Eichenkofen: Bio-Pioniere mit vielen Standbeinen

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Ein echter Familienbetrieb: Albert, Verena, Jonas und Birgit Ippisch bewirtschaften den Biohof, der von Vater und Tochter geleitet wird. © Kathrin Kapfer

Die Landwirtsfamilie Ippisch in Eichenkofen ist seit 30 Jahren ein Naturland-Betrieb. Die Direktvermarktung und der Hofladen sind wichtige Bausteine. Und die neue Obstanlage.

Konventionell läuft’s auf dem Bauneibl-Hof schon seit mehr als 30 Jahren nicht mehr. 1991 stellte Albert Ippisch die Landwirtschaft auf Bio um, seit 1994 ist der Biohof Ippisch ein Naturland-Betrieb. Zum 30. Siegel-Jubiläum hat Verena Ippisch ein neues Standbein ins Vielfältigkeitskonzept gebracht. Auf einem Hektar reift ihre Idee für eine zusätzliche Direktvermarktungsschiene heran: Obst, vor allem Äpfel, aber auch Birnen und Zwetschgen. Gedüngt wird ausschließlich mit Mist und Gülle aus der eigenen Tierhaltung. An der Kreuzstraße 7 in Eichenkofen ist Landwirtschaft im Einklang mit der Natur das alternativlose Geschäftsmodell.

„Ich bereue es nicht“, kommentiert Albert Ippisch seine Entscheidung, den Kartoffel- und Milchviehbetrieb, den er von seinem Vater übernommen hatte, von konventioneller Bewirtschaftung auf eine biologisch-nachhaltige umzustellen. „Schon in der Landwirtschaftsschule habe ich mich nicht mit dem Einsatz von synthetischen Düngern und Pflanzenschutzmitteln identifizieren können“, erzählt der Betriebsleiter.

„Die Fruchtfolge ist das A und O“

Stattdessen setzt er seit 30 Jahren auf eine Kreislaufwirtschaft mit sechsgliedriger Fruchtfolge. Das bedeutet, dass jedes Jahr etwas anderes auf dem Feld wächst: im ersten Jahr Kleegras, das viel Stickstoff bindet, im zweiten Weizen, der viel davon braucht. Auf Dinkel und Kartoffeln folgen Roggen, Mais und zuletzt Hafer. Nach sechs Jahren fängt alles wieder von vorne an. „Die Fruchtfolge ist das A und O“, sagt Ippisch. Denn sie gewährleistet, dass dem Boden nie alle Nährstoffe entzogen werden und er genug Zeit hat, sich zu regenerieren.

Das Getreide aus der biologischen Ackerwirtschaft ist gefragt: Als er in den 1990er Jahren einer der wenigen Bio-Landwirte in Bayern gewesen sei – damals lag ihr Anteil bei rund zwei Prozent –, habe er zwar noch mehr für den Doppelzentner Weizen, Dinkel und Roggen bekommen, sagt Ippisch, „aber die Rechnung geht auch jetzt noch auf“. Er liefert seine Feldfrüchte an die Meyermühle in Landshut, die das Mehl für die Hofpfisterei produziert.

Der Hafer wird in einer Mühle in Norddeutschland verarbeitet und dient als Grundstoff unter anderem für hochwertige Produkte wie die Herstellung von Hafermilch. Albert Ippisch ist froh, dass Sohn Jonas sein Interesse für den ökologischen Ackerbau teilt. Er hat in Weihenstephan Agrarwissenschaften studiert und mittlerweile die Verantwortung für diesen Teil der Landwirtschaft übernommen.

Glückliche Kühe, entspannte Ochsen

Für die Milchkühe und die Ochsen, deren Fleisch die Ippischs direkt vermarkten, baute Albert Ippisch seinerzeit „so schnell wie möglich einen Laufstall“. Während ein Teil der jungen Ochsen entspannt auf Tiefstreu döst, lässt sich der andere nebenan das saftige Kleegras schmecken. Gefüttert werden die Tiere nur mit dem, was auf den Äckern wächst. Auch der Mais in der Silage des Winterfutters stammt aus eigenem Anbau.

Platz haben die Tiere auch mehr als gefordert. Vor allem die Handvoll halbwüchsiger Kühe, die auf drei Hektar genüsslich grasen können. Kommen die Landwirte zu Besuch, queren sie aus Neugierde schon mal die halbe Weide und lassen sich an der Blesse oder am Kinn kraulen. „Wenn sie den Kopf senken, muss man a bisserl aufpassen“, warnt Verena Ippisch. Denn hier tragen sie alle Hörner, auf die sie im Zweifel auch mal jemanden nehmen können.

Um 17 Uhr melden sich die Milchkühe. Birgit Ippisch, Alberts Frau, tauscht das rote Sommerkleid gegen das Stall㈠gwand und beginnt mit dem Melken. Jeden Tag zweimal geben die Kühe Biomilch, die von der Andechser Molkerei am Hof abgeholt wird. Diese Partnerschaft kam jedoch erst zustande, als mehr Bauern im Landkreis auf Bio umgestellt hatten. „Vorher hat es sich für die Andechser nicht gelohnt, extra wegen unserer Milch bis nach Erding zu fahren“, sagt Albert Ippisch.

Lange folgen die Ippischs dieser Stallroutine nicht mehr. Das Vater-Tochter-Gespann, das seit 2021 den Betrieb gemeinsam leitet, plant auch hier eine Veränderung: Statt Milchkühen im Stall werden ab nächstem Jahr Mutterkühe mit ihren Kälbern auf der Weide stehen. „Ungefähr für fünf Kühe mit Kälbern ist Platz auf der drei Hektar großen Weide“, erklärt der Bio-Landwirt.

Die Kälber dürfen bei ihren Müttern bleiben, bis sie als Ochsen oder Färsen aufgestellt werden. Dann werden sie gemästet und schließlich geschlachtet. Für einen Teil übernimmt das der örtliche Metzger, das Fleisch vermarktet Familie Ippisch im Hofladen. Die anderen Tiere werden nach Glonn gebracht und dort in den Hermannsdorfer Landwerkstätten, ein ebenfalls biozertifizierter Betrieb, zu Fleischprodukten verarbeitet.

Viel Platz und jede Menge saftiges Gras: Die Färsen lassen es sich auf der fünf Hektar großen Weide gutgehen.
Viel Platz und jede Menge saftiges Gras: Die Färsen lassen es sich auf der fünf Hektar großen Weide gutgehen. © Kathrin Kapfer

„Es ist nicht immer leicht, sie gehen zu lassen“, sagt Verena Ippisch: „Zu einigen hat man schon eine besondere Beziehung.“ Vor allem die Pustertaler Rinder mit dem schwarz-weißen Fell mag sie gerne – auch wegen ihres „sanften Charakters“. Viel Platz, gutes Futter, eine artgerechte Haltung und keine langen Transportwege – „Rindvieh passt gut zu Bio“, findet Albert Ippisch. Zumal die Tiere nebenbei für besten Dünger sorgen.

Die erste Obstanlage im Landkreis

Mit ihrer ersten Ausbildung hat Verena Ippisch bereits die Weichen zu einer Geschäftsidee gestellt, die in den nächsten Jahren zum Umsatz beitragen soll. Die Wahl der Fachrichtung Obstanbau bei ihrer Gärtner㈠ausbildung, die sie 2014 in Hallbergmoos angetreten hatte, macht sie heute zur Expertin. Als erster Betrieb im Landkreis Erding hat der Biohof Ippisch seit diesem Jahr eine Obstanlage.

4000 Apfel-, Birn- und Zwetschgenbäume lehnen sich an Drahtseile, die zwischen lange Pfosten gespannt sind. Mitte August tragen die meisten schon fast reife Früchte, in zwei Jahren rechnet Verena Ippisch mit der ersten Vollernte. Das Obst will sie direkt vermarkten. Klingende Namen wie „Sommernachtstraum“, „Sonnenglanz“, „Zauberapfel“ oder „Kaiserin Elisabeth“ unterstützen das Vermarktungskonzept. Vor allem setzt die 26-Jährige aber auf Mundpropaganda im besten Sinn: Genussvoll beißen sie und ihr Vater in einen saftig-süßen, knallroten „Sommernachtstraum“.

Hereinspaziert: Im Hofladen gibt es neben Obst und Eiern auch Kartoffeln, Fleisch, Nudeln und Essig.
Hereinspaziert: Im Hofladen gibt es neben Obst und Eiern auch Kartoffeln, Fleisch, Nudeln und Essig. © Kathrin Kapfer

Um die Früchte vor Schädlingsbefall zu schützen, nutzt Verena Ippisch ein natürliches Allheilmittel: ein funktionierendes Ökosystem. Dazu sät sie zwischen den Obstreihen Blühmischungen aus, die eine Vielzahl von Insekten anlocken sollen. Haben die sich an den Läusen oder Raupen in Blüten, Blättern und Früchten der Wirtschaftspflanze satt gefressen, finden sie gleich nebenan einen reich gedeckten Tisch mit anderer Nahrung.

Vielfalt ist das Zauberwort, verrät die Gärtnerin, die nach ihrem erfolgreichen Abschluss an der Fachschule für ökologischen Landbau in Landshut ihr Wissensspektrum erweitert hat. Ihre Meisterarbeit beschäftigte sich, wenig überraschend, mit dem Obstanbau. Auch beim Gießen gilt das Prinzip der Nachhaltigkeit: eine Tropfbewässerung sorgt dafür, dass die Bäume ausreichend versorgt sind.

Dass aller Anfang manchmal schwer sein kann, bekam Verena Ippisch dieses Jahr mit voller Wucht zu spüren. Kurz nachdem im Juni alle 4000 Bäumchen gepflanzt und die Halterungen im Boden verankert waren, fegten Gewitter-Windböen die gesamte Anlage um – genau einen Tag, bevor die Hagelschutznetze fest montiert werden sollten. „Das war einfach Pech“, sagt Albert Ippisch.

Viel Unterstützung nach Rückschlag

2000 Bäumchen waren nicht mehr zu retten. Zudem mussten fast alle Pfosten der Anlage neu gesetzt werden. Die Ippischs sind sehr dankbar, dass so viele Freunde, Bekannte und die Familie beim Aufräumen und Wiederaufbau geholfen haben. „Die Leute sind zum Teil drei Wochen danach noch gekommen und haben mit angepackt“, berichtet Verena Ippisch. Trotz des Rückschlags ist sie sich ihrer Entscheidung sicher. „Der Verkauf der Früh㈠äpfel ist sehr gut angelaufen“, sagt sie. Als nächstes werden die Flächen zwischen den Bäumen mit verschiedenen Blühmischungen bepflanzt. Wie immer hilft die ganze Familie mit.

Die Obstanlage ist auch ein Schlaraffenland für Bienen. Ein Imker will hier seine Bienenhäuser aufstellen. Den Honig verkauft Verena Ippisch im Hofladen, der im Bauernhaus untergebracht ist. Naturland-Werbeschilder wie „Hier bin ich Kuh, hier darf ich’s sein“ , „Unser Herz schlägt für den Kreislauf der Natur“ oder „Unsere Hühner stehen auf Gras“ lassen keinen Zweifel an der Ausrichtung des Familienbetriebs. Und sie weisen auf ein weiteres Standbein hin: Die Hühner, die auf einer Wiese hinter dem Hof nach Essbarem picken. Die Eier kann man auch im Hofladen kaufen, geöffnet täglich von 7.30 bis 19 Uhr.

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