Die Bewirtschaftung des städtischen Waldbestands von insgesamt 2377 Hektar ist eigentlich die Kernaufgabe des Städtischen Forstamts. Doch in der Praxis ist dafür immer weniger Zeit. Nur noch knapp 60 Prozent ihrer Arbeitsstunden können die Forstbeamten für die Holzproduktion aufwenden. Denn die Bereiche „Erholung und Umweltbildung“ sowie „Leistungen für Dritte“ machen immer mehr Arbeit.
Landsberg – „Leistungen für Dritte“ – dahinter verbirgt sich die städtische Baumkontrolle. In diesem Bereich sei besonders viel zu tun, berichtete Forstamtsleiter Michael Siller beim diesjährigen Waldbegang des Stadtrats. Die Bäume an Straßenrändern und auf öffentlichem Grün müssen gepflegt werden, um der Verkehrssicherungspflicht der Stadt Genüge zu tun. Wertvolle alte Bäume müssen zuweilen aufwendig saniert werden, um sie so lange wie möglich zu erhalten.
Waldbegang des Landsberger Stadtrats: Auch Damwild muss bewirtschaftet werden
Viel Arbeit steckt das Forstamt auch in den Lechpark Pössinger Au, das Wohnzimmer der Landsberger. Die Stadtratsmitglieder besichtigten artenreiche Nachpflanzungen im Auwald, wo mittlerweile über 20 verschiedene Baumarten wachsen. Teils werden sie durch Zäune vor Verbiss geschützt.
Der Lechpark vereinigt nach den Worten Sillers sechs verschiedene „Schutzcharaktere“ in sich. Er dient dem Klimaschutz, ist Landschaftsschutz-, Vogelschutz-, FFH- und Natura-2000-Gebiet sowie ein ausgewiesener Erholungswald. In Teilbereichen beherbergt er zudem wertvolle Biotope. Deshalb müsse auch das vorhandene Damwild „bewirtschaftet“ werden. Aufgrund der Lechhangsanierung hätten im vergangenen Jahr die Bestände reduziert werden müssen – laut Siller wurden 25 Tiere geschossen. Da in den nächsten Wochen wieder Nachwuchs erwartet werde, sollen im Herbst weitere „Entnahmen“ vorgenommen werden.
Forstarbeiten im Landsberger Lechpark: Personalkosten gestiegen
Gut 17.000 Festmeter Holz wurden im vergangenen Jahr geschlagen, zum weit überwiegenden Anteil von externen Dienstleistern, was entsprechende Kosten verursacht. Aufgrund der Tarifabschlüsse im öffentlichen Dienst sind auch die Personalkosten im Forstamt selbst gestiegen, ebenso die Material- und Sachkosten, wie Forstamtsleiter Siller bei seinem Vortrag über die Betriebsergebnisse während der Mittagspause beim Waldbegang ausführte.
Demnach wurde im Bereich Produktion vor allem durch den Holzverkauf zwar ein Überschuss von knapp 98.000 Euro erzielt, doch insgesamt zeigt das Betriebsergebnis 2024 ein Defizit von 700.000 Euro. Es setzt sich vor allem zusammen aus den hohen Aufwendungen für den Lechpark Pössinger Au und die städtische Baumpflege.
Laut Michael Siller liege man mit diesem Betrag aber durchaus noch im vertretbaren Rahmen. Verteile man das Defizit rechnerisch auf die rund 30.000 Landsberger Einwohnerinnen und Einwohner, belaufen sich die Ausgaben pro Kopf auf 23,68 Euro, rechnete der Forstamtsleiter vor. „Und jede Zahl unter 50 Euro ist nicht der Rede wert.“
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