Das Entsetzen nach der Brandkatastrophe im Nobel-Skiort Crans-Montana sitzt tief. Während die Ermittlungen zur Ursache des Infernos im Club „Le Constellation“ auf Hochtouren laufen, kommen immer mehr Details über die Betreiber ans Licht. Besonders pikant: Die Besitzerin Jessica Moretti (40) müsste eigentlich eine Expertin in Sachen Sicherheit sein.
Feuer-Drama in Crans-Montana: Barbesitzerin stammt aus Feuerwehr-Familie
Wie die Regionalzeitung „Nice-Matin“ aus Nizza berichtet, wuchs Jessica Moretti in einem Umfeld auf, in dem Brandschutz zum täglichen Brot gehörte. Die Französin ist die Tochter von Jean-Paul Maric, einem erfahrenen Feuerwehrmann aus Cannes an der Côte d’Azur.
Doch damit nicht genug: Ihr Onkel, Jean-Pierre Maric, leitete sogar die kommunale Brandschutzbehörde gegen Waldbrände in der Provence (Auribeau-sur-Siagne). In ihrer Familie war das Thema Sicherheit und Brandprävention also allgegenwärtig. Dass ausgerechnet in ihrem Lokal eine solche Katastrophe ausbrach, wirkt vor diesem Hintergrund besonders tragisch.
Vom Glamour-Paar zum Schock: Das Gastro-Imperium der Morettis
Jessica Moretti und ihr korsischer Ehemann Jacques galten als das Power-Duo von Crans-Montana. Seit Anfang 2000 in der Schweiz ansässig, bauten sie ein beachtliches Netzwerk auf:
- Le Constellation: Die 2015 übernommene Bar, die nun zur Todesfalle wurde.
- Senso: Ein modernes Fast-Food-Restaurant in Crans-Montana.
- Le Vieux Chalet: Ein Spezialitätenrestaurant für korsische Küche in Lens.
Laut einem Bericht des Schweizer Magazins „Le Nouvelliste“ hatte Jacques Moretti das „Le Constellation“ 2015 eigenhändig renoviert. „Ich habe fast alles selbst gemacht“, zitierte ihn das Blatt damals stolz. Das Ehepaar genoss laut „Corse-Matin“ einen tadellosen Ruf und galt als regelbewusst und respektvoll.
Schwere Vorwürfe nach dem Inferno: War die Decken-Dämmung illegal?
Trotz des guten Rufs der Betreiber mehren sich nun die kritischen Fragen. Besonders das Verhalten nach dem Unglück sorgt für Misstrauen: Unmittelbar nach der Katastrophe wurden sämtliche Social-Media-Kanäle des Clubs gelöscht. Schweizer Beobachter vermuten dahinter den Versuch, Beweismittel zu vernichten. Archivierte Bilder zeigen nämlich eine Deckenverkleidung aus Polyurethan-Schaumstoff – ein Material, das im Brandfall extrem giftige Gase freisetzt und daher streng reglementiert ist.
Diese möglichen baulichen Mängel wurden laut Augenzeugen durch fahrlässiges Handeln zur tödlichen Falle: Kellnerinnen sollen Wunderkerzen an Champagnerflaschen direkt unter dieser niedrigen, leicht brennbaren Decke entzündet haben. Innerhalb von nur zwei Minuten stand das gesamte Untergeschoss in Flammen. Da der einzige Fluchtweg aus einem schmalen Treppenaufgang bestand, hatten viele Gäste keine Chance.
„Am Boden zerstört“: Betreiber-Ehepaar steht unter Schock
Während die Ermittlungen laufen und Familien verzweifelt nach ihren Angehörigen suchen, zeigen sich die Betreiber tief getroffen. Jessica Moretti erlitt bei dem Brand selbst Verletzungen am Arm und steht, genau wie ihr Mann, unter schwerem Schock. Ein enger Freund des Paares, der korsische Musiker Jean-Thomas Filippini, erklärte gegenüber „Corse-Matin“, die beiden seien über das Drama „am Boden zerstört“. Besonders tragisch: Auch Mitglieder ihres eigenen Personals befinden sich unter den Opfern.
Besucher berichten über Vorabend des Infernos
Doch die Trauer der Besitzer steht im Kontrast zu massiven Vorwürfen über den Zustand der Bar. Dass die Schüler Flavio Casella und Fabio Falletta das Inferno überlebten, verdanken sie nur einem glücklichen Zufall – sie hatten das Lokal lediglich einen Abend vor der Katastrophe besucht.
Ihre Schilderungen wiegen schwer: Die 18-Jährigen bestätigen die extrem niedrige Decke mit der gefährlichen Schaumstoff-Isolierung und die beklemmende Enge im Untergeschoss. „Es gab keine Feuerlöscher“, erinnert sich Falletta zudem an seinen Besuch.
Besonders fatal: Die Jugendlichen konnten außer dem Haupteingang keinerlei Notausgänge entdecken – eine Beobachtung, die erklären könnte, warum die Treppe während der Paniknacht zum tödlichen Nadelöhr wurde.