In Genf soll eine neue Gesprächsrunde im Atomstreit zwischen USA und Iran starten. Washington erhöht den Druck, Teheran beharrt auf Urananreicherung.
Genf – Die USA und der Iran nehmen im Streit über das iranische Atomprogramm einen neuen Anlauf. Nach einer ersten Runde indirekter Gespräche im Oman soll nun in der Schweiz weiterverhandelt werden. Im Hintergrund wächst zugleich die Sorge vor einer erneuten militärischen Eskalation in der Region.
Nach Angaben des Schweizer Außenministeriums soll Oman auch diese Runde ausrichten, konkrete Tage wurden zunächst nicht genannt. Die Schweiz betonte, sie unterstütze den Dialog und stehe für ihre „guten Dienste“ bereit. Die Gespräche gelten als erster größerer Kontaktkanal seit den jüngsten Spannungen zwischen Washington und Teheran.
Iran-Atomprogramm: Trump warnt Iran – Genf-Gespräche unter Kriegsdrohung
Die erste Gesprächsrunde hatte am 6. Februar in Maskat stattgefunden, ebenfalls unter Vermittlung von Oman. Auf iranischer Seite war Außenminister Abbas Araghchi an den Kontakten beteiligt, auf US-Seite der Sondergesandte Steve Witkoff. Auch Jared Kushner, Präsidentenberater und Schwiegersohn Donald Trumps, spielte dabei nach Medienberichten von etwa RND und AFP eine Rolle.
Reuters berichtete unter Berufung auf einen hochrangigen iranischen Vertreter, dass die nächste Runde am Dienstag (17. Februar) in Genf stattfinden solle. Demnach werde eine US-Delegation mit Witkoff und Kushner iranische Vertreter treffen, was später auch von iranischer Seite gegenüber Reuters bestätigt worden sei. Damit verlagern sich die Gespräche von Maskat in eine diplomatische Umgebung, in der die Schweiz traditionell als Brückenbauer fungiert.
Trump droht mit „traumatischen“ Folgen für Mullah-Regime – Militärische Kulisse wächst
US-Präsident Donald Trump warnte zuletzt, ein Scheitern der Gespräche werde „sehr traumatisch“ sein. Zugleich setzte er mit Blick auf Teheran mehrfach auf eine harte Linie und stellte auch Gewaltanwendung in den Raum. Teheran wiederum erklärte, man werde auf jeden Angriff mit eigener Vergeltung reagieren.
Parallel erhöhen die USA den Druck militärisch und politisch. Trump kündigte zudem die Verlegung der „USS Ford“ in den Nahen Osten an und sagte, ein Machtwechsel im Iran „wäre das Beste, was passieren könnte“. Außenminister Marco Rubio erklärte gemäß Reuters, Trump bevorzuge Diplomatie, fügte aber hinzu: „Niemand war jemals in der Lage, einen erfolgreichen Deal mit dem Iran zu machen, aber wir werden es versuchen.“
Akteure im Iran-Atomstreit
| Schlüsselakteure | Rolle |
|---|---|
| Steve Witkoff | US-Sondergesandter |
| Abbas Araghchi | Iranischer Außenminister |
| Jared Kushner | Trumps Berater und Schwiegersohn |
| Majid Takht-Ravanchi | Iran Vize-Außenminister |
Teheran zeigt Kompromissbereitschaft im Atom-Streit – aber keine „Null-Anreicherung“
Irans Vizeaußenminister Majid Takht-Ravanchi stellte nun in einem BBC-Interview Kompromisse in Aussicht, wenn Sanktionserleichterungen verhandelt würden. „Der Ball liegt im Feld Amerikas, zu beweisen, dass sie einen Deal wollen“, sagte er der BBC. Zugleich machte er deutlich, dass Teheran den Grundkonflikt um die Urananreicherung nicht aufgeben will.
Takht-Ravanchi verwies als mögliches Entgegenkommen auf Teherans Angebot, besonders hoch angereichertes Uran zu verdünnen. Eine komplette Aufgabe der Anreicherung lehnte er jedoch ab und sagte: „Die Frage der Null-Anreicherung ist kein Thema mehr und steht aus iranischer Sicht nicht mehr zur Debatte.“ Genau dieser Punkt bleibt aus Sicht Washingtons ein Kernstreit, weil die USA Anreicherung im Land als möglichen Weg zur Atombombe sehen, was Iran bestreitet.
Wirtschaft als Hebel im Streit um Atomprogramm: Iran bringt Öl, Gas, Bergbau und Flugzeuge ins Spiel
Reuters konstatiert, Teheran wolle ein Abkommen, das für beide Seiten wirtschaftliche Vorteile bringt. Hamid Ghanbari, Vizedirektor für Wirtschaftsdiplomatie im Außenministerium, erklärt gemäß der Nachrichtenagentur: „Gemeinsame Interessen in Öl- und Gasfeldern, gemeinsamen Feldern, Bergbauinvestitionen und sogar Flugzeugkäufe sind in den Verhandlungen enthalten.“ Damit versucht Iran demnach, auch US-Interessen an „hohen und schnellen wirtschaftlichen Renditen“ einzubinden.
Hintergrund ist der Bruch des Atomabkommens von 2015: Trump hatte die USA 2018 aus dem Deal geführt und Sanktionen wieder in Kraft gesetzt. Seitdem hat Iran seine Urananreicherung deutlich ausgeweitet. Westliche Staaten und die IAEA sehen die Lage kritisch, weil das Material näher an waffenfähige Qualität heranrückt, während Teheran auf ein friedliches Programm pocht. In Genf dürfte daher neben technischen Fragen vor allem die Sanktionsfrage zum zentralen Tauschpfand werden. (Quellen: RND, dpa, Reuters, AFP, BBC) (chnnn)