Einer Umfrage zufolge gibt es Verschiebungen innerhalb der Koalitionsparteien. Im ARD-„Deutschlandtrend“ dominiert dennoch die Unzufriedenheit mit der Regierung.
Berlin – Die Union macht innenpolitisch aktuell Schlagzeilen mit ihrer Arbeitspolitik. Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht neue Vorschläge kommen, die die Arbeitssituation der Menschen in Deutschland betreffen: Sei es von Kanzler Friedrich Merz (CDU), der generell findet, die Deutschen müssten „mehr arbeiten“, oder vom CDU-Wirtschaftsflügel, der das Recht auf Teilzeitarbeit einschränken möchte. Auch CSU-Chef Markus Söder sieht in Mehrarbeit eine Lösung für die wirtschaftlichen Probleme, weshalb er vorschlägt, eine Stunde wöchentlich mehr zu arbeiten.
Doch wie kommen diese Ideen bei der wahlberechtigten Bevölkerung an? Der ARD-„Deutschlandtrend“ liefert neue Zahlen, die der Union schlechtere Werte bescheren. Demnach verliert das Bündnis zwei Prozentpunkte, der Koalitionspartner SPD hingegen kann um zwei Punkte zulegen. In der am Donnerstag (5. Februar) veröffentlichten Umfrage liegen CDU und CSU mit 26 Prozent aber immer noch auf dem ersten Platz. Dahinter folgt mit 24 Prozent weiterhin die AfD, die allerdings im Vergleich zum Januar einen Punkt verliert.
Große Mehrheit im „ARD-Deutschlandtrend“ mit der Arbeit der Bundesregierung unzufrieden
Im Falle einer Bundestagswahl am Sonntag käme die SPD nun auf 15 Prozent; Grüne und Linke blieben konstant bei zwölf beziehungsweise zehn Prozent. BSW und FDP wären mit jeweils drei Prozent weiterhin nicht im Bundestag vertreten. Alle anderen Parteien kämen derzeit zusammen auf sieben Prozent. Mit der Arbeit der Bundesregierung sind aktuell 21 Prozent sehr zufrieden beziehungsweise zufrieden (plus ein Prozentpunkt). Eine deutliche Mehrheit von 78 Prozent jedoch ist mit der Arbeit von Union und SPD weiterhin weniger oder gar nicht zufrieden.
| Partei | Umfrageergebnis |
|---|---|
| CDU/CSU | 26 Prozent (-2) |
| AfD | 24 Prozent (-1) |
| SPD | 15 Prozent (+2) |
| Grüne | 12 Prozent |
| Linke | 10 Prozent |
| FDP | 3 Prozent |
| BSW | 3 Prozent |
| Sonstige | 7 Prozent (+1) |
Aus dem Bundeskabinett wird Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) am besten bewertet: Wie im Januar waren 57 Prozent mit seiner Arbeit zufrieden. Finanzminister Lars Klingbeil folgt mit 31 Prozent (plus fünf Punkte), punktgleich mit Außenminister Johan Wadephul (CDU). Kanzler Merz (CDU) konnte nur 25 Prozent (plus eins) überzeugen, landet allerdings noch vor AfD-Chef Tino Chrupalla mit 17 (minus drei) sowie Grünen-Fraktionschefin Britta Haßelmann mit 13 Prozent (plus eins).
Abgefragt wurde auch das sogenannte Ungerechtigkeitsempfinden. Dies ist den Erhebungen zufolge auf dem höchsten Stand seit 2008: So geht es für 62 Prozent der Befragten aktuell in Deutschland eher ungerecht zu (plus zwei Punkte im Vergleich zum Juli 2025). Dass es hierzulande eher gerecht zugehe, finden 33 Prozent. Dieses Ungerechtigkeitsempfinden wird am häufigsten mit der Schere zwischen Arm und Reich begründet. Dies sagten 35 Prozent, das sind 13 Prozentpunkte mehr als im Juli 2025. An zweiter Stelle wird die Steuer- und Abgabenbelastung genannt, die demnach als zu hoch beziehungsweise ungleich empfunden wird.
Teilzeitdebatte des CDU-Wirtschaftsflügels kommt bei Umfrage weniger gut an
Damit schaffte es die vom CDU-Wirtschaftsflügel ausgelöste Debatte in die „Deutschlandtrend“-Umfrage. Für 66 Prozent der Befragten geht der Vorschlag, das Recht auf Teilzeit nur noch Beschäftigten zu gewähren, die Kinder erziehen, Angehörige pflegen oder sich weiterbilden, in die falsche Richtung. Demgegenüber stehen 30 Prozent, die den Vorschlag begrüßen. Mehrheitlich abgelehnt wird er von Anhängern der Linken (86 Prozent), Grünen (84 Prozent), SPD (64 Prozent) und AfD (63 Prozent). Bei CDU/CSU-Anhängern stößt er aber ebenfalls auf Ablehnung: 56 Prozent äußerten sich so, nur 41 Prozent befürworten den Vorschlag.
Transparenz
Für den ARD-„Deutschlandtrend“ befragte das Institut Infratest dimap von Montag bis Mittwoch 1319 Wahlberechtigte. Die Fehlertoleranz wird mit plus/minus zwei bis drei Prozentpunkten angegeben. Der tatsächliche Wert kann also im Bereich dieser Schwankungsbreite liegen.
Fast einig sind sich die Befragten dahingehend, dass das öffentliche Angebot für Pflege und Kinderbetreuung ausgebaut werden muss: 94 Prozent fänden das richtig. Ebenso würden 65 Prozent ausländischen Fachkräften die Einwanderung erleichtern, was 9 Prozentpunkte mehr sind als im April 2024.
57 Prozent für flexible Gestaltung der Arbeitszeit
Mehrheitlich positiv sehen die Befragten das Vorhaben der Bundesregierung, die Arbeitszeitregeln in Deutschland flexibel zu gestalten: Die Koalition will statt der täglichen künftig eine wöchentliche Höchstarbeitszeit einführen, was den 8-Stunden-Tag somit nicht mehr festschreiben würde. 57 Prozent unterstützen das, 37 Prozent nicht.
Zusammengefasst trauen aktuell nur noch 31 Prozent der Union am ehesten zu, die deutsche Wirtschaft voranzubringen – das sind 6 Prozentpunkte weniger als im September 2025. Das ist in Sachen Wirtschaftskompetenz ein sehr niedriger Wert, wie bereits im September 2022 und März 1998. Die AfD käme hier auf 18, die SPD auf 9 Prozent. Gewachsen ist zuletzt der Anteil jener Befragten, die es keiner Partei zutrauen, die Wirtschaft voranzubringen: und zwar auf 26 Prozent (+5). (Quellen: dpa, AFP, Tagesschau.de) (ktho)