Stoßbuddeln im Alpenraum: Wettbewerb mit winzigen Kegeln

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Endlich ist die Zeit wieder gekommen: Beim Stoßbuddel-Turnier in Ohlstadt machen Stefan Stadler (links) und Michael Hägle von den Gebirgsschützen schon einmal die fleißigen Kegelbuam. © Günter Bitala

Immer wenn es draußen kalt ist, treffen sich die Menschen zum Stoßbuddeln. Das ist eine Variante, die sich im Werdenfelser Land aus den uralten Tischkegelspielen entwickelte, und rasch die Leute im südlichen Oberbayern begeisterte.

Ohlstadt - Manchmal steht ein Stoßbuddel-Tisch in der Ecke einer Wirtsstube, an dem ausgeschossen wird, wer die nächste Runde Bier bezahlen muss. Es gibt Stoßbuddel-Turniere mit dutzenden Teilnehmern; Männer genauso wie Frauen. Ein Beispiel ist der Wettbewerb des ‚Stammtisches Silbertropfen‘ in Partenkirchen. Im April 1961 hatte der Club zum ersten Preis-Stoßbuddeln eingeladen. Siegestrophäe war – wie es in der Chronik der Stammtischler heißt – ein ‚hoarada Widder‘; also ein gehörnter Schafbock. Anton Grasegger (gestorben 1984) und seine Mitstreiter machten das Silbertropfen-Preiskegeln im ganzen Oberland bekannt.

Gespielt wird von Oktober bis Dezember. Um Protesten von Tierschützern vorzubeugen: Den lebenden Widder als ersten Preis gibt es seit 1984 nicht mehr. Das Endkegeln und die Preisverteilung Mitte Dezember, sind ein gesellschaftlicher Pflichttermin.

Wie in Partenkirchen, so steigt auch jährlich im Januar ein Stoßbuddel-Turnier im Ohlstädter Dorfbachstüberl.Vor drei Jahrzehnten hatte Manfred Poschenrieder die Idee zu dem Wettstreit mit den winzigen Kegeln. Seitdem treffen sich in den Wochen nach Weihnachten bei ihm im Wirtshaus die Tischkegler. Die Organisation übernimmt die Gebirgsschützenkompanie Ohlstadt. Hauptmann Michael Hägle schätzt, dass heuer um die 180 Spieler und Spielerinnen dabei sein werden.

Die Teilnehmenden kommen aus dem Landkreis Garmisch-Partenkirchen, aus den Nachbarlandkreisen und aus dem Allgäu. Das Turnier beginnt am Dienstag, 7. Januar 2025. Gespielt wird täglich – außer sonntags – ab 18 Uhr. Jeder kann mitmachen. Siegerehrung ist dann am Samstag, 8. Februar 2025, im Postsaal. Dabei werden zuerst die Siegerplätze ‚ausgerittert‘ und dann die Preise vergeben. Informationen erfragen und Anmelden ist unter der Telefonnummer 08841-7503 möglich.

Eine Kegelgasse für den ‚Stier‘

Um Stoßbuddeln zu beschreiben, passt der Begriff ‚Tischkegeln‘ wohl am besten. Am Ende einer Spielbahn – die auf einem Tisch steht – befinden sich neun winzige Kegel. Aufgabe ist es, diese Figürchen mit einer Kugel umzuwerfen. Die Spieler benutzen dazu einen Queue, wie beim Billard.

Die Regeln sind nicht schwer. Die neun Kegel sind in Form eines auf der Spitze stehenden Quadrates platziert . Der rote König kommt in die Mitte. Jeder Spieler hat drei Versuche, jeder umgestoßene Kegel ergibt einen Punkt. Wichtig hierbei: Der Kegel an der vorderen Spitze muss auf alle Fälle umfallen, sonst ist der Versuch ungültig. Bleiben Kegel in einer bestimmten Formation stehen, bringt das für den Spieler zwar keine Extrapunkte, aber die Kegelbuam kriegen ein Zehnerl ins Sparschwein. Beispiele: Beim ‚Stier‘ werden die drei Kegel in der mittleren Reihe umgeworfen. Die verbleibenden Kegel bilden quasi eine Gasse für die Kugel. Eine andere Variante ist, wenn alle Kegel umfallen, nur der König stehen bleibt.

Tischkegeln ist im gesamten Alpenraum daheim. Wo die regionalen und zeitlichen Ursprünge liegen, weiß niemand mehr zu sagen. Die Österreicher und Südtiroler spielen statt mit Kugel und Queue mit einem Kreisel. Eine andere Spielart ist es, die an einer Schnur aufgehängte Kugel ins Schwingen zu bringen. Dadurch werden die im Kreis stehenden Kegel umgeworfen.

Das Stoßbuddeln mit Queue ist eine Spezialität des Werdenfelser Landes. Das war nicht immer so. Das Bayerische Nationalmuseum in München ist in Besitz eines Tischkegelspiels aus dem Jahr 1830. Es stammt wahrscheinlich aus Oberammergau, der damaligen Hochburg der Holzspielzeugmacherei.

In diesem Fall stehen die neun Kegel auf einer farbig bemalten Spielplatte. Am anderen Ende des Tisches befindet sich eine gedrechselte Soldatenbüste über die eine Kugel ins Spiel rollt; ähnlich einer Schusserbahn. Dieses kunstvoll gestaltete Tischkegelspiel war nicht für den täglichen Gebrauch gedacht. Es war nur an Weihnachten und am Namenstag des Besitzers hervorgeholt worden.

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