Leben, wo andere urlauben

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In einem Holzhaus am Lainer See wohnt Helga Nadler seit sieben Jahren. Sie genießt den idyllischer Ort, wo jeden Sommer viele Urlaub machen. Denn in Lain am See befinden sich neben der Holzhaussiedlung auch ein Campingplatz mit Kiosk, Restaurant und Wellnessbereich. © Alexandra Anderka

Helga Nadler fühlt sich zuhause im Ferienparadies in Lain am See und hat den Umzug vor vier Jahren noch keine Minute bereut.

Urlaubsgefühle überkommen Helga Nadler jedes Mal, wenn sie den steilen Berg nach Lain am See hinabfährt – auf der linken Seite erstreckt sich der Naturbadesee, rechts der denkmalgeschützte Dreiseithof mit Wirt, Kiosk und Wellness-Bereich, dahinter der Campingplatz.

Zu diesem Ferienparadies gehört auch eine Holzhaussiedlung. In einem der 47 Holzhäuser wohnt die 64-Jährige seit sieben Jahren und hat es „noch keine Minute bereut“. Im Sommer fühlt sie sich, wie wenn sie Urlaub am See machen würde, im Winter wie Urlaub in einer kanadischen Holzhütte.

In Kanada hat die Holzhaussiedlung auch ihren Ursprung. Georg Heider, dem das Areal mit See und Campingplatz gehört, ist vor rund 30 Jahren eigens nach Kanada gereist, um sich deren Holzbauweise anzuschauen, weiß Nadler.

Erste Häuser aus kanadischer Zeder

Für die ersten Häuser wurde sogar noch kanadische Zeder verwendet, Nadler lebt in einem davon. Es gibt drei Größen: klein, mittel, groß. Nadlers Schmuckstück am Hang in vierter Reihe hat die mittlere Größe von gut 130 Quadratmetern, auf zwei Stockwerken, plus Keller. Im Erdgeschoss befindet sich eine große Wohnküche mit Schwedenofen, an die sich ein Wintergarten anschließt. Nebenan ist ein Schlafzimmer mit gegenüberliegendem Bad. Eine schmale Holzstiege führt ins Obergeschoss, dort gibt es zwei Zimmer, in der Mitte ein weiteres Bad. Aus dem rechten Zimmer, das bei Nadler ihre Katzen bewohnen dürfen, kann sie sogar den See erspähen.

Die gebürtige Münchnerin, die bis zu ihrem Renteneintritt als Altenpflegerin arbeitete, lebte mit ihrem damaligen Mann fast 30 Jahre auf einem alleinstehenden Hof in Neufraunhofen. Die Pferdebesitzerin hatte einen kleinen Einstellbetrieb und ihr Mann eine Auto-Werkstatt. „Ich habe das Leben in der Einöde sehr geliebt“, sagt sie, doch nach der Trennung wurde ihr die Arbeit alleine zu viel. Ein Umzug in ein Dorf kam für die Tierliebhaberin, die damals zwei Hunde und acht Katzen besaß, nicht infrage.

So war es ein Glücksfall für sie, als eine Freundin zufällig auf ein kleines Inserat stieß, in dem das Holzhaus zum Kauf angeboten wurde. Nadler verliebte sich sofort in das Schmuckstückchen mit dem asiatischen Garten, den der Vorbesitzer angelegt hatte, und den Gemüsebeeten.

Auto mit Allrad ist von Vorteil

Von den Campern bekomme die 64-Jährige nicht viel mit. Sie profitiere eher von dem dazugehörigen Kiosk. „Wenn mir mal etwas ausgeht, kann ich dort was holen.“ Gerne geht sie zum Loaner Wirt Essen oder macht Yoga im Spa-Bereich. Im Winter nutzt sie gelegentlich die Sauna. Im Sommer hüpft sie regelmäßig in den Naturweiher.

Gibt es auch Nachteile im Ferienparadies? „Die Holzwände sind hellhörig, damit muss man leben können“, sagt Nadler. Und nach ihrem Umzug habe sie sich ein Auto mit Allrad zugelegt. Die Straßen zu den Häusern sind nicht geteert und im Winter, wenn es schneit, auch manchmal ganz schön rutschig. Seitdem sie frühmorgens nicht mehr zur Arbeit muss, störe sie das nicht mehr.

Ein idyllischer Ort: der Lainer See.
Ein idyllischer Ort: der Lainer See. © Alexandra Anderka

Begeistert ist Nadler von der Nachbarschaft. Schmunzelnd sagt sie: „Irgendwie habe ich das Gefühl, dass viele besondere Menschen hier versammelt sind.“ Sie zählt auf: „Unten wohnt eine Frau, die 20 Jahre in Italien gelebt hat. Bei der gibt‘s immer einen Espresso.“ Ein Nachbar ist Trabrennfahrer. „Der nimmt mich hin und wieder zu Rennen mit.“ Eine andere Holzhausbesitzerin organisiert jedes Jahr einen Flohmarkt. „Ich könnte spontan zu drei Nachbarn auf eine Tasse Kaffee vorbeischauen.“

Außerdem sei die ganze Siedlung tierfreundlich, was Nadler wichtig ist. Sie hat lange für den Tierschutzverein Erding gearbeitet und ist Frauchen von Hund Gringo, einem rumänischen Straßenhund, und vierfache Katzenmama.

Umziehen möchte Nadler nicht mehr, denn „wer hat schon das ganze Jahr Urlaubsgefühle?“

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