Den Klimawandel kann Klement Fend aus den Unterlagen der ‚AktivArena am Kolben‘ herauslesen. Der frühere Bürgermeister von Oberammergau ist einer von neun Gesellschaftern und gleichzeitig Geschäftsführer der – verkürzt gesagt – „Kolben“- GmbH. „Vergangenen Winter hatten wir mit unseren Liften 32 Betriebstage“, so Fend. Das sei viel zu wenig, um ein rentierliches Unternehmen führen zu können. „Wir mussten handeln!“
Oberammergau - Die ‚AktivArena am Kolben‘ besteht aus der Kolbensattelhütte, einem Doppelsessellift, Skischleppliften und einer Beschneiungsanlage. Im April 2011 erwarben Bürger von Oberammergau und Unterammergau mit Unterstützung der Ettaler Klosterbetriebe GmbH die gesamte Anlage von der Gemeinde Oberammergau. Fend erinnert sich: „Wir wussten, dass der Vorbesitzer trotz künstlicher Beschneiung nicht auf einen grünen Zweig kam. Finanziell ein Riesenrisiko für uns Gesellschafter. Aber wir glaubten an unser Konzept, zusätzlich zur Wintersaison schrittweise einen Sommerbetrieb für die ganze Familie auf die Beine zu stellen.“
Herzstück bildet neben der erweiterten Kolbensattelhütte mittlerweile als Attraktion während der warmen Jahreszeit, der sogenannte ‚AlpineCoaster‘. Das ist eine auf Schienen geführte Rodelbahn, auf der die doppelsitzigen Schlitten aus 1.258 Metern Höhe, über 2600 Metern und 73 Kurven bei einer Höchstgeschwindigkeit von 40 km/h ins Tal flitzen.
Die bittere Erkenntnis heute: Während das Sommergeschäft floriert, gehen die Umsätze des Winters laufend zurück. Fend weiß: „Die Gewinne der Sommersaison werden von den Verlusten des Winters aufgefressen. Das funktioniert für eine begrenzte Zeit.“
Aufgeben ist keine Option
Im vergangenen Frühsommer setzten sich die Gesellschafter zusammen. Um den Betrieb am Kolben weiterzuführen, hatten sie zwei Alternativen. Die dritte Option – nämlich komplett zuzusperren – kam nicht in Frage. „Wir steckten bereits viel Geld und Engagement in die AktivArena. Vor allem fühlten wir uns für die Mitarbeitenden und ihre Familien verantwortlich“, erinnert sich der Gesellschafter. Die AktivArena beschäftigt 35 Leute als Stammpersonal, und kann in Stoßzeiten auf 45 Beschäftigte aufstocken.
Zur Diskussion stand, sich auf den Sommer zu konzentrieren, und das Winterangebot massiv zu reduzieren. Bedeutet: Lifte und Hütte nur in den Ferien zu bewirtschaften. Keine Lösung für Fend: „Nee, nicht mit uns. Das wollen wir nicht!“
Also kommt nur die zweite Variante in Frage. Die AktivArena am Kolben wird zum wetterrobusten Ganzjahresbetrieb umgestaltet. Die Gesellschafter zogen an einem Strang und entwickelten gemeinsam Ideen. Die Gemeinde Oberammergau segnete das neue Konzept in windeseile ab. Fend berichtet: „Wir schränken den Skibetrieb massiv ein. Der Schlepper II, die Seil-, Teller- und Wanklifte laufen nur noch wenn Naturschnee liegt. Das reicht, damit die Einheimischen, vor allem Kinder und Jugendliche, bei uns Skifahren können. Für Tourengeher weisen wir eine naturbelassene Aufstiegsspur aus. Aber: Wenn es nicht schneit, dann geht halt nichts!“
Die Zeit drängte, es war Juni 2024 und das neue Angebot sollte kurz vor Weihnachten auf dem Markt sein. Zur Finanzierung standen maximal 500.000 Euro zur Verfügung. Klement Fend: „Wir sind stolz darauf, dass wir die Umgestaltung mit unseren regionalen Handwerkern in wenigen Monaten bewerkstelligen konnten.“
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Der ‚AlpineCoaster‘ soll nun auch im Winter zum Publikumsmagneten werden. Die Anlage bekam deshalb einen überdachten ‚Bahnhof‘ an der Talstation. Frostsicher sind jetzt auch die Schlittenzuführung, der Schrägaufzug und der Speicherkreisel am Berg. Das ist Grundvoraussetzung für einen zuverlässigen Winterbetrieb – genauso, wie die beheizbare Schienentrasse. Jetzt kann nichts mehr einfrieren. Für die Wintersportler heißt es: Mütze auf, Handschuhe an! Los geht’s!
Menschen der Region sind die Zielgruppe
Die bisherige Skiabfahrt gibt es nicht mehr. Dafür schlängelt sich auf Schnee die nagelneue Rodelpiste hinab ins Tal. Fend erklärt: „Zum rodeln brauchen wir eine schmälere Piste als zum Skilaufen. Das heißt weniger Kunstschnee, weniger Wasser, weniger Strom. Das ist kostengünstig und nachhaltig.“ Ähnliche Rodelabfahrten gibt es nur wenige in Deutschland. Die ‚AktivArena am Kolben‘ hat damit also ein echtes Alleinstellungsmerkmal. Auch weil es hier in den kommenden Jahren eine organisierte Rodelschule geben soll. Rodeln soll weg vom Schlittenfahrt-Image, und will als sicherer Breitensport professionell gelernt sein. „Mit 200 hochwertigen, mit Bremsen ausgetatteten Leihschlitten, fangen wir an. Wir sind Lernende, und können unser Angebot kurzfristig dem Bedarf anpassen.“
Die Gesellschafter der ‚AktivArena am Kolben‘ rechnen, durch das neue Konzept 300 bis 350 Betriebstage pro Jahr erreichen zu können. „Unsere Zielgruppen sind die Menschen der Region, unsere Feriengäste und natürlich Familien mit Kindern“, ergänzt Fend.
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