Nachdem eine 36-Jährige kürzlich am Brauneck von einer Kuh getreten worden ist, erklärt der Bauern-Kreibobmann Peter Fichtner, was Wanderer dringend beachten sollten, wenn Kühe in der Nähe sind.
Ein Einsatz, den die Bergwacht Lenggries am vergangenen Wochenende zu bewältigen hatte, lässt aufhorchen: Eine Frau (36) wurde beim Wandern am Brauneck auf Höhe des Speicherteichs am Garland von einer Kuh getreten, wie die Bergwacht auf Nachfrage erläutert. Die Frau stürzte daraufhin und zog sich wie bereits berichtet eine Schlüsselbeinfraktur zu. Warum das Tier sich so verhalten hat, sei unklar. Im Interview erklärt Bauernverbands-Kreisobmann Peter Fichtner, wie man sich bei Kontakt mit Kühen beim Wandern am besten verhalten sollte.
Herr Fichtner, vor wenigen Tagen kam es zu einer Kuh-Attacke auf eine Frau am Brauneck. Passiert sowas häufiger?
Nein, das kommt wirklich fast nie vor. Vor allem auch, dass Kühe treten, ist sehr selten.
Wie kann man sich so einen Vorfall dann erklären?
Mei, das ist schwer zu sagen. Normalerweise gehen Kühe von sich aus nicht auf Menschen los. Aber natürlich kann es immer sein, dass sich ein Tier aus irgendwelchen Gründen gestört fühlt und dann anders oder für den Menschen unerwartet reagiert. Wenn Kälber dabei sind, muss man von Haus aus sehr vorsichtig sein, da kann es auch bei Kühen sein, dass sie sehr empfindlich auf Menschen reagieren, weil sie meinen, ihren Nachwuchs verteidigen zu müssen. Eine mögliche Erklärung könnte auch sein, dass sich die Wandererin vielleicht von hinten der Kuh genähert hat und diese sich dann erschrocken hat. Generell sollte man nie von hinten den Tieren näher kommen.
Frau (36) am Brauneck von Kuh getreten
Woran merkt man denn, dass eine Kuh gereizt ist?
Eine gängige Drohgebärde ist, dass sie den Kopf Richtung Boden senken und gezielt auf einen zugehen. Dann ist es aber auch höchste Zeit, das Weite zu suchen.
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Wie sucht man denn am besten das Weite? Ist Weglaufen bei Fluchtieren eine so gute Idee?
Nein, rennen würde ich nicht. Erstens geht Laufen immer mit der Gefahr einher, dass man stolpert und dann auf dem Boden liegt und zweitens kann das in der Herde Panik auslösen. Man sollte bestimmt, aber ruhig, zur Seite gehen und sich konstant von dem Tier entfernen. Generell ist es aber immer am sichersten, erst gar nicht zu nah an eine Kuhherde heranzutreten. Abstand ist immer wichtig.
Stecken kann helfen Abstand zu schaffen
Beim Wandern kann es aber immer zu Situationen kommen, in denen man nicht weit von Kühen entfernt sein kann. Etwa wenn man sie auf einem Steig trifft oder sie vor einem Gatter stehen, welches man passieren muss.
Ja, das stimmt. In diesem Fall würde ich schauen, ob es eine mögliche und sichere Variante gibt, einen Bogen um die Tiere herumzumachen. Der Klügere gibt schließlich immer nach. Und wenn das nicht geht, ist es hilfreich einen Stecken dabei zuhaben.
Wie setzt man den Stecken in solchen Situationen richtig ein?
Der Stecken, das kann natürlich auch ein Wanderstock sein, kann dann als verlängerter Arm dienen. So kann man zusehen, dass man sich eine gewisse Distanz zu den Tieren verschafft. Natürlich muss man damit auch ruhig und gezielt umgehen und darf damit keine hastigen Bewegungen machen. Es ist bei Kühen immer wichtig, keine Unruhe und Panik auszulösen.
Hunde in Gefahrensituation von Leine lassen
Gibt es allgemeine Verhaltensregeln für Wanderer, die auf Kühe treffen?
An sich muss man einfach seinen gesunden Menschenverstand einschalten. Das ist das A und O. Um das Verhalten einer Kuh richtig zu deuten, braucht man eine gute Beobachtungsgabe und muss sich ein bisserl mit den Tieren auskennen. Das trifft auf die wenigsten Wanderer zu. Deswegen kann ich nur dazu raten, vorsichtshalber immer so gut es geht auf Abstand zu bleiben, und die Tiere nicht anzufassen. Es sind auch Individuen, und da kann es immer sein, dass ein Tier mal anders reagiert als man denkt. Wenn es sehr schwül ist und sie von den Rossbremsen geplagt sind, kann es auch schon sein, dass sie etwas gereizter sind. Mit Hunden muss man zusätzlich gut aufpassen. Sie nicht frei herumlaufen lassen am Berg und im Zweifel, wenn es zu Kontakt zwischen Hund und Kuh kommt, den Hund von der Leine lassen, damit er abhauen kann.