Im Auftrag des Landkreises ist Hans Adlwarth als Ranger am Walchensee und an der Oberen Isar im Einsatz. Nach all der Zeit bemerkt er, dass seine Arbeit Früchte trägt. Aber es begegnen ihm immer wieder neue Trends und ungekannte Verhaltensweisen, bei denen er einschreiten muss.
Ausflügler, die hier die wunderschöne Landschaft genießen, für einen respektvollen Umgang mit der Natur sensibilisieren: Das ist die Aufgabe und das Herzensanliegen von Hans Adlwarth, der als Ranger an der Oberen Isar und am Walchensee tätig ist. Mit den sonnigen Pfingstferien und in der seither andauernden Hitzewelle ist die Saison für ihn und seine Kolleginnen und Kollegen bereits in vollem Gange. „Besonders viel war über das lange Wochenende mit Fronleichnam und dem Brückentag los“, berichtet er.
Ranger im Einsatz für die Natur
Zwei Vollzeit- und vier Teilzeit-Ranger seien heuer im Einsatz, unterstützt von drei ehrenamtlichen Naturschutzwächtern. Das Gebiet, das sie abdecken, reicht vom Tölzer Stausee die Isar hinunter bis zur Landesgrenze Richtung Eng und zum Achensee, den Walchensee und den Bereich bis zum Landkreis Garmisch-Partenkirchen und ins Vorkarwendel.
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Die größte Problematik sieht Adlwarth aktuell in verbotenen Lagerfeuern und Grillstellen. „Bei der jetzigen Trockenheit in der Natur zu grillen – das ist ganz schwierig“, stellt der Ranger klar. „Selbst wenn die Leute sagen, dass sie ja eine Grillschale benutzen: Wenn da der Wind reinfährt, reicht ein Funken, den es in den Wald treibt, für einen Brand.“
Übernachten in Natur stört Tiere
Unter den 30 bis 40 Personen, die in einer einzigen Nacht am Walchensee anzutreffen seien, seien aber auch welche, „die einfach nur in die Sterne schauen wollen“. Besonders problematisch werde dies allerdings, wenn es mit einer Übernachtung verbunden sei. An der Oberen Isar und am Walchensee gilt ein Nachtparkverbot. Mittlerweile aber beobachtet Adlwarth, dass immer mehr Menschen mit dem Fahrrad kommen – mitsamt Grill, Zelt oder Schlafsack im Gepäck.
Bei allem Verständnis für die Romantiker: Adlwarth macht darauf aufmerksam, dass die Tiere wenigstens in der Nacht ihre Ruhe vor dem Menschen brauchen. „Weil tagsüber so viel los ist, trauen sich viele Tiere nur noch nachts zum Fressen und Trinken raus.“ Zumindest diese Verschnaufpausen bräuchten unter anderen Vögel und Rotwild – ganz besonders jetzt, in der Brut- und Setzzeit. Mit den Zelten und Schlafsäcken könne man zudem seltene Orchideen niederdrücken und zerstören, die man im Dunkeln nicht sieht.
Auch bei der Wahl des Badeplatzes appelliert der Ranger für Rücksicht: Kiesbänke in der Isar sind tabu, weil hier der bedrohte Flussregenpfeifer brütet. Zu entdecken ist er aufgrund seiner guten Tarnung zwar kaum, unübersehbar sind dafür die Schilder, die auf die betroffenen Stellen aufmerksam machen.
Unberührte Winkel in Ruhe lassen
Was Adlwarth weiter Sorgen macht: Einige Ausflügler dringen immer weiter in die letzten noch relativ unberührten Winkel vor. Baff war er zum Beispiel, als er am Markgraben am Sylvenstein eine 60 bis 70 Meter lange Slackline über eine 120 Meter tiefe Schlucht entdeckte. Die dazugehörigen Sportler, die hier den Nervenkitzel beim Balancieren gesucht hatten, waren nicht mehr anzutreffen. „Das ist Gamsgebiet, und auch das Rotwild wittert den Menschen und zieht sich zurück“, erklärt Adlwarth. Und im Fall, dass etwas passiert, sei es zudem für die Rettungskräfte überaus aufwendig, in ein so abgelegenes Gebiet zu gelangen. „Wenn man so etwas unbedingt machen will, sollte man zuvor mit der Unteren Naturschutzbehörde absprechen, wo es möglich ist.“
Schlucht am Sylvenstein: Influencer machen „Survival-Trip“
Wer mittlerweile ebenfalls zu jeglichem schönen Fleckerl der Welt vorstößt, sind Influencer. „In einer Schlucht am Sylvenstein habe ich ein Pärchen angetroffen, das in der Klamm ein Zelt aufgeschlagen und ein Feuer gemacht hatte, und dies als Survival-Trip mitsamt Wegbeschreibung auf Instagram propagieren wollte“, so Adlwarth. „Ich habe ihnen gesagt, dass das der falsche Weg ist.“
Immer wieder sieht der Ranger außerdem, dass wild auf Wald und Wiesen geparkt wird – obwohl sowohl am Walchensee als auch an der Oberen Isar eigentlich genügend erlaubte Stellplätze ausgewiesen sind. „Ein Katalysator kann bis zu 2000 Grad heiß werden. Bei Trockenheit kann eine Wiese oder der Waldboden darunter zu brennen anfangen“, erklärt er dann.
Adlwarth beobachtet aber auch positive Entwicklungen. „Es gibt immer wieder Leute, die in der Natur Müll einsammeln“, sagt er. Überhaupt habe sich die Müllsituation stark verbessert, insbesondere am Walchensee Richtung Zwergern. Seit die Gemeinde hier große Container aufgestellt habe, „liegt auf den Stränden und Wiesen bis zu 90 Prozent weniger Müll“. Und häufig stößt seine Botschaft auf offene Ohren: „Wir haben hier ein Paradies, das müssen wir zusammen schützen.“