Lawinen-Drama in Italien: 14 Verschüttete und vier Tote an nur einem Tag

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Vier Menschen sterben bei Lawinenunglücken in den italienischen Alpen. Der Klimawandel verstärkt das Risiko für die Bergsteiger zusätzlich.

Sondrio – Bei mehreren Lawinenabgängen in Norditalien sind vier Menschen ums Leben gekommen und weitere verletzt worden, berichtet die Deutsche Presse-Agentur (dpa). Die Vorfälle ereigneten sich an einem Tag mit sehr hoher Lawinengefahr – es galt die Warnstufe drei auf der fünfteiligen europäischen Skala für Lawinengefahr.

Schild vom Lawinenwarndienst im Schnee: geschlossene Piste.
Gleich 14 Menschen wurden in Norditalien von Lawinen verschüttet, 4 Opfer sind zu vermelden. (Symbolbild) © Malin Wunderlich/dpa

Im Trentino meldete die italienische Bergwacht zwei Lawinen mit jeweils einem Toten. Bei dem ersten Vorfall wurden zunächst vier Menschen vermisst. Nach einer großangelegten Such- und Rettungsaktion der Bergwacht konnten zwar alle vier gefunden werden, einer der zwei Verletzten erlag jedoch später im Krankenhaus seinen Verletzungen.

Erste Lawine im Trentino fordert ein Menschenleben

Das Opfer ist ein 40-Jähriger aus Primiero, der nach 40 Minuten unter der Schneemasse in der Zone Forte Buso oberhalb des Paneveggio-Sees geborgen wurde, berichtet Il Dolomiti. Die Rettungskräfte reanimierten ihn vor Ort, doch er starb später im Krankenhaus Santa Chiara in Trient.

Zweite Lawine auf der Marmolada am selben Tag – Skitourengeher verschüttet und weiterer Toter

Am Nachmittag folgte das zweite Drama an der Punta Rocca auf der Marmolada. Der 41-jährige Alex Farronato aus Bassano del Grappa wurde von einer Lawine erfasst und getötet, so Il Dolomiti. Die vier Skifahrer hatten die Pisten verlassen, um abseits zu fahren, und waren mit Lawinenverschüttetensuchgerät, Schaufel und Sonde ausgerüstet. An der Marmolada stürzte zuletzt auch ein Skifahrer in eine Gletscherspalte.

Weitere Lawinenabgänge auch in Valtellina, Piemont und Aostatal

In der Alpenregion Valtellina löste sich laut dpa zunächst eine Lawine und erfasste drei Skitourengeher, zwei von ihnen kamen ums Leben. Die Opfer sind 35 und 46 Jahre alt, so Il Dolomiti. Ein 53-jähriger Bergsteiger habe schwer verletzt überletzt und sei per Hubschrauber ins Krankenhaus von Sondrio gebracht worden.

Auch im Aostatal an der Grenze zur Schweiz und zu Frankreich gab es laut dpa einen Vorfall. Ein Lawinenabgang erfasste zwei Skitourengeher aus einer Gruppe von fünf Personen. Sie waren jedoch angemessen ausgerüstet und konnten sich aus den Schneemassen befreien. Ebenso wurde in Piemont ein deutscher Skitourengeher am Passo di San Giacomo bei Sestriere von einer Lawine erfasst. Er wurde zum Glück aber nicht verschüttet, meldet RaiNews.

Gefahr für Lawinen wächst – und es trifft vor allem erfahrene Tourengeher

Der Klimawandel sorgt zwar oft für weniger Schnee. Doch das mindert die Gefahr nicht unbedingt. Im Gegenteil: In einer dünneren Schneedecke können sich bei Frost leichter kantige Kristalle bilden – eine gefährliche Gleitschicht, so ein Experte gegenüber der dpa. Zur Entstehung von Lawinen würde neben Schneefällen, Temperatur und Hangausrichtung auch der Wind beitragen.

Immer seltener gäbe es perfekte Neuschneetage. Deshalb gehe mancher dann los, um den unberührten Hang zu finden, obwohl die Lage Zurückhaltung erfordert hätte, erklärt der Experte. „Es sind nur selten Anfänger betroffen, es trifft oft erfahrene Tourengeher - allein, weil sie sich öfter dem Risiko aussetzen“. Einmal von den Schneemassen erfasst, beginnt ein Wettlauf mit der Zeit. Nur sehr kurz sind die Überlebenschancen gut. Schon nach zehn Minuten droht Ersticken.

Auch derzeit sei der Schnee durch den Temperaturanstieg extrem instabil. Die nun dazugekommenen jüngsten Schneefälle machten die Berge derzeit besonders gefährlich, meldet RaiNews. Die Situation wäre in den italienischen Alpen bereits am Morgen kritisch gewesen: Der Soccorso Alpino des Trentino warnte vor „sehr heimtückischen Bedingungen für Exkursionen und Fahrten abseits der Piste“, berichtet Il Dolomiti. In der Valle d‘Aosta wurde für die Grenzgebirge Lawinenwarnstufe 3 (erheblich) ausgegeben, so das regionale Wetteramt. Zusätzlich sei das Risiko durch die vom Wind verursachten Schneeansammlungen. erhöht worden. Die Gefahrenstellen seien auch für Geübte kaum zu erkennen.

Die Carabinieri von Sondrio haben derweil Ermittlungen zur genauen Unfallursache eingeleitet. Die Rettungsaktionen liefen unter schwierigen Wetterbedingungen mit Hubschraubern der Feuerwehr, des Soccorso Alpino und der Guardia di Finanza. Zuletzt starben acht Personen bei gleich mehreren Lawinen in Österreich. (Quellen: dpa, RaiNews, IlDolomiti) (jh)

Информация на этой странице взята из источника: https://www.merkur.de/welt/lawinen-drama-in-italien-14-verschuettete-und-vier-tote-an-nur-einem-tag-zr-94159762.html