Ein Einheimischer deckt den Wohnwahnsinn in Meran auf. Selbst mit zwei guten Gehältern sei Wohnen in Südtirol „brutal schwierig“ geworden.
Meran – Der Wohnungsmarkt in Südtirol steht unter enormem Druck. Besonders in touristischen Zentren wie Meran wird es für einheimische Familien immer schwieriger, bezahlbaren Wohnraum zu finden. Selbst gut verdienende Mittelschichtsfamilien können sich das Leben in der Kurstadt kaum noch leisten. Das berichtet der betroffene Filmemacher Andrea Pizzini.
„Wohnen in Meran Zentrum und Obermais ist für den Mittelstand mit zwei guten Gehältern von 2000 bis 2400 Euro brutal schwierig“, erklärt er dem Tagblatt Dolomiten. Seine eigene Situation verdeutlicht das Problem: Obwohl er mit seiner Familie in Obermais zur Miete wohnt, ist das nur möglich, „weil uns Freunde bei der Miete entgegengekommen sind“. Auch das alltägliche Leben in Südtirol wird immer teurer.
Preise in Südtiroler Ort Meran gehen durch die Decke: Deutsche und Schweizer verstärken Problematik
Seit zwei bis drei Jahren suche Pizzini demnach eine Wohnung mit drei Schlafzimmern zum Kauf. Das jüngste Angebot: 130 Quadratmeter netto für 3,4 Millionen Euro. „Die Preise sind in den letzten Jahren rasant gestiegen“, berichtet er. Noch im vergangenen Jahr wurde ihm ein Eckreihenhaus für 2,5 Millionen Euro angeboten – fast eine Million weniger als aktuelle Angebote.
Die Nachfrage von wohlhabenden Käufern aus Deutschland und der Schweiz verstärke den Preisdruck. „Die Hälfte unserer Nachbarn im Haus sind Schweizer oder Deutsche, die zwei, drei Wochen im Jahr da sind“, beobachtet der Filmemacher. Eine Wohnung mit drei Schlafzimmern koste mindestens 700.000 Euro aufwärts, „im Schnitt kostet eine solche Wohnung eine Million Euro“, so Pizzini. Seine Frage: „Was bringt das der Stadt?“
Offizielle Statistiken über die Nationalität der Immobilieneigentümer gibt es nicht, doch die ASTAT-Daten zeigen: 10 Prozent aller Wohnungen in Südtirol sind Zweitwohnungen, weitere 7 Prozent werden touristisch genutzt. Das Problem beschränkt sich aber nicht nur auf Meran. Laut aktuellen Zahlen haben 2024 exakt 4.361 Personen ihren Wohnsitz aus anderen italienischen Regionen nach Südtirol verlegt – so viele wie noch nie zuvor. Gleichzeitig leben bereits 55.913 Menschen ausländischer Nationalität mit Wohnsitz in Südtirol, das entspricht 10,4 Prozent der Gesamtbevölkerung. Darunter sind 6.432 Personen aus dem deutschsprachigen Raum.
Meran bald Airbnb-Stadt? Betroffene schildern prekäre Lage – Politiker nennt konkrete Lösungsansätze
Pizzini teilte seine Lage auch über Facebook. Unter dem Beitrag melden sich in den Kommentaren weitere Betroffene zu Wort. „Brixen das gleiche Spiel“, kommentiert eine Nutzerin. „Hab das Gefühl, dass es fast nur noch B&B gibt.“ Ein anderer meint ironisch: „Wir könnten Zelte in den Apfelwiesen aufstellen.“ Doch auch für Normalverdiener-Touristen wird es aufgrund der Preise immer schwieriger.
Eine Frau berichtet, sie suche seit zweieinhalb Jahren erfolglos nach einer Mietwohnung für zwei Erwachsene. Nach der Kündigung durch ihren Vermieter wohne sie nun bei ihrem Ex-Partner, sonst wäre sie obdachlos. Ein anderer Nutzer weist darauf hin, dass besonders „Geringverdiener wie Verkäufer, Friseurinnen oder Floristinnen“ betroffen seien. Auch der Meraner Stadtrat Reinhard Bauer reagierte auf den Post und beschrieb konkrete Maßnahmen: In Postgranz sei im März ein Projekt mit rund 50 geförderten Wohnungen für Ansässige auf den Weg gebracht worden. Auch ein Bettenstopp für Airbnb-Unterkünfte wurde verhängt. Die Stadtregierung arbeite an einem „Gesamtkonzept“ mit gefördertem Wohnbau und Preisbindung.
Pizzini betont, er sei „ganz liberal eingestellt“ und habe „nichts gegen die Leute, die mit ihrer Immobilie Geschäft machen“. Doch er fordert eine Balance zwischen Auswärtigen und Einheimischen. „Ich will, dass sich die Politik dieses Problems bewusst wird. Aber ich habe eher das Gefühl, dass man es treiben lässt.“ Seine Sorge: „Einheimische werden ersetzt durch Touristen. Dann wird Meran eine Airbnb-Stadt wie Venedig.“ Auch seine Familie überlegt bereits wegzuziehen. Beliebte Südtirol-Urlaubsziele kämpfen aber auch noch mit einem ganz anderen Problem. (jh)