Andy Baker gilt als Schlüsselfigur hinter Trumps Außenpolitik. Hinter den Kulissen orchestriert er die US-Strategie. Sein Einfluss wächst stetig.
Washington, DC – Kaum jemand außerhalb von US-Regierungskreisen kennt seinen Namen. Doch Andy Baker, stellvertretender nationaler Sicherheitsberater der USA, gilt als einer der einflussreichsten Köpfe hinter der Außenpolitik von US-Präsident Donald Trump. Er soll maßgeblich an der konfrontativen Haltung gegenüber Europa beteiligt sein, an den Verhandlungen zum Ukraine-Krieg mitwirken und die umstrittene Münchner Rede von Vizepräsident JD Vance mit verfasst haben. Europäische Diplomaten betrachten ihn inzwischen als Schlüsselfigur, um Trumps wechselhafte Politik zu verstehen.
Seinen einzigen öffentlichen Moment im Rampenlicht verdankt Baker einem Versehen. Letzten März hatte Vizepräsident JD Vance ihn versehentlich in den berüchtigten Signal-Chat über die Houthi-Angriffe im Jemen aufgenommen. Doch hinter den Kulissen hat sich der stellvertretende nationale Sicherheitsberater zu einer Schlüsselfigur entwickelt, wie Politico unter Berufung auf fast ein Dutzend Quellen berichtet. Baker präge sowohl die außenpolitischen Überlegungen des Vizepräsidenten als auch einige der wichtigsten Entscheidungen des Weißen Hauses in Bezug auf die nationale Sicherheit. „Andy wird in jeder zukünftigen Regierung eine Rolle spielen“, zitiert das Magazin einen ehemaligen Kollegen des United States Security Council (NSC).
Baker gilt als Schlüsselfigur hinter Trump: Konfrontative Europa-Haltung und Ukraine-Verhandlungen
Bakers Einfluss zeigt sich laut der Schilderung bei einigen der normbrechendsten Positionen der Trump-Regierung. Er war demnach an der Ausarbeitung der Rede beteiligt, die Vance im Februar 2025 auf der Münchner Sicherheitskonferenz hielt. Darin kritisierte der Vizepräsident europäische Staats- und Regierungschefs scharf und behauptete, Europas „Abkehr von einigen seiner Grundwerte“ stelle die größte Bedrohung für das transatlantische Bündnis dar. Auch an der neuen Nationalen Sicherheitsstrategie wirkte Baker mit, die den wachsenden Einfluss „patriotischer“ nationalistischer Parteien in Europa begrüßt und die NATO-Erweiterung kritisiert.
Der 2007 in Oxford promovierte Politikwissenschaftler trat 2010 in den diplomatischen Dienst ein. Stationen in Afghanistan und im NATO-Hauptquartier bestärkten ihn in seiner skeptischen Sicht auf Amerikas Rolle in der Welt. Baker sei zu der Ansicht gelangt, dass die US-Außenpolitik „ein Spielzeug der Eliten“ sei, das nicht zum Wohle des amerikanischen Volkes eingesetzt werde, heißt es weiter. Als er das das Außenministerium 2023 verließ, habe er gezielt den Kontakt zu Vance gesucht, der seine Überzeugungen teilt.
EU-Diplomaten wollen Baker unbedingt treffen: Einfluss dürfte mit Vances Präsidentschaftschancen wachsen
Bei den Ukraine-Verhandlungen spielt Baker dem Nachrichtenportal zufolge eine wichtige Rolle. Er habe „praktische“ und „kreative Ideen“ zur Beendigung des Krieges eingebracht und sei an der Ausarbeitung des Mineralienabkommens vom Oktober beteiligt gewesen. Doch sein Ansatz verärgere einige Verbündete. „Andy scheint die Stärke und den Einfluss Russlands zu überschätzen“, wird ein europäischer Beamte zitiert. „Wir hingegen sehen Russland nahe am Ende seiner wirtschaftlichen und militärischen Macht.“
Europäische Diplomaten betrachten Baker mittlerweile als Schlüssel zum Verständnis von Trumps Außenpolitik. „Die ausländischen Regierungen sind sich seiner alle sehr bewusst. Sie möchten ihn mehr als jeden anderen treffen, wenn sie in die Stadt kommen“, heißt es in dem Bericht. Da Vance als führender Kandidat für die Präsidentschaftsnominierung 2028 gilt, dürfte Bakers Einfluss noch wachsen. Beobachter sollten ihn und Gleichgesinnte wie Pentagon-Unterstaatssekretär Elbridge Colby genau im Blick behalten, rät der ehemalige NSC-Mitarbeiter demnach. Sie repräsentierten „einen wirklich wichtigen Teil des außenpolitischen Denkens der Republikaner“.
Sprache erinnert beunruhigend an Putin: Ukraine erscheint nur als Störfaktor für Abkommen
Baker gilt auch als treibende Kraft hinter der nationalen Sicherheitsstrategie des Weißen Hauses für 2025, wie das Wall Street Journal schreibt. Das Dokument spiegele vor allem die Weltanschauung von Vizepräsident Vance wider und schaffe eine „ungewöhnliche geopolitisch-kulturelle Mischung aus regionalen Machtverhältnissen und Forderungen nach spiritueller, familiärer und zivilisatorischer Erneuerung“. Die Strategie sehe einen Wettstreit zwischen Nationalstaaten mit Einflusssphären vor, was an die Rhetorik vor dem Ersten Weltkrieg erinnere.
Besonders brisant ist demnach die Europapolitik. Die US-Regierung behaupte, Europa sei mit wirtschaftlicher Stagnation und einem „Zivilisationsverlust“ konfrontiert, und lehne die gemeinsame Souveränität der EU ab. Die Sprache erinnere „beunruhigend an Wladimir Putins Kritik an Europa“. Europa und Russland würden als politisch gleichwertig behandelt, die Ukraine erscheine lediglich als „Störfaktor“, der einem Abkommen im Wege stehe. Diejenigen, die die Gefahren dieser „scharfen historischen Wende“ erkennen, müssten ihre Stimme erheben, mahnt die Zeitung. (Quellen: Politico, Wall Street Journal) (tpn)