Ein Künstler, der seine Druckmaschine an die Wand hebt. Ein Museum, das sich bemalen lässt. Und Besucher, die nicht nur schauen, sondern fragen, plaudern und mitgestalten dürfen. Mitten im traditionsreichen Geigenbaumuseum in Mittenwald sorgt der deutsch-niederländische Siebdrucker Stefan Hoffmann für eine künstlerische Ausnahmeerscheinung – spontan, vergänglich und überraschend.
Im Mittenwalder Geigenbaumuseum hat es schon viele außergewöhnliche Ausstellungen gegeben. Längst verloren geglaubte Bilder wurden wiederentdeckt und gezeigt. Besucher konnten bereits Hör- und Riechproben zu ausgewählten Exponaten erleben. Doch dass ein Künstler Wände und sogar Vitrinen direkt vor Ort bedruckt – das ist neu. Stefan Hoffmann, zeitgenössischer Künstler mit deutsch-niederländischen Wurzeln, ist zum ersten Mal in Bayern – und überhaupt zum ersten Mal in einem Museum für Instrumentenbau. „Ganz ehrlich: ohne diese Einladung hätte ich wohl nie einen Fuß in dieses Haus gesetzt“, sagt er schmunzelnd. Nun verbringt er gleich zwei Monate in den Räumen an der Ballenhausgasse – ein Novum sowohl für ihn als auch für Museumsleiter Dr. Reinhard Nießner.
Hoffmanns Spezialgebiet ist der Siebdruck – an sich nichts Außergewöhnliches. Was seine Kunst aber besonders macht: Er bringt den Druck nicht auf Papier oder Leinen, sondern direkt an die Wand. „Ich positioniere den Siebdruckrahmen senkrecht“, erklärt er. Das sei zeitaufwendig, körperlich anstrengend und erfordere viel Fingerspitzengefühl. „Wenn mich Studenten so arbeiten sehen, sind sie zwar beeindruckt, machen gerne mit, sagen aber ganz ehrlich: Für mich wäre das nichts.“
Seit Kurzem können sich Besucher im Geigenbaumuseum ein Bild von Hoffmanns Arbeit machen. Gleich nach dem Eingang, links, hat er sein Atelier eingerichtet. Der Eintritt ist frei, jeder ist willkommen. „Kommt vorbei, schaut zu, stellt Fragen! Ihr dürft mich ruhig nerven“, sagt Hoffmann lachend. „Auch wenn’s nur ein Plausch über das Wetter ist.“ Denn oft sind es die Geschichten der Einheimischen, die ihm neue Inspiration liefern.
Wenn mich Studenten so arbeiten sehen, sind sie zwar beeindruckt, machen gerne mit, sagen aber ganz ehrlich: Für mich wäre das nichts.
Möglich wurde Hoffmanns Aufenthalt durch das Projekt „Das Mobile Atelier“, eine Initiative des Bundesverbands Bildender Künstlerinnen und Künstler Bayern (BBK). Ziel der Aktion ist es, zeitgenössische Kunst nicht nur in Metropolen zu zeigen, sondern gezielt in ländliche Räume zu bringen. „Ihr müsst nicht mehr extra nach München fahren, um solche Kunst zu erleben“, betont Nießner. BBK-Projektleiterin Maria Buck ergänzt: „Zum ersten Mal sind wir mit dem Mobilen Atelier in einem Museum vertreten.“ Deshalb sei sie „sehr gespannt“, wie die nächsten Wochen ankommen.
Bis zum 13. Juli wird Hoffmann sein Atelier im Museum betreiben. Geplant sind auch Workshops für Kinder und Erwachsene. Zudem wird er Unterricht an der Grund- und Mittelschule geben. Das künstlerische Endergebnis ist dann bis November als Sonderausstellung im Geigenbaumuseum zu bestaunen.
In den vergangenen 15 Jahren hat Hoffmann zahlreiche internationale Projekte realisiert – in Europa, Nordamerika und Asien. Sein Studium absolvierte er an der Artez Akademie in Arnhem und der renommierten Jan van Eyck Akademie in Maastricht.
Eine Besonderheit seiner Arbeit in Mittenwald: Selbst die Museumsvitrinen werden zum Kunstobjekt. „Direkt auf eine Glasscheibe zu drucken, hat etwas Magisches“, sagt Hoffmann. „Nichts ist flüchtiger als dieser hauchdünne Farbfilm.“ Seine Kunst ist vergänglich – und genau darin liege ihre Schönheit. „So wie die Musik einer Geige hier im Museum. Sie klingt nur für den Moment, aber hinterlässt Spuren, die für die Ewigkeit bleiben.“