Erdinger Fans feiern das Comeback der Schallplatte. Es ist ein besonderes Klangerlebnis.
Erding - „Dark Side of the Moon“ von Pink Floyd ist die Schallplatte, die Harry Frei immer wieder hören kann. Damit ist er nicht allein, denn der Klassiker ist die am meisten verkaufte Platte, weiß der Inhaber von media@home Frei an der Münchener Straße in Erding. Während Kassettenrekorder und CD-Player kamen und gingen, blieb das Vinyl eine Konstante. Keine Überraschung für Frei: „Wir haben immer Plattenspieler verkauft und das nie aufgegeben.“
Vor etwa 50 Jahren war ein Teil des Geschäfts auch noch ein Plattenladen, erinnert er sich. Kürzlich erst stellte er wieder fest, dass der Plattenspieler im Schaufenster mehr Leute auf dem Bürgersteig innehalten lässt als andere Soundsysteme. Die Schallplatte hat nicht nur überlebt, sondern laut Frei „ein wenig Renaissance“.
Das liege einmal an der Qualität der Geräte, die in den vergangenen Jahrzehnten so perfektioniert wurden, dass auch heute noch 60 Jahre alte Spieler funktionieren wie am ersten Tag. „Und wenn nicht, dann sind sie leicht zu reparieren“, erklärt der Kenner und verweist auf zwei Plattenspieler, die in seiner Werkstatt – unter einer Uhr in Schallplattenform – auf Instandsetzung warten. Meistens brauche es nur eine neue Nadel oder einen neuen Riemen. Gleichzeitig liegt die Vinyl-Liebe aber auch am Ton des Mediums selbst. Während Streams oder CDs nur eine begrenzte Bandbreite im Klang offerieren, sei sie analog grenzenlos. Dadurch gebe es beim Hören immer wieder etwas Neues zu entdecken, so Frei.
Vinyl auflegen ist ein Ritual
Außerdem habe Platten hören etwas von einem Ritual. Man sucht sich eine Scheibe aus, bestaunt das große Cover, liest sich über die Verpackung und legt sie dann vorsichtig auf. Lieder nur anfangen oder überspringen macht kein echter Plattenfan. Stattdessen wird 20 Minuten durchgehört, und dann die Scheibe sorgsam umgedreht für die zweite Halbzeit. Da gehört auch das typische Knistern einfach dazu. Und dann gibt es ja noch die anderen Plattenfans, die sich wie ein eigener Kulturkreis leidenschaftlich austauschen und ihre Sammlung präsentieren.
Aber auch Neueinsteiger kommen immer wieder zu Frei ins Geschäft. Ab 400 Euro erhalte man einen guten Plattenspieler, das Doppelte, wenn er etwas mehr hermachen soll. Theoretisch könne man sich auch Modelle für mehrere 100 000 Euro kaufen. „Nach oben ist alles offen“, weiß der Experte. In der Pflege kann man dabei auch wenig verkehrt machen, solange man die Platten nicht direkt in die Sonne legt.
Auch der Erdinger Dominique Klatte mit seinem eigenen Plattenlabel „Jazz on Vinyl“ wird ganz euphorisch. Das gehe schon los beim haptischen Erleben: „Das große Cover ist für mich auch ein Teil der Kunst beim Plattenproduzieren“ erklärt er. In den vergangenen 35 Jahren konnte ihn keine digitale Produktion so überzeugen. „Aber klar geht die Musikindustrie lieber auf den kostengünstigeren Weg des Streamings.“
Für das Pressen von 500 Platten hatte Klatte bei einem seiner vergangenen Projekte allein für die Platten 2500, zusammen mit der Verpackung knapp 6000 Euro Kosten. Das müsse man sich leisten können. „Aber die Schallplatte hat sich wieder richtig etabliert auf dem Markt und einen immer größer werdenden Freundeskreis. Das merke ich auch bei meinen Selbstproduktionen: Gute Qualität wird wieder angenommen und erfreut sich in der Szene.“ Digitale Qualität reiche zwar bei Sprachaufnahmen, Podcasts oder Hintergrundmusik. Aber bei seinen Lieblingsgenres Jazz und Blues sowie Klassik oder Rock bevorzugt Klatte immer das Vinyl. Und auch Frei wird seine „Dark Side oft the Moon“-Platte sicher nicht zum letzten Mal gehört haben.