Wer ein Zahnimplantat trägt, kennt möglicherweise das Problem der wiederkehrenden Entzündung des Implantatbettes. Fachleute sprechen hier von Periimplantitis. Ein besonders schonendes Verfahren macht Schluss mit dieser unangenehmen Erkrankung. Doch bisher bieten nur wenige spezialisierte Praxen in Deutschland dieses Therapieverfahren an.
Der Kieferknochen schmerzt, das Zahnfleisch um das Implantat ist gerötet und geschwollen. Wenn jetzt auch noch süßlicher Mundgeruch hinzukommt, können Patienten fast sicher sein, dass sie unter Periimplantitis leiden. Wird sie nicht behandelt, drohen Knochenabbau und der Verlust des Implantats.
Dr. medic stom. (RO) Diana Svoboda MSc, MSc ist Zahnärztin und Leiterin der diPura Fachklinik in Essen. Ihre Schwerpunkte: ästhetische Zahnmedizin, Implantologie und moderne Sportzahnmedizin. Sie ist Teil unseres EXPERTS Circle. Die Inhalte stellen ihre persönliche Auffassung auf Basis ihrer individuellen Expertise dar.
Wie entsteht Periimplantitis?
Zahllose Bakterien besiedeln die menschliche Mundhöhle. Für ein gesundes Milieu muss das sogar so sein. Gleichzeitig ist dieser bakterielle Biofilm für die Entzündung verantwortlich. Bisher scheiterten alle Verfahren, diesen Film nachhaltig zu entfernen.
Zum einen, weil die Oberflächenstruktur des Implantats durch Pulverstrahlverfahren, Titanbürsten und Laserbehandlungen beschädigt werden kann. Auch gelangen durchs Schleifen Partikel in das umliegende Gewebe, was zu Entzündungen führen kann.
Zum anderen erreicht der Zahnarzt oder Implantologe nicht die Unterseite des Implantats. So war eine effektive, nachhaltige Therapie bei Periimplantitis bisher nicht möglich und die Rückfallquote dementsprechend hoch.
Elektrolyse reinigt effektiv
Damit ist es jetzt vorbei: Eine Forschergruppe aus Deutschland und der Schweiz um den Forchheimer Implantologen PD Dr. Dr. Markus Schlee hat mit dem sogenannten GalvoSurge-System die weltweit erste wirksame Methode zur Entfernung des Biofilms auf Implantaten ohne deren Beschädigung entwickelt.
Mittels Elektrolyse – also der Zerlegung des Reinigungswassers in Wasserstoff und Sauerstoff mithilfe von elektrischem Strom – entstehen Bläschen. Diese haften am Film und entfernen ihn mitsamt aller Stoffwechselprodukte sowie der Kohlenwasserstoffe von der Implantatoberfläche. Das schonende Verfahren dauert so lediglich ein paar Minuten. Ein weiterer Vorteil: Wasser findet immer einen Weg, gelangt also auch an die Unterseite.
Bisher noch wenige Anbieter
Das Verfahren wird bisher nur von wenigen Zahnärzten und -ärztinnen in Deutschland angewendet. Spezialisierte Praxen können ihren Patienten mit Implantaten hiermit jedoch ein innovatives System zur Periimplantitis-Behandlung anbieten, dass sowohl effektiv und schnell reinigt – die Reinigungsdauer pro Implantat beträgt nur zwei Minuten – als auch sehr angenehm für die Betroffenen ist.