Der Verkehrsentwicklungsplan (VEP) für Landsberg ist vom Stadtrat einstimmig verabschiedet worden. Er stellt ein Gesamtkonzept möglicher Verkehrsmaßnahmen dar mit dem Ziel, die Mobilität in der Lechstadt verträglich und nachhaltig zu gestalten. Zu einer Verringerung des Verkehrs wird er jedoch nicht führen.
Landsberg - Der Verkehrsentwicklungsplan ist das Ergebnis jahrelanger Arbeit. Daniel Broschart, Referatsleiter Digitaler Zwilling, Klimaschutz und Mobilität, stellte im Stadtrat das knapp 400 Seiten starke Dokument vor. Verschiedene Studien und Konzepte werden darin zusammengeführt und weiterentwickelt.
Dazu gehören das Elektromobilitätskonzept, das Geh- und Radmobilitätskonzept, die Straßenkategorisierung sowie Planungen zum Öffentlichen Personen-Nahverkehr (ÖPNV). Der Fokus liegt auf Sicherheit, Barrierefreiheit, geringer Emissionsbelastung für Mensch und Natur sowie guter Erreichbarkeit und Anbindung von Stadt und Ortsteilen.
Der VEP enthält rund 50 Einzelmaßnahmen, die auch im Hinblick auf ihre Auswirkungen auf die gesamte Verteilung der unterschiedlichen Verkehrsarten untersucht wurden. Um die Maßnahmen leichter bewerten zu können, sind sie mit dem sogenannten Mobi-Score gekennzeichnet. Dabei handelt es sich um ein Label, das die Nachhaltigkeit einer Maßnahme in Ampelform darstellt. Diese Darstellung ist neu – entwickelt wurde sie von einem aus der Technischen Universität München hervorgegangenen Zukunftscluster – und wurde in Landsberg zum ersten Mal in der Praxis angewandt.
Verschiedene Planfälle seien durchgespielt und Alternativen untersucht worden, erklärte Broschart – etwa die Kombination eines geplanten Kreisverkehrs am Hindenburgring mit einer Westtangente und einer Nordumfahrung oder mit einer Trennung der Von-Kühlmann-Straße. Diese könnte auf Höhe des Lady-Herkomer-Stegs aus beiden Richtungen gesperrt und jeweils in eine Einbahnstraße verwandelt werden, um Durchgängigkeit für den Rad- und Fußverkehr zu schaffen.
„Ich bin mir bewusst, wie viel Hirnschmalz im VEP steckt“, sagte Christian Hettmer (CSU) im Anschluss an die Präsentation. Aber die „große Idee“, die Verkehrsbelastung in der Stadt zu verringern, werde verfehlt. Der Plan enthalte zwar viele gute Maßnahmen, „aber wir springen viel zu kurz, um der prognostizierten Entwicklung entgegenzuwirken“.
Verhalten ändern
Als Beispiel nannte Hettmer die Neue Bergstraße. Hier geht die Verkehrsprognose 2040 davon aus, dass die Fahrzeugbewegungen verglichen mit 2023 um mehr als 30 Prozent zunehmen werden. „Alle Maßnahmen werden nichts ändern, wenn wir an unserem Verkehrsverhalten nichts ändern.“
Wolfgang Weisensee (Landsberger Mitte/LM) forderte ein politisches Statement vom Stadtrat, den Autoverkehr zu erschweren. „Ein besserer Verkehrsfluss führt zwangsläufig zu mehr Verkehr.“ Stattdessen müsse man Barrieren aufbauen und Alternativen zur Verfügung stellen.
„Unser Verkehrsaufkommen steigt aufgrund unserer Siedlungspolitik“, sagte Zweiter Bürgermeister Moritz Hartmann (Grüne). „Das bekommen wir mit Planspielen nicht in den Griff.“ Mit dem VEP hat man aber ein gutes Handlungswerkzeug und eine Priorisierung. Im Rahmen einer Bürgerbeteiligung wurden bereits die Top-10-Maßnahmen ausgewählt, die als erstes umgesetzt werden sollen. An der Spitze steht eine Umgestaltung der Neuen Bergstraße, die in der Stadtratssitzung ebenfalls noch Thema war.
Für Oberbürgermeisterin Doris Baumgartl (UBV) ist der VEP „ein echter Meilenstein für Landsberg“, der die verkehrsbezogenen Beschlüsse und Gutachten der letzten Jahre zu einem schlüssigen Gesamtkonzept vereine. Es gehe nun darum, zügig in die Umsetzung zu kommen.