Einem Bericht zufolge war der Silvesterbrand im „Le Constellation“ nicht das erste Feuer in der Bar. Wussten die Betreiber, was passieren kann?
Crans-Montana – Seit der Brandtragödie in der Bar „Le Constellation“ im Schweizer Nobelskiort Crans-Montana ist für Opfer und Angehörige nichts mehr, wie es einmal war. Zuletzt hatte die Freilassung des in Untersuchungshaft sitzenden Betreibers für große Empörung gesorgt.
Jetzt sorgt ein Bericht aus Italien für Aufsehen: Wie die italienische Zeitung La Republica schreibt, kam es bereits vor der tragischen Brand-Katastrophe mit etlichen Toten und Verletzten zu einem Feuer in der Bar – Schuld waren die gleichen Feuerwerkskörper. Der Bericht wirft die Frage auf, ob die Betreiber mit einem Unglück rechnen konnten.
Brisante Details: Im „Le Constellation“ brannte es schon 2024
Wie die Zeitung berichtet, habe einer der Anwälte der Opfer, Sébastien Fanti, den Ermittlern eine explosive Akte vorgelegt. Neben E-Mails von Zeugen und Überlebenden sollen die Dokumente beweisen: Im Jahr 2024 brannte es bereits einmal im „Le Constellation“.
Besonders heikel: Auch damals sollen es demnach Sprühfontänen an Champagnerflaschen gewesen sein, die zu nah an die nicht feuerfeste Zwischendecke kamen und diese in Brand setzten. Details zu den möglichen Beweisen blieben in dem Bericht der italienischen Zeitung allerdings unklar. Die Walliser Staatsanwaltschaft blockt alle Medienanfragen ab und verweist darauf, dass Mitteilungen nur in Form von Pressemitteilungen erfolgen. Dass in der Bar jedoch bereits in der Vergangenheit regelmäßig mit Feuerwerk an Champagnerflaschen hantiert wurde, zeigt laut T-Online ein Werbevideo vom Mai 2024.
Die Vorwürfe gegen die Betreiber sind nicht die ersten, so sollen sie auch versucht haben, Beweise zu vernichten. Auch verschlossene Notausgänge sorgen für Diskussionen.
Betreiber unter Druck: War eine Katastrophe absehbar?
Der Bericht wirft einige Fragen auf, insbesondere aber, ob die Betreiber der Bar Jacques und Jessica Moretti mit einem solchen Unglück rechnen konnten. Bisher hatte das Paar den Eindruck erweckt, dass die Tragödie nicht vorhersehbar gewesen sei. Die italienische Zeitung Corriere della Sera berichtet einer Vernehmung zufolge, dass das Paar nicht gewusst hätte, dass die Schaumstoffpaneele an der Decke der Bar leicht entflammbar sind.
Die Enthüllungen des Anwalts Fanti stellen die Darstellungen des Betreiberpaares nun jedoch infrage. Gegen die Betreiber laufen Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung sowie fahrlässiger Brandstiftung. Es gilt die Unschuldsvermutung. Jacques Moretti war am Freitag gegen eine Kaution von 200.000 Schweizer Franken (rund 215.000 EUR) unter Auflagen aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Der Franzose saß seit dem 9. Januar in Untersuchungshaft, seine Freilassung hatte zu großer Empörung gesorgt. Insbesondere aus Italien, das sechs Todesopfer und mehr als ein Dutzend der 116 Schwerverletzten zu beklagen hat, kam scharfe Kritik.
Bei dem verheerenden Brand in der Silvesternacht waren 40 oftmals minderjährige Menschen ums Leben gekommen, 116 Menschen wurden schwer verletzt. Mehr als drei Wochen nach der Brand-Katastrophe werden nach Angaben von Schweizer Behörden und Krankenhäusern noch immer rund 70 Verletzte in Krankenhäusern in der Schweiz und anderen Ländern behandelt. Einige der Schwerverletzten befinden sich weiter auf der Intensivstation und kämpfen ums Überleben. (Quellen: La Republica, Corriere della Sera, T-Online, 20Minuten, dpa) (phs).