Airline kontrolliert Handgepäck-Regel jetzt knallhart – für Urlauber kann es dann teuer werden

  1. Startseite
  2. Verbraucher

Kommentare

Die Billig-Airline Ryanair kündigt Änderungen an. Zukünftig soll Handgepäck deutlich stärker kontrolliert werden. Deutsche Gewerkschafter sind dagegen.

München – Die verschärften Handgepäckkontrollen bei der irischen Fluggesellschaft Ryanair sorgen für Kritik bei deutschen Gewerkschaftern. «Sie verderben die Stimmung schon vor dem Start, wenn man ohnehin gestresste Passagiere angeht», warnt Joachim Vazquez Bürger, Chef der deutschen Flugbegleitergewerkschaft Ufo. Der Hintergrund: Ryanair-Konzernchef Michael O‘Leary will dem Bodenpersonal künftig höhere Prämien zahlen, wenn es bei Fluggästen zu schwere oder zu große Handgepäckstücke aufspürt.

Die Billig-Airline Ryanair kündigt Änderungen an. Zukünftig soll Handgepäck deutlich stärker kontrolliert werden. Deutsche Gewerkschafter sind echauffiert. (Symbolbild) © Bihlmayerfotografie/Imago

Die Prämie pro entdecktem Gepäckstück steigt ab November von 1,50 Euro auf 2,50 Euro und wird nicht mehr monatlich gedeckelt. Für ertappte Passagiere bedeutet dies hohe zusätzliche Gebühren, denn sie müssen ihr Handgepäck dann kostenpflichtig als reguläres Gepäck aufgeben lassen. Die irische Airline begründet ihre auch für deutsche Flughäfen geltende Maßnahme mit dem Ziel schnellerer Abläufe. Verzögerungen durch nicht ordnungsgemäß verstaubares Handgepäck können kostspielige Verspätungen verursachen, heißt es. Ryanair hatte im vergangenen Jahr ihr Flugangebot in Deutschland gekürzt.

Verschärfung der Gepäck-Regeln: Gewerkschafter befürchtet Konflikte an Bord

Der Ufo-Gewerkschafter Bürger befürchtet jedoch, dass diese Praxis zu mehr Konflikten an Bord führen könnte. „Man schafft sich seine ‚unruly passenger‘ selbst“, erklärt er. Als „unruly passengers“ gelten Fluggäste, die durch unangemessenes Verhalten die Sicherheit des Fluges gefährden. Ryanair geht bereits jetzt mit zivilrechtlichen Maßnahmen gegen Störer vor und verlangt 500 Euro Geldbuße pro Fall. Die Airline hat in diesem Zusammenhang sogar schon Alkoholverbote an Flughäfen gefordert.

Im günstigsten Tarif erlaubt Ryanair kostenfrei nur ein kleines Handgepäckstück in der Größe von 40x30x20 Zentimeter. Normale Kabinenkoffer können ausschließlich gegen Aufpreis mit in die Kabine genommen werden. Diese Praxis hat bereits Kritik von Verbraucherschützern und vom EU-Parlament hervorgerufen. Wessen Handgepäck zu groß oder zu schwer ist, der muss nachzahlen. Zwischen zwölf und 36 Euro werden für Gepäck bei einer Onlinebuchung fällig – wird erst am Flughafen nachgebucht, kostet es 20 bis 60 Euro. Wird erst am Gate erkannt, dass das Gepäck zu groß ist, wird eine Gebühr von 75 Euro fällig, schreibt theguardian.com.

Nur bei Ryanair: Andere Fluggesellschaften gehen anders vor

Ein Ryanair-Sprecher verteidigt die Maßnahmen entschieden: „Wir sind entschlossen, die Geißel der übergroßen Gepäckstücke zu beseitigen, die das Einsteigen verzögern und für die über 99 Prozent unserer Fluggäste, die sich an unsere Gepäckbestimmungen halten, eindeutig unfair sind.“ Die restlichen ein Prozent wolle die Airline aber erwischen.

Andere Fluggesellschaften verfolgen einen anderen Ansatz. Bei der Lufthansa gibt es laut einem Unternehmenssprecher „keine Anreize und keine Strafgebühren.“ Stattdessen sollen Crews und Bodenpersonal potenzielle Probleme mit übermäßigem Handgepäck frühzeitig erkennen und einvernehmlich lösen. Eine Sprecherin von Easyjet betonte ihrerseits, dass das Personal an Gates und Gepäckkontrollen nicht direkt bei der britischen Airline angestellt sei. (rd/dpa)

Auch interessant

Kommentare