Über einen Monat nach der Brandkatastrophe in Crans-Montana sind noch einige Fragen unbeantwortet. Jetzt meldet sich die Bar-Besitzerin zu Wort.
Crans-Montana – Die Walliser Staatsanwaltschaft ermittelt gegen das Ehepaar Moretti wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung und fahrlässiger Brandstiftung. Mehr als einen Monat nach der verheerenden Brandkatastrophe von Crans-Montana, die 41 Menschen das Leben kostete, äußert sich Jessica Moretti nun erstmals öffentlich zu den Vorwürfen. Die 40-jährige Französin, die gemeinsam mit ihrem Mann Jacques die Bar „Le Constellation“ betrieb, ringt um Fassung, als sie ihre Sicht der Ereignisse in der Neujahrsnacht darlegt.
„Ich will die Wahrheit“, erklärt die Barbesitzerin gegenüber dem Corriere della Sera. Sie zeigt sich erschüttert angesichts der 41 Todesopfer, die in der Silvesternacht in ihrer Gaststätte starben. Besonders bewegt zeigt sie sich beim Gedanken an Cyane Panine, die 24-jährige Kellnerin mit dem Werbehelm, die als Auslöserin des Brandes gilt. „Sie nannte mich ‚Tante Jessica‘“, sagt Moretti über die junge Frau, die bei der Katastrophe starb.
Zeugen sagen gegen die Barbesitzerin aus – Aktion soll angeordnet gewesen sein
Die Untersuchungsunterlagen der Schweizer Ermittler enthüllen belastende Einzelheiten zu Morettis Beteiligung an der Brandnacht. Wie es heißt, war die Barbesitzerin direkt an der verhängnisvollen Champagner-Show beteiligt. „Ich habe ihnen geholfen und die letzten beiden Flaschen selbst getragen“, gestand sie bei ihrer Vernehmung am 1. Januar, berichtet unter anderem blick.ch.
Zeugenaussagen belegen, dass Moretti die Aktion mit den Wunderkerzen sogar persönlich angeordnet hatte. Eine Freundin der verstorbenen Kellnerin Cyane berichtete den Ermittlern, wie die Chefin das Personal für die Show zusammenrief und sogar Requisiten verteilte. Moretti soll der jungen Kellnerin befohlen haben, einen batteriebetriebenen Werbehelm aufzusetzen – was dazu führte, dass Cyane nicht bemerkte, wie die Funken der Wunderkerzen die Decke berührten.
Gegen beide Eheleute laufen weiterhin Ermittlungen
Während die Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung und fahrlässiger Brandstiftung gegen beide Eheleute laufen, befindet sich Jacques Moretti nach seiner zwischenzeitlichen Untersuchungshaft gegen eine Kaution von 200.000 Schweizer Franken wieder auf freiem Fuß, während seine Frau unter strengen Auflagen in Freiheit bleibt. Sie darf die Schweiz nicht verlassen und muss täglich bei der Polizei erscheinen.
Die Ermittlungen decken immer neue Details auf: Opferanwälte haben Beweise vorgelegt, die zeigen, dass es bereits 2024 einen Brand in der Bar gab – ausgelöst durch dieselbe Art von Wunderkerzen. Dies wirft die Frage auf, ob die Betreiber über die Gefahren informiert waren.
Diplomatische Spannungen nach Brandkatastrophe in Crans-Montana
Die Brandkatastrophe hat auch diplomatische Spannungen ausgelöst. Die italienische Regierung unter Ministerpräsidentin Giorgia Meloni kritisierte die Entscheidung der Schweizer Justiz, Jacques Moretti freizulassen, scharf und forderte ein gemeinsames Ermittlungsteam beider Länder. Während Jessica Moretti nun erstmals öffentlich spricht und beteuert, die Wahrheit sagen zu wollen, müssen die Gerichte klären, welche Verantwortung die Betreiber für die Tragödie tragen, die 41 junge Menschen das Leben kostete. (Quellen: Corriere della Sera, Blick, dpa) (rd)
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