handlungsmacht verlieren.